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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Karl

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Karl (Frankreich, Großbritannien).

nahm er 1494 einen Kriegszug nach Italien, eroberte auch 1495 das Königreich, ward aber durch den Bund zwischen dem Papste, dem Kaiser, Ferdinand von Aragonien u. a. wieder aus Italien vertrieben. Erst 27 Jahre alt, starb er 7. April 1498. Mit ihm erlosch der ältere Stamm der Valois. Sein Nachfolger war Ludwig XII., Urenkel Karls V. Vgl. Ségur, Histoire de Charles VIII (2. Aufl., Par. 1842, 2 Bde.); Cherrier, Histoire de Charles VIII (2. Aufl., das. 1870, 2 Bde.).

24) K. IX., zweiter Sohn Heinrichs II. und der Katharina von Medici, bei seiner Geburt 27. Juni 1550 zum Herzog von Orléans ernannt, folgte seinem Bruder Franz II. 5. Dez. 1560 auf dem Thron und zwar unter Vormundschaft seiner Mutter. Nach Erlaß des Edikts von Amboise, das den Hugenotten Religionsfreiheit gewährte, wurde K. 1563 für mündig erklärt. Auf die Schwankungen der kriegerischen Erfolge gegen die Hugenotten (s. d.) hatte K. denselben Einfluß wie auf die diplomatischen Verhandlungen, welche den verschiedenen Friedensbeschlüssen vorhergingen; fortwährend rüttelte er an den Ketten, an welchen ihn seine Mutter lenkte. Bisweilen schien es sogar, als ob er wirklich den Wunsch hege, dem Bürgerkrieg wie der Herrschaft seiner Mutter zugleich ein Ende zu machen, und hierdurch getäuscht, leisteten die Häupter der Hugenotten bereitwillig seinen Aufforderungen, an den Hof zu kommen, Folge. Coligny gewann daselbst in der That Karls Zuneigung; doch waren die Einflüsterungen der Guisen mächtiger, und das Resultat der Bemühungen der Partei war die Pariser Bluthochzeit (s. Bartholomäusnacht). K. billigte die That, an welcher er sich beteiligte, öffentlich durch ein Lit de justice, bezeichnete sie als Notwehr gegen Verschwörung und zum Heil des Reichs auf seinen Befehl geschehen. Gleichwohl wurde sein Gewissen nicht wieder ruhig, und er erlag der beständigen nervösen Aufregung im Schloß zu Vincennes 30. Mai 1574. Seine Gemahlin Elisabeth, Tochter des Kaisers Maximilian II., hatte ihm keine Kinder geboren, daher ihm sein Bruder Heinrich III. in der Herrschaft folgte. Vgl. Desjardins, Charles IX, 1570-72 (Douai 1874); Mérimée, Chronique du règne de Charles IX (neue Ausg., Par. 1877, 2 Bde.); De la Barre-Duparcq, Histoire de Charles IX (das. 1875).

25) K. X. Philipp, dritter Sohn des Dauphins Ludwig, einzigen Sohnes Ludwigs XV., Bruder Ludwigs XVI. und XVIII., geb. 9. Okt. 1757 zu Versailles, erhielt den Titel eines Grafen von Artois. Seine Erziehung an dem frivolen Hof seines Großvaters Ludwig XV. blieb nicht ohne üble Einwirkung auf den überdies beschränkten Prinzen. 1782 beteiligte er sich an der Expedition der Spanier und Franzosen gegen Gibraltar und erhielt bei einem Aufenthalt im Lager bei St.-Roche die Würde eines Ludwigsritters. Kundgebungen einer durchaus absolutistischen Gesinnung zogen ihm bald den Haß des Volkes zu. Im Juli 1789 gab er das Zeichen zur Auswanderung des royalistischen Adels und zog allenthalben umher, seinem Vaterland Feinde zu erwecken. Bei Kaiser Leopold II. in Mantua warb er für eine Invasion, wohnte 1791 dem Kongreß zu Pillnitz bei und nahm im Emigrantenkorps an der Invasion von 1792 teil. Nach Ludwigs XVI. Tod ward er von Ludwig XVIII. zum Generalleutnant des Königs ernannt und versuchte 1795 mit einer englischen Flottille bei Ile Dieu eine Landung, die jedoch mißlang. Wieder wollte er mit den Russen unter Suworow gegen Frankreich (1799) ziehen, kehrte aber bei der Nachricht von Korsakows Niederlage sogleich wieder um, lebte von der ihm verliehenen englischen Pension von 15,000 Pfund Sterling in London und in Hartwell bei seinem Bruder und ging 1814 mit den Verbündeten wieder über den Rhein, bis er infolge einer Beschwerde des Herzogs von Vicenza auf dem Kongreß zu Châtillon ausgewiesen wurde. Erst als die Verbündeten gegen Paris zogen, trat auch er mit einer freiheitverheißenden Proklamation wieder in Frankreich auf. In Paris nahm er als Generalleutnant im Namen Ludwigs XVIII. die Rerierung ^[Regierung] in die Hand, verkündete Freiheit der Presse und der Personen, Aufhebung der Droits réunis (12. April 1814), erkannte auch die Grundzüge der Konstitution an und schloß einen Waffenstillstand mit den Verbündeten. Aber kaum war Ludwig XVIII. selbst in Paris angekommen, als er K. als Generalobersten in den Süden des Reichs entsandte. Bei Napoleons I. Rückkehr (1815) floh K. mit der königlichen Familie nach Gent. Nach der zweiten Restauration legte er die ausschweifendsten reaktionären Gelüste an den Tag, und selbst nachdem er sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen, intrigierten er und seine Gesinnungsgenossen (der Pavillon Marsan) noch gegen seinen Bruder Ludwig XVIII., die Charte und die Kammern. Nachdem er 16. Sept. 1824 seinem Bruder auf dem Thron gefolgt war und sich 29. Mai 1825 mit mittelalterlichem Pomp in Reims hatte salben und krönen lassen, schien er anfangs eine gemäßigtere Richtung einzuschlagen, lenkte aber sodann wieder in die frühere reaktionäre Bahn ein. Er berief Villèle an die Spitze des Ministeriums, welches das Gotteslästerungsgesetz, die Milliardenentschädigung an die Emigrierten, die Auflösung der Nationalgarde und die Einführung der Zensur durchsetzte, und übertrug, nachdem der gemäßigtere Martignac sich mit der Kammer nicht hatte verständigen können, Polignac die Leitung der Staatsgeschäfte. Durch auswärtige Erfolge suchte K. die Unzufriedenheit der Nation zu beschwichtigen und unternahm zu diesem Zweck 1830 die Expedition nach Algier. Doch blieb sie ohne Erfolg auf die Volksstimmung, zu deren Organ sich die 221 liberalen Mitglieder der Kammer machten. Um die Opposition zu unterdrücken, erließ K. 25. Juli 1830 die berüchtigten Juliordonnanzen. Hierdurch rief er die Julirevolution von 1830 hervor, infolge deren er 2. Aug. 1830 zu gunsten seines Enkels, des Herzogs Heinrich von Bordeaux, auf die Krone verzichtete. Er lebte fortan nacheinander in Edinburg, Prag, Kirchberg und Görz, wo er 6. Nov. 1836 starb. Er war seit 1773 vermählt mit Maria Theresia von Savoyen, die ihm die Herzöge von Angoulême und von Berri gebar. Vgl. Védrenne, Vie de Charles X (Par. 1879, 3 Bde.); Petit, Charles X (das. 1886).

[Großbritannien und Irland.] Könige von England, Schottland und Irland:

26) K. I., zweiter Sohn Jakobs I., geb. 19. Nov. 1600 zu Dunfermline in Schottland, bestieg, durch den Tod seines Bruders Heinrich 1612 Prinz von Wales geworden, 27. März 1625 nach Jakobs Ableben den Thron. K. hatte schon vor seinem Regierungsantritt durch seine Verlobung mit der katholischen Henriette Maria, Heinrichs IV. von Frankreich Tochter, die öffentliche Meinung gegen sich, und später entzog ihm die vom Vater ererbte Neigung zu dem stolzen Buckingham die Liebe des Volkes in noch höherm Grad. Zudem war er, obwohl ein thätiger, geistvoller, gütiger und liebenswürdiger Fürst, doch zu Leichtsinn, Hartnäckigkeit und Willkür geneigt, vor allem aber besaß er einen unwidersteh-^[folgende Seite]