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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Karl

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Karl (Burgund, Frankreich).

er sein bedeutendes, namentlich an Diamanten reiches Vermögen der Stadt Genf mit der Verpflichtung, ihm daselbst ein großes Reiterstandbild zu errichten. Dasselbe (Bronzestatue von Cain) ist 1879 enthüllt worden. Die auf seinen Befehl französisch und deutsch abgefaßten Memoiren (1836, 1844) sind ein verlogenes Machwerk.

[Burgund.] 15) K. der Kühne (Charles le Téméraire), Herzog von Burgund, einer der mächtigsten Fürsten des spätern Mittelalters, Sohn des Herzogs Philipp III., des Guten, aus dem Haus Valois und dessen dritter Gemahlin, Isabella von Portugal, geb. 10. Nov. 1433 zu Dijon, führte zuerst den Titel Graf von Charolais. Von stattlicher Gestalt, übte er sich früh in allen Ritterkünsten. Er lebte einfach und mäßig, und sein Sinn war ganz auf kühne Unternehmungen und männliche Thaten gerichtet; er war tapfer und energisch, aber auch jähzornig, leidenschaftlich und unversöhnlich. Mit seinem Vater entzweite er sich aufs heftigste wegen dessen Begünstigung der Brüder de Croy und lebte meist in Dendermonde. 1465 stellte er sich an die Spitze des von den französischen Großen gegen Ludwigs XI. Despotie geschlossenen Bundes (ligue du bien public). Er fiel in Frankreich ein, erschien mit 26,000 Mann vor Paris, lieferte 16. Juli dem König die unentschiedene Schlacht bei Montlhéri (16. Juni 1465) und diktierte 29. Okt. den Frieden von Conflans. 1467 folgte er seinem Vater auf dem Thron und betrieb seitdem den Plan, ein Königreich Burgund herzustellen, dem auch Lothringen, die Schweiz und das südliche Frankreich einverleibt werden sollten. Als sich 1468 Lüttich, von Frankreich aufgereizt, gegen seinen Bischof empörte, brachte K. König Ludwig XI. durch List in seine Gewalt und zwang ihn zum Vertrag von Péronne (14. Okt.), worauf derselbe der grausamen Züchtigung Lüttichs beiwohnen mußte. Die Zusammenkunft, die er 1473 zu Trier mit Kaiser Friedrich III. hatte, um die Erhebung seines Herzogtums zum Königreich zu erlangen, blieb resultatlos. Durch seine Eroberungsgier geriet er mit allen Nachbarn in Streit, und nachdem er 1474-75 Neuß vergeblich belagert, wandte er sich gegen die Schweizer, welche 1474 seinem Heer bei Héricourt eine Niederlage beigebracht, verlor aber gegen sie die beiden Schlachten bei Granson (1. März 1476) und bei Murten (22. Juni), die mit schmachvoller Flucht und Verlust seines kostbaren Lagers endeten, und fiel 5. Jan. 1477 in der Schlacht bei Nancy, das er hatte wiedererobern wollen, und wo er nun, der letzte der burgundischen Valois, begraben wurde. Seine Erbin war seine und seiner Gemahlin Isabella von Bourbon einzige Tochter Maria, welche den Erzherzog Maximilian von Österreich heiratete. Der Untergang des stolzen Burgunderherzogs durch die Heere der Eidgenossen gab für eine Reihe dramatischer Dichtungen den Stoff ab, von denen als die jüngsten nur die Tragödien von Gengenbach ("Schlacht bei Murten", 1854) und M. Meyr ("K. der Kühne", 1862) genannt seien. Vgl. Barante, Histoire des ducs de Bourgogne de la maison de Valois (8. Aufl., Par. 1858, 8 Bde.); Rodt, Die Feldzüge Karls des Kühnen (Schaffh. 1844-45, 2 Bde.); Kirk, History of Charles the Bold, duke of Burgundy (Lond. 1863, 3 Bde.); Hoch, Murten und K. der Kühne (deutsch, Basel 1876).

[Frankreich.] 16) K. I., s. v. w. Karl d. Gr. (s. 2).

17) K. II., s. v. w. Karl der Kahle (s. 3).

18) K. III., von spätern Chronisten mit Unrecht der Einfältige genannt, Ludwigs II., des Stammlers, jüngster Sohn von zweifelhafter Legitimität, geb. 879, wurde, als sein Bruder Karlmann 884 starb, bei der Besetzung des Throns zu gunsten Karls des Dicken von Ostfranken durch die von den Normannen hart bedrängten Franzosen übergangen. Nach dem Tod Karls des Dicken machte er dem Usurpator Odo die französische Krone streitig und zwang ihn 897 zu einem Vertrag, in dem alles Land zwischen Seine und Maas ihm abgetreten wurde. Als dann Odo im Januar 898 starb, ward K. König von ganz Frankreich, vermochte aber den übermächtigen Vasallen gegenüber nicht mehr Ruhe und Ordnung herzustellen. Dem furchtbaren normannischen Piratenhäuptling Hrolf (Rollo) Gangr überließ er 912 die Normandie als erbliches Herzogtum, wofür Hrolf unter dem Namen Robert Christ wurde und des Königs Tochter Gisela heiratete. Die Zwistigkeiten in Deutschland benutzte er, um 912 Lothringen diesem abzunehmen und mit Frankreich zu vereinigen. 922 brach gegen ihn ein Aufstand der französischen Großen unter Giselbert von Lothringen, Rudolf von Burgund und Robert von Francien, der zum König ausgerufen wurde, aus. In der Schlacht bei Soissons (923) fiel zwar der letztere, aber der König wurde besiegt und Rudolf von Burgund an seiner Stelle auf den Thron erhoben. Noch hielt K. sich im Feld, als ihn Graf Herbert von Vermandois durch verräterische Vorspiegelungen in die Gefangenschaft lockte. In des Grafen Schloß zu Péronne starb K. 929. Die Königin Ethgive vermochte mit Karls und ihrem Sohn Ludwig zu ihrem Bruder, dem englischen König Athelstan, übers Meer zu entfliehen; dieser Ludwig erhielt nach Rudolfs Tod als Ludwig IV., der Überseeische (Ultramarinus, d'Outremer), die französische Krone. Vgl. Borgnet, Étude sur le règne de Charles le Simple, im 17. Bd. der "Comptes rendus de l'Académie de Bruxelles".

19) K. IV., der Schöne, der dritte Sohn Philipps des Schönen und der Johanna von Navarra, geb. 1294, erhielt als Prinz den Titel eines Grafen von der Mark und bestieg nach dem Tod seines ältern Bruders, Philipps des Langen, im Januar 1322 den Thron. Den Grafen von Flandern unterstützte er glücklich gegen seine rebellierenden Unterthanen. Ebenso stand er seiner Schwester, der englischen Königin Isabella, gegen deren Gemahl Eduard II. bei, der besiegt und getötet wurde; hierfür trat Isabella an K. das Agénois ab und bezahlte ihm 50,000 Mark Sterl. (1327). Nach innen war Karls Regierung despotisch und drückend. Er starb 31. Jan. 1328 in Vincennes. Nach seiner Scheidung von der ehebrecherischen Blanka von Burgund ehelichte er Maria von Luxemburg und nach deren frühem Tod Johanna von Evreux, die ihm drei Töchter gebar. Mit ihm erlosch der gerade Mannesstamm der Kapetinger.

20) K. V., der Weise, Sohn König Johanns, geb. 21. Jan. 1337 zu Vincennes, ward durch die testamentarische Bestimmung Humberts II. von der Dauphiné erster Dauphin und übernahm schon 1356, als sein Vater in der Schlacht bei Maupertuis gegen die Engländer gefangen wurde, die Reichsverwaltung, hatte aber anfangs einen schwierigen Stand, da die Großen sich die Gewalt anmaßten, die Stadt Paris revoltierte und gleichzeitig die Unruhen der Jacquerie ausbrachen. Nach dem Frieden von Bretigny 1360 kehrte Johann auf den Thron zurück, welchen sodann nach seinem Ableben (8. April 1364) K. bestieg. Selbst dem Krieg abgeneigt, fand K. in dem Bretonen Bertrand Duguesclin eine glückliche Hand für dessen Führung. Die Söldnerbanden, welche das Land