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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Karisse; Karistien; Karitativsystem; Karkajou; Karkasse; Karkinitischer Meerbusen; Karl

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Karisse - Karl.

unüberwindlich. Von 1869 bis 1882 stehen elf günstigen Jahren nur zwei ungünstige gegenüber. Unter den die Vermeidung der bisherigen Mißerfolge und Zeitverluste betreffenden Vorschlägen ist derjenige, welcher die Errichtung von Depots an einer der südlichen Straßen bezweckt, ohne Zweifel der beste. S. Karte "Nordpolarländer".

Karisse, s. Carissa.

Karistien (Caristia), bei den alten Römern das am 22. Febr. an das allgemeine Totenfest (s. Feralien) sich anschließende Verwandtschafts- oder Versöhnungsfest, welches durch die ganze Stadt familienweise mit gegenseitigen Geschenken und fröhlichen Mahlzeiten gefeiert wurde.

Karitativsystem, nach A. Wagner Bezeichnung für die Wirtschaftsorganisation, in welcher die Liebe eine Triebfeder für wirtschaftliche Handlungen abgibt und unvergoltene Güterübertragungen bewirkt (private Armenpflege, Wohlthätigkeitsanstalten etc.). Die Bezeichnung "System" ist übrigens zur Erklärung der einfachen Thatsache wenig geeignet, daß die Liebe als Beweggrund menschlicher Handlungen nicht allein auf die wirtschaftlichen Erscheinungen einen Einfluß ausübt, sondern auch vielfach eine wohlthätige ergänzende und ausgleichende Rolle zu spielen berufen ist.

Karkajou, s. Vielfraß.

Karkasse (franz.), ältere Brandkugel (s. d.), auch das Gerippe zu Leucht- und Brandkugeln (Leucht-, resp. Brandkugelkreuz), aus starken schmiedeeisernen Schienen mit Boden. Ferner das Gerippe oder die Unterlage eines weiblichen Kopfputzes (Haube); Karkassendraht, der hierzu dienende, mit ungezwirnter Seide besponnene, sehr dünne Draht.

Karkinitischer Meerbusen (auch Totes Meer genannt), Golf an der Nordküste des Schwarzen Meers, im W. der Halbinsel Krim.

Karl (althochd. Charal, Karl, "Mann", latinisiert Carolus, franz. u. engl. Charles, ital. Carlo, span. Carlos), männlicher Vorname, Name zahlreicher fürstlicher Personen.

Übersicht nach den Ländern:

Karolinger 1-4.

Deutsche Kaiser u. Könige 5-8.

Baden 9.

Bayern 10, 11.

Brandenburg 12.

Braunschweig 13, 14.

Burgund 15.

Frankreich 16-25.

Großbritannien 26-28.

Hohenzollern 29, 30.

Lothringen 31-34.

Mecklenburg 35.

Neapel-Sizilien 36-38.

Österreich 39.

Parma 40.

Pfalz 41, 42.

Preußen 43.

Rumänien 44.

Sachsen-Weimar 45-47.

Savoyen-Sardinien 48-52.

Schleswig-Holstein 53.

Schwarzburg 54.

Schweden 55-63.

Spanien 64-68.

Prätendenten 69-71.

Württemberg 72-74.

[Geschlecht der Karolinger.] 1) K. Martell, der "Hammer", der Sohn des Majordomus Pippin von Herstal und der schönen Chalpaida, geboren um 688, wurde nach dem Tod seines Vaters (714) von den austrasischen Franken zum Herzog gewählt, schlug die Neustrier unter ihrem König Chilperich II. und dem Majordomus Raganfrid 716 und 717 bei Amblève und Vincy. Er erhob nun Chlotar IV., nach dessen frühem Tode Theuderich IV. auf den Thron und wurde, als Chilperich von Neustrien 720 starb, Majordomus des ganzen Frankenreichs. Indem er kirchliche Ämter Anhängern, meistens Laien, verlieh, manchem von ihnen sogar mehrere Bistümer übertrug, wußte er die reichen Hilfsmittel der Kirche für die Ausbreitung seiner Macht nutzbar zu machen. Denn in Wahrheit herrschte er, nicht der König, obwohl man dem Merowinger noch immer königliche Ehren erwies. Als Theuderich 737 starb, hat K. Martell keinen König mehr eingesetzt. Nachdem er die Friesen meist unterworfen (722) und sogar die Sachsen bekriegt hatte (724), bewältigte er die widerstrebenden deutschen Stämme, wie Bayern (728) und Alemannen (730). Indem er dann die Araber, deren gewaltigem Anprall das Westgotenreich in Spanien und das Herzogtum Aquitanien erlegen waren, in der denkwürdigen Schlacht bei Poitiers (auch bei Tours genannt) 732 und bei Narbonne 737 besiegte und ihrem Vordringen für immer Halt gebot, hat er sich ein Anrecht darauf erworben, als der Retter der christlich-germanischen Kultur gepriesen zu werden. Die Macht seines Hauses hatte K. Martell begründet, die des Frankenreichs wiederhergestellt; dem Papst konnte er gegen die Langobarden nicht mehr helfen, denn er starb schon 22. Okt. 741 in Kiersy, nachdem er die Herrschaft unter seine Söhne Karlmann und Pippin den Kleinen geteilt hatte. Vgl. Breysig, Jahrbücher des fränkischen Reichs 714-741 (Leipz. 1869).

2) K. I., der Große, König der Franken und römischer Kaiser, Enkel des vorigen, ältester Sohn Pippins des Kleinen und der Bertha, einer Tochter Chariberts, Grafen von Laon, geb. 2. April 742. Sein Geburtsort ist unbekannt, Aachen oder Ingelheim sind nur durch die Sage oder spätere Schriftsteller beglaubigt. K. wurde nach dem Tod seines Vaters (768) mit seinem Bruder Karlmann zum König gesalbt und erhielt Austrasien und einen Teil von Aquitanien, bemächtigte sich aber nach seines Bruders Tod 771 mit Zustimmung der Großen des ganzen Reichs, worauf Karlmanns Witwe samt ihren unmündigen Söhnen zu ihrem Vater, dem Langobardenkönig Desiderius, floh. 773 zog er gegen letztern, zwang ihn nach einer zehnmonatlichen Belagerung in Pavia, sich zu ergeben, schickte ihn in ein Kloster und ließ sich als König der Langobarden huldigen (Juni 774). Daneben beschäftigte ihn bereits seit 772 der Plan, die noch unabhängigen Sachsen zu unterwerfen und zugleich zum Christentum zu bekehren. Nachdem sich auch die Reichsversammlung zu Worms für den Krieg entschieden hatte, drang K. in das Land des sächsischen Stammes der Engern ein, nahm die Eresburg (an der Stelle des heutigen Stadtberge) ein und zerstörte die Irminsul, nach sächsisch-heidnischem Glauben die das Weltall tragende Säule (unweit Altenbeken). Die Engern versprachen Unterwerfung und Annahme des Christentums. 774 empörten sie sich wieder, wurden aber durch ein fränkisches Heer geschlagen und gezüchtigt. 775 wurden dann nicht nur die Engern, sondern auch die Ostfalen und Westfalen, die andern Stämme der Sachsen, unterworfen; allein sie empörten sich immer wieder (so 776 und 778). Am gefährlichsten war der Aufstand von 782. Widukind, ein westfälischer Fürst, kehrte damals aus Dänemark, wo er bisher eine Zuflucht gefunden hatte, zurück, reizte die Sachsen, welche gerade auf einem Zuge gegen die feindlichen Sorben Heeresfolge leisten sollten, auf, und sie vernichteten ein fränkisches Heer am Süntelgebirge. K. erschien alsbald und ließ zum warnenden Beispiel 4500 Sachsen zu Verden an der Aller enthaupten. Nun erhoben sich die Sachsen von neuem zahlreicher als je, aber K. schlug sie 783 bei Detmold und entscheidender an der Hase. Damit war der sächsische Krieg eigentlich beendet, besonders da sich 785 Widukind und Albion, ein andrer Häuptling, unterwarfen und zu Attigny taufen ließen. Zwar griffen die Sachsen noch mehrmals zu den Waffen, aber beim Herannahen Karls ergaben sie sich gewöhnlich. Die Nordalbinger (Sachsen nördlich der Elbe) wurden erst