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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Karl

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Karl (Schweden: K. XII.).

zum König wählten. Diesen auf dem Thron zu erhalten, mußte K. in Polen aufreibende Heereszüge unternehmen, während Peter d. Gr. Ingermanland eroberte und 1703 auf schwedischem Gebiet seine neue Hauptstadt gründete. Nach dem Sieg Renskiölds über Schulenburg bei Fraustadt (13. Febr. 1706) fiel K. durch Schlesien und die Lausitz, unbekümmert um die Drohungen des deutschen Reichstags, in Sachsen ein. Er nahm sein Quartier zu Altranstädt, unweit Lützen, brandschatzte von da aus ganz Sachsen, rekrutierte sein Heer und schaltete als Gebieter. Endlich kam 24. Sept. 1706 zwischen ihm und August der Friede zu Altranstädt zu stande, in welchem sich letzterer verpflichtete, der Krone von Polen für immer zu entsagen, Stanislaus als König anzuerkennen, alle Verbindung mit den Feinden Schwedens, zumal mit den Russen, aufzugeben, den Schweden Winterquartiere in Sachsen zu verstatten und den Livländer Patkul (s. d.), damals russischen Gesandten in Dresden, auszuliefern. Letztern ließ K. zum qualvollsten Tod verurteilen. Von den hart bedrängten Protestanten in Schlesien um Hilfe angegangen, zwang K. den Kaiser, der, damals in den spanischen Erbfolgekrieg verwickelt, sich keinen neuen Feind machen wollte, jenen 125 Kirchen wieder herauszugeben und sechs neue bauen zu lassen. Auch wollte er damals im spanischen Erbfolgekrieg als Vermittler auftreten und beiden Parteien seine Entscheidung als Gesetz auferlegen. Indes wußte Marlborough, der K. selbst aufsuchte, ihn davon abzubringen. Am 22. Aug. 1707 brach er sodann mit 45,000 Mann gegen Rußland auf. Karls Plan, die Russen zu einer entscheidenden Schlacht zu zwingen, gelang nicht. Die Zurückweichenden rastlos verfolgend, gelangte er 15. Juni 1708 an die Beresina und ließ sich hier von dem Kosakenhetman Mazeppa, der ihm den Anschluß der mit Rußlands Herrschaft unzufriedenen Kosaken in Aussicht stellte, zu einem Einfall in die Ukraine bewegen. Nachdem er die Gegend von Smolensk erreicht, wandte er sich südlich nach der Ukraine, um sich an der Desna mit Mazeppa zu vereinigen. Nach zwölf Tagen des anstrengendsten Marsches und der drückendsten Not kam das schon bedeutend dezimierte Heer an den Ufern der Desna an; aber anstatt Mazeppas standen am jenseitigen Ufer die Russen, die sich jedoch nach kurzem Widerstand zurückzogen. Mazeppas Plan, die Ukraine zu revoltieren, war den Russen verraten worden, und der Zuzug von 6000 Kosaken, welche mit Mazeppa zu den Schweden übergingen, war für K. der einzige Vorteil des so teuer erkauften Bundes. Obwohl in der traurigsten Lage, verschmähte K. dennoch den Rat der Klugheit, den Rückzug nach Polen; er nahm seine Winterquartiere in der Ukraine. Peter beobachtete streng den Grundsatz, den Feind durch kleine Gefechte zu ermatten und ihn in die Wüsten des Landes zu locken, wo Hunger und Kälte ihn von selbst aufreiben mußten.

Mit dem Februar 1709 begannen die Feindseligkeiten von neuem. K. belagerte die Festung Poltawa, aber bei dem Mangel alles Belagerungsmaterials ohne Erfolg, und wurde endlich vom Zaren fast eingeschlossen. In der Schlacht bei Poltawa (8. Juli), welche die Russen durch ihren Angriff begannen und die der König, einer zehn Tage vorher erhaltenen Wunde wegen, nicht selbst leitete, sondern General Renskiöld, erlitten die erschöpften Schweden, die überdies an Munition Mangel litten, eine vollständige Niederlage. K. entkam nur mit 1500 Mann über den Bug nach Bender in der Türkei. Jetzt erhoben sich die Feinde Karls mit neuer Hoffnung. Der König von Dänemark und der Kurfürst von Sachsen erneuerten ihre Allianz. Letzterer erklärte den Altranstädter Vertrag für ungültig und nahm Polen von neuem in Besitz. Der Dänenkönig Friedrich IV. landete in Schonen, der Zar Peter drang in Livland vor. K. selbst, von der Pforte gut aufgenommen, hatte bei Bender ein Lager bezogen, wo er in königlichen Ehren lebte, und bewog die Pforte, 21. Nov. 1710 Rußland den Krieg zu erklären. Schon hatte der Großwesir Mohammed Baltadschi mit 200,000 Türken den Zaren am Pruth eingeschlossen; aber die Gemahlin Peters, Katharina, bestach den überdies von K. beleidigten Wesir, so daß er den schon gefangenen Feind entkommen ließ. Zu Husch wurde 23. Juli 1711 der Friede abgeschlossen, zu dessen Bedingungen gehörte, daß K. auf seiner Rückreise nach Schweden vom Zaren nicht beunruhigt werden sollte. Zwar bewirke K. noch zweimal bei der Pforte erneute Kriegserklärungen gegen Peter; allein schnelle Wiederversöhnung durch Vermittelung Englands und Hollands hemmte beide Male den wirklichen Ausbruch des Kriegs, und bald gab man ihm zu verstehen, er möge das türkische Gebiet verlassen. K. erklärte sich dazu bereit, wenn man ihm 100,000 Mann gäbe. Statt deren erhielt er 1713: 600,000 Thlr. zur Reise, aber er reiste nicht. Der Sultan beschloß daher, Gewalt anzuwenden. Nun verschanzte K. sein Haus, hielt mit 300 schwedischen Soldaten einen ganzen Tag lang die stürmenden Angriffe mehrerer Tausend Janitscharen aus, tötete selbst eine Menge derselben und ward nur mit Mühe gefangen, als er sich nach einem andern Haus durchschlagen wollte und dabei stürzte (12. Febr. 1713). Er ward nach Demotika in der Nähe von Adrianopel gebracht, aber sein Starrsinn blieb unbesiegt. Zehn Monate lang verließ er zu Demotika sein Zimmer nicht, um nicht dem Wesir eine Höflichkeit erzeigen zu müssen. Erst als er alle Versuche, die Pforte zu neuen Rüstungen gegen den Zaren zu bewegen, erschöpft, ritt er im November 1714 in fremder Kleidung, nur vom Obersten Düring begleitet, in 16 Tagen durch Ungarn, Österreich, Bayern, die Pfalz, Westfalen und Mecklenburg nach Stralsund, wo er 27. Nov. anlangte. Er fand sein Reich in einer gefährlichen Lage. Die Dänen waren zwar aus Schweden verjagt worden, hatten aber im Verein mit Hannover die Bistümer Bremen und Verden erobert. Stenbock hatte die verbündeten Feinde bei Gadebusch (20. Dez. 1712) geschlagen, war jedoch dann von den Dänen umzingelt und zur Kapitulation gezwungen worden. Livland, Esthland, Ingermanland und Kurland hatte der Zar an sich gebracht und sogar über Finnland seine Eroberungen ausgedehnt. Pommern hatte der König von Preußen besetzt und verlangte vor Herausgabe desselben Ersatz der an Rußland bezahlten Kriegskosten. Dazu lag das Land in äußerster Erschöpfung, der Handel war vernichtet, Geld, Kredit, ja selbst Menschen zur Arbeit mangelten, und dennoch belebte Hoffnung aller Herzen, als man die Kunde von Karls Ankunft vernahm. Dieser benahm sich indes so halsstarrig und eigensinnig wie zuvor. Mutwillig reizte er den König Friedrich Wilhelm I. welcher K. hochschätzte und ihm wohlwollte, zum Krieg und Angriff auf Stralsund 1715. K. verteidigte sich einige Monate heldenmütig entfloh aber 20. Dez. nach Schweden. Am 24. kapitulierte Stralsund und in kurzem auch Wismar. K. ging nun nach Karlskrona und leitete von hier aus die Anstalten zur Organisation des Heers wie der Flotte. Zur Bestreitung der Rüstungen ward eine schlechte Münze geschlagen, und die härtesten Naturallieferungen drückten nebenbei das Land. Während nun K. im März 1716 ganz unerwarteterweise einen Einfall