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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Kapwolken; Kar; Kara; Kara-Amid; Káraba; Karabagh; Karabiner; Karabiniere; Karadagh; Karadjordje; Karadschitsch

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Kapwolken - Karadschitsch.

mals erworben haben. Die Gesamtproduktion wird auf 24,000 Pipen im Wert von 380,000 Pfd. Sterl. angegeben.

Kapwolken, s. Magelhaenssche Wolken.

Kar, in den Bayrischen Alpen und in Tirol Bezeichnung für thalähnliche Vertiefungen im Felsgebirge, die als Weide benutzt werden; in Tirol auch die nächste Umgebung der Almhütte, in Oberösterreich ein Gebirgskessel mit nur einem Ausgang. Das Wort kommt auch in Namen von Bergen, Gletschern etc. vor, z. B. Karwendel, Eiskar, Gemskarkogel u. a.

Kara (türk.), in zusammengesetzten Ortsnamen vorkommend, bedeutet "schwarz".

Kara-Amid, Stadt, s. Diarbekr.

Káraba (Káruba, arab.-pers., "Stroh raubend oder anziehend"), s. v. w. Bernstein, so benannt nach seiner elektrischen Eigenschaft.

Karabagh (pers., "schwarzer Garten"), ehemals selbständiges Chanat, jetzt der südlichste Teil des russ. Gouvernements Jelissawetpol, von Persien durch den Araxes getrennt, ist ein von sich kreuzenden Zügen erfülltes Gebirgsland, das in mehreren Gipfeln (Kjambil 4740 m, Kapudschich 3918 m) die Schneegrenze überragt. Das Land stand zuerst unter der Oberherrschaft armenischer Fürsten (Melik), bis die tatarischen Einwohner einen damaligen Dorfältesten, Pana Chan, zum alleinigen Fürsten erhoben und die armenischen Meliks stürzten. Pana Chan erbaute Schuscha und machte es zu seiner Residenz. Der letzte karabaghische Chan war Mechti Kuli Chan, der 1822 nach Persien floh; die Russen nahmen nach seiner Flucht K. unter eigne Verwaltung.

Karabiner (franz. carabine), ein für den bequemen Gebrauch der Kavallerie verkürztes Infanteriegewehr, selten über 1 m lang. An der linken Seite ist er mit einem Ring versehen, in welchen der an einem Lederriemen des Bandeliers befestigte Karabinerhaken eingehakt wird, damit der Reiter den K. nach dem Schuß frei herunterfallen lassen kann. Er wird an der rechten Seite des Sattels oder am Riemen über der Schulter getragen. In seiner Konstruktion schließt er sich vollständig an das Ordonnanzgewehr des betreffenden Staats an, dessen Patrone er auch verfeuert. In Deutschland erhielt die Kavallerie nach 1870 an Stelle des Zündnadelkarabiners (System Dreyse) den für die Anwendung der Patrone M/71 aptierten Chassepotkarabiner, der aber nach und nach durch den Karabiner M/71 ersetzt worden ist; s. Handfeuerwaffen, S. 109.

Karabiniere (franz. carabiniers, carabins), ursprünglich s. v. w. berittene Arkebusiere. Heinrich IV. teilte solche K. seiner schweren Reiterei zu, später waren sie bald in selbständige Abteilungen formiert, bald auf die Reiterregimenter verteilt. In der Napoleonischen Zeit gab es zwei, nach 1815 anfänglich eins, bald wieder mehrere Regimenter K. als schwere, aber mit einer längern Schußwaffe (Karabiner) versehene Reiterregimenter. Nach 1870 verschwand der Name in Frankreich. Seit 1876 führt ein königlich sächsisches schweres Reiterregiment den auch schon früher in dieser Armee üblich gewesenen Namen K. Belgien hat ein Regiment K. unter seinen Fußtruppen. In Italien ist Karabinier s. v. w. Gendarm.

Karadagh, 1) türk. Name von Montenegro. - 2) Gebirge, s. Kynoskephalä.

Karadjordje ("schwarzer Georg"), s. Czerny 1).

Karadschitsch (Karadžič), Wuk Stephanowitsch, der Begründer der neuserbischen Litteratur, geb. 7. Nov. 1787 zu Trschitz an der Drina im damals noch türkischen Serbien aus einer herzegowinischen Familie. Obschon es in seinem Geburtsort an allen Bildungsmitteln fehlte, überwand doch der starke Wissensdrang des Knaben alle Hindernisse: aus einer altslawischen Bibel lernte er beim Hüten der Herde lesen, aus Schilf schnitzte er sich Federn, und aus Schießpulver bereitete er sich Tinte. Dabei sammelte er fleißig die Lieder, Sprichwörter und Erzählungen, welche im Munde des Volkes lebten. Nachdem sich K. an dem serbischen Aufstand gegen die Türken 1804 beteiligt begab er sich nach Unterdrückung desselben nach Karlowitz in Österreich und besuchte die dortige Schule, wo er Lateinisch und Deutsch lernte. Hierauf nahm er an einem neuen Aufstand gegen die Türken als Sekretär des serbischen Führers Nenadowic teil, wurde Geheimsekretär des Senats in Belgrad und mit wichtigen politischen Missionen betraut. Als aber 1813 die Türken wieder das Übergewicht erlangten und der Held Karadjordje nach Österreich fliehen mußte, begab sich K. gegen Ende 1813 nach Wien. Hier wurde er von dem Slawisten Kopitar, der seine ausgezeichnete Begabung für Auffassung von Volksart und Volkssprache erkannte, bewogen, sich ausschließlich litterarischen Arbeiten zu widmen. Die damals vorhandenen serbischen Bücher waren in der altslawischen Kirchensprache, vermischt mit russischen Bestandteilen, geschrieben, dem Volk aber vollkommen unverständlich; K.' Bestreben war daher, die reine Volkssprache der Serben mit einfacher, verständlicher Orthographie an die Stelle jener zu setzen und zur Schriftsprache zu erheben. Zu diesem Zweck unermüdlich thätig, veröffentlichte er zunächst eine kleine Sammlung von Liedern in der serbischen Volkssprache ("Mala prostonarodna slaveno-srbska pesmarica", Wien 1814), der er den ersten Versuch einer serbischen Grammatik ("Pismenica srbskoga jezika", das. 1814) und sein serbisches Wörterbuch ("Srbski rječnik", mit lateinischer und deutscher Übersetzung der Wörter und vielen ethnologisch-historischen Erklärungen, 1818; 2. vermehrte Aufl., das. 1852) folgen ließ. Als Einleitung war dem letztern Werk eine neue Bearbeitung seiner Grammatik beigegeben, die Jakob Grimm 1824 ins Deutsche übersetzte. Am meisten erregte er die allgemeine Aufmerksamkeit, auch des Auslandes, durch seine musterhafte Sammlung serbischer Volkslieder: "Narodne srbska pjesme" (Leipz. u. Wien 1823-33, 4 Bde.; 2. erweiterte Ausg., Wien 1841-1865; dazu noch "Srbske pjesme iz Herzegovine", das. 1866), die in viele fremde Sprachen übersetzt wurde (deutsch von Talvj, 2. Aufl., Leipz. 1853, 2 Bde.; von Gerhard, das. 1828, 2 Bde.; von Kapper, das. 1852, 2 Bde.). Außerdem gab er für serbische Geschichte und Philologie den Almanach "Danica" ("Morgenstern", Wien 1826-34, 5 Bde.) sowie "Serbische Volkssprüche" ("Srbske narodne poslowice", 2. Aufl., das 1849) und eine Sammlung serbischer Volksmärchen ("Srbske narodne pripovijetke" (das. 1853; deutsch von K.' Tochter Wilhelmine, Berl. 1854) heraus. Im J. 1828 wurde K. vom Fürsten Milosch von Serbien zur Ausarbeitung eines Gesetzbuchs beauftragt, infolgedessen er nach Belgrad übersiedelte; doch konnte er sich mit dem despotischen Wesen des Fürsten auf die Dauer nicht vertragen und kehrte nach zwei Jahren nach Wien zurück. 1834-35 bereiste er Dalmatien und Montenegro (worüber er in dem Werk "Montenegro und die Montenegriner", 1837, berichtete), 1837-38 Ungarn und Kroatien, später wiederholt Serbien. Von den Akademien der Wissenschaften zu Wien, Berlin, Petersburg, Moskau etc. zum Ehrenmitglied