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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Karl

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Karl (Parma, Pfalz).

von neuem die Donau überschritt und das österreichische Heer nötigte, sich bei Wagram 5. und 6. Juli in eine Schlacht einzulassen. In dieser bewiesen die Österreicher die glänzendste Bravour, der Erzherzog selbst wurde verwundet; aber Napoleon blieb Sieger, hauptsächlich deshalb, weil das Armeekorps unter Erzherzog Johann auf dem Schlachtfeld nicht erschien und so die sichere Voraussetzung des Erzherzogs. K. getäuscht wurde. Ein Treffen zwischen den weichenden Österreichern und den Franzosen bei Znaim schien sich zu gunsten der erstern zu wenden, als die Nachricht eintraf, Napoleon wolle auf die vom Erzherzog durch den Fürsten Liechtenstein angebotenen Unterhandlungen eingehen. In der folgenden Nacht wurde ein Waffenstillstand vorläufig auf einen Monat mit 14tägiger Kündigung geschlossen, ein Schritt, der vom Kaiser sehr gemißbilligt wurde, was K. veranlaßte, seine Stelle als Generalissimus zu Littau bei Olmütz 31. Juli niederzulegen. Von nun an lebte der Erzherzog zu Teschen beim Herzog Albert. Von Napoleon dazu erwählt, vertrat er denselben bei dessen Vermählung mit Maria Luise und erhielt deshalb das Großkreuz der Ehrenlegion. Den Kriegsschauplatz betrat er nicht wieder, doch war er nach Napoleons Zurückkunft von Elba kurze Zeit Gouverneur der Bundesfestung Mainz. Hier vermählte er sich 17. Sept. 1815 mit der Prinzessin Henriette von Nassau-Weilburg (gest. 29. Dez. 1829), welche ihm vier Söhne und zwei Töchter gebar; von den Söhnen ist der älteste, Erzherzog Albrecht (s. Albrecht 18), der bekannte Feldmarschall; der zweite, Erzherzog Karl Ferdinand, geb. 18. Juli 1818, General der Kavallerie, starb 20. Nov. 1874; der dritte, Erzherzog Friedrich Ferdinand Leopold, widmete sich dem Seedienst (s. Friedrich 43); der jüngste, Erzherzog Wilhelm, ist Hoch- und Deutschmeister, Feldmarschallleutnant und Generalinspektor der Artillerie. Aus derselben Ehe gingen zwei Töchter hervor: Therese, geb. 1816, Gemahlin des Königs Ferdinand II. von Neapel, gest. 1867, und Marie Karoline, geb. 1825, seit 1852 mit dem Erzherzog Rainer Ferdinand vermählt. Durch den Tod seines Pflegevaters, des Herzogs Albert zu Sachsen-Teschen, welcher in Wien 10. Febr. 1812 erfolgte, war K. in den Besitz von dessen Namen und großem Vermögen gekommen und lebte von nun an abwechselnd in Wien und auf seinen Besitzungen. Er starb 30. April 1847. Die militärische Litteratur bereicherte K. mit den beiden Werken: "Grundsätze der Strategie, erläutert durch die Darstellung des Feldzugs von 1796 in Deutschland" (Wien 1814, 3 Bde.) und "Geschichte des Feldzugs von 1799 in Deutschland und der Schweiz" (das. 1819, 2 Bde.); gesammelt erschienen "Militärische Werke" (das. 1862-63, 3 Bde.), eine Auswahl gab Freiherr v. Waldstätten (Berl. 1882) heraus. 1860 wurde ihm vor der Burg zu Wien ein von Fernkorn entworfenes Denkmal gesetzt. Vgl. Duller, Erzherzog K. (Wien 1844-45, 2 Bde.); Schneidawind, Das Buch vom Erzherzog K. (5. Aufl., Leipz. 1860); Thielen, Erzherzog K. von Österreich (1858); Zeißberg, Aus der Jugendzeit des Erzherzogs K. (Wien 1883).

[Parma.] 40) K. II. Ludwig Ferdinand von Bourbon, Herzog von Parma, Infant von Spanien, Sohn des Königs Ludwig von Etrurien und der Infantin Maria Luise, der Tochter Karls IV. von Spanien, geb. 22. Dez. 1799, folgte 27. Mai 1803 seinem Vater in der Regierung unter Vormundschaft seiner Mutter, die nach der Vereinigung Etruriens mit Frankreich (1807) das Herzogtum Lucca erhielt. K. übernahm nach erlangter Volljährigkeit 1824 die Regierung dieses Landes, lebte aber meist auf Reisen, trat 5. Okt. 1847 Lucca an Toscana ab und folgte der Bestimmung des Wiener Kongresses gemäß der am 17. Dez. 1847 gestorbenen Witwe Napoleons I. 26. Dez. d. J. als Herzog von Parma, Piacenza und Guastalla. Im April 1848 verließ er, nachdem er eine Regentschaft eingesetzt, Parma, legte von seiner Besitzung Weißtropp bei Dresden aus 14. März 1849 die Regierung zu gunsten seines Sohnes nieder und lebte meist in Nizza, wo er 17. April 1883 starb. Vermählt war er mit Maria Therese von Sardinien (geb. 19. Sept. 1803, gest. 15. Juli 1879 auf Schloß San Martino bei Lucca). Sein Sohn Ferdinand Karl III., Herzog von Parma, geb. 14. Jan. 1823, trat durch Manifest von London aus die Regierung an und kehrte im August 1849 nach Parma zurück; wo er ein schändliches Regiment führte. Er starb 27. März 1854 durch Meuchelmord, worauf seine Witwe Luise Maria Therese von Bourbon (geb. 21. Sept. 1819), Tochter des 1820 ermordeten Herzogs von Berri und Schwester des Grafen Chambord, die Regierung für ihren unmündigen ältesten Sohn, Robert I., geb. 9. Juli 1848, führte, bis beide infolge des italienischen Kriegs 1859 aus ihrem Land vertrieben wurden. Die Herzogin zog sich in die Schweiz zurück, wo sie den Sommer auf dem Schloß Wartegg, unweit der Mündung des Rheins in den Bodensee, zubrachte. Sie starb 1. Febr. 1864 in Venedig, außer ihrem ältern Sohne noch einen jüngern, Heinrich Karl (geb. 1851), Grafen von Bardi, und zwei Töchter hinterlassend.

[Pfalz.] 41) K. Ludwig, zweiter Sohn des Kurfürsten Friedrich V. von der Pfalz und Elisabeths von England, geb. 22. Dez. 1617, teilte als Kind das Schicksal seines Vaters und konnte selbst nach seinem ältern Bruders, Heinrich Friedrich (1629), und seines Vaters Tod (1632) nicht zum Besitz von dessen Ländern gelangen. Er warb daher 1638 mit seinem Bruder Ruprecht Truppen, wurde aber 17. Okt. bei Gohfeld geschlagen, und Ruprecht fiel in Gefangenschaft. Erst der Westfälische Friede (1648) verschaffte K., nach Abtretung der Oberpfalz an Bayern, den Besitz der Pfalz und die achte Kurwürde. Er lebte seit 1658 in morganatischer Ehe mit Luise v. Degenfeld (der Raugräfin), dem Hoffräulein seiner Gemahlin Charlotte, einer hessen-kasselschen Prinzessin, welche sich 1662 nach Kassel zurückbegab. Er starb nach einer vortrefflichen Regierung, welche trotz neuer Kriegsdrangsale den Wohlstand und den Frieden im Land wiederherstellte, 28. Aug. 1680 und hatte seinen legitimen Sohn Karl, geb. 10. März 1651, zum Nachfolger, mit dem am 26. Mai 1685 die Linie Pfalz-Simmern erlosch. Seinen Briefwechsel mit seiner Schwester Sophie von Hannover und der Pfalzgräfin Anna gab Bodemann heraus (Leipz. 1885). Vgl. Lipowsky, K. Ludwig, Kurfürst von der Pfalz, und Marie Susanne Luise, Raugräfin von Degenfeld (Sulzb. 1878).

42) K. Philipp Theodor, Sohn des Pfalzgrafen Johann Christian von Sulzbach, geb. 11. Dez. 1724, folgte seinem Vater in der Regierung Sulzbachs 20. Juli 1733 unter Vormundschaft seines Vetters, des Kurfürsten Karl Philipp von der Pfalz (1716-42). Seit 1742 mit Maria Elisabeth Auguste, der hinterlassenen Tochter des Erbprinzen Joseph Karl Emanuel von Pfalz-Sulzbach, vermählt, folgte er 1. Jan. 1743 seinem Vetter in der Kurpfalz sowie in Jülich und Berg; 1777 fiel ihm durch das Erlöschen des bayrischen Mannesstamms mit dem Kurfürsten Maximilian III. Joseph auch Bayern zu. Genußsüchtig