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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Karl

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Karl (Spanien, Württemberg).

[Spanische Prätendenten.] 69) K. Maria Joseph Isidor de Borbou y Borbon, gewöhnlich Don Carlos genannt, zweiter Sohn König Karls IV. von Spanien, geb. 29. März 1788, mußte 1808 zugleich mit seinem ältern Bruder, Ferdinand VII., auf Napoleons I. Befehl auf die Thronfolge Verzicht leisten und dann bis 1814 die Gefangenschaft jenes Prinzen zu Valencay teilen. 1814 kehrte er mit Ferdinand VII. nach Madrid zurück. Da dieser kinderlos blieb, eröffnete sich K. die nächste Aussicht zur Thronfolge, und es scharte sich eine Partei um ihn, welche von dem Prinzen, der unter der Herrschaft des Klerus stand, die Wiederherstellung des Katholizismus in seinem alten Glanz und des absoluten Königtums hoffte. Nicht ohne Grund galt daher der Prinz nach der Wiederherstellung der Konstitution 1820 als das Haupt aller auf jenen Zweck gerichteten geheimen Verschwörungen und Umtriebe. Die Geburt der Infantin Isabella (1830) vernichtete Karls Aussicht auf die Thronfolge, da der König zuvor das Salische Gesetz, welches bloß männliche Erbfolge statuierte, aufgehoben hatte. Als K. gegen diese Bestimmung protestierte, verwies ihn der König erst nach Portugal, sodann nach dem Kirchenstaat. K. versagte jedoch den Gehorsam und ward nach dem am 19. Sept. 1833 erfolgten Tod Ferdinands VII. von seiner Partei, welche von jetzt an den Namen Karlisten führte, als rechtmäßiger Herrscher (K. V.) anerkannt. Die Königin-Regentin Christine erklärte ihn daher 16. Okt. für einen Rebellen, und K., der alle Vergleichsvorschläge zurückwies, begab sich im Juni 1834 nach England, kehrte aber schon im folgenden Monat heimlich in das Vaterland zurück und entzündete einen blutigen Bürgerkrieg, den Karlistenkrieg, der mit abwechselndem Glück geführt ward, bis K. endlich 1839 auf französischem Boden eine Zuflucht suchte, wo er das Schloß Bourges als Aufenthaltsort angewiesen erhielt und seitdem in halber Gefangenschaft lebte. Erst 18. Mai 1845 entsagte er zu gunsten seines und seiner ersten Gemahlin, der Infantin Maria Franziska von Portugal (gest. 24. Sept. 1834), ältesten Sohns, des Prinzen Karl von Asturien. Unter dem Namen eines Grafen von Molina lebte er seit 1847 zu Triest, wo er 10. März 1855 starb. Er war seit 1838 zum zweitenmal vermählt mit Maria Theresia, Infantin von Portugal (Prinzessin von Beira) und Witwe des Infanten Peter von Spanien.

70) K. Ludwig Maria Ferdinand, Prinz von Asturien (K. VI.), ältester Sohn des vorigen, geb. 31. Jan. 1818, lebte bis 1833 in Madrid, ging mit seinem Vater 1834 nach England, 1835 allein nach Piemont und Salzburg, kehrte 1838 nach Spanien zurück und mußte 1839 ebenfalls seinen Aufenthalt in Bourges nehmen. Nach der Verzichtleistung seines Vaters (1845) nannte er sich Graf von Montemolin und vermählte sich 1850 mit Karoline Ferdinande, Schwester des Königs Ferdinand III. von Neapel. 1860 unternahm er mit seinem jüngsten Bruder, Ferdinand, und dem Befehlshaber auf den Balearischen Inseln, Ortega, den er für sich gewonnen, während des spanisch-marokkanischen Kriegs eine Landung an der Ostküste Spaniens bei Tortosa und ließ sich zum König von Spanien ausrufen. Indes fand er gar keinen Anhang, die Soldaten verweigerten ihm den Gehorsam, Ortega wurde 22. April erschossen, und K. rettete sein Leben nur durch förmlichen Verzicht zu gunsten Isabellas; hierauf in Freiheit gesetzt, nahm er denselben 15. Juni wieder zurück. Er starb 13. Jan. 1861 zu gleicher Zeit mit seiner Gemahlin, ohne Kinder zu hinterlassen.

71) K. Maria de los Dolores Johann Isidor Joseph Franz, gewöhnlich Don Carlos genannt, geb. 30. März 1848, Sohn des Infanten Johann Karl Maria Isidor, des zweiten Sohns von Karl 69), geb. 15. Mai 1822, und der Prinzessin Maria Beatrix von Modena, trat durch den Verzicht seines Vaters, der durch den Tod seines ältern Bruders, des Grafen Montemolin, 1861 Erbe der Thronansprüche des Don Carlos (Karls V.) geworden, 3. Okt. 1868 in den Besitz der Erbrechte seines Großvaters und nannte sich Herzog von Madrid. 1872, als es König Amadeus nicht gelang, sich auf dem Thron zu befestigen, trat er zuerst als Prätendent auf, indem er als König K. VII., 15. April ein Manifest an die karlistische Partei in Madrid erließ, 2. Mai in Spanien selbst erschien und, von den karlistischen Banden in den baskischen Provinzen empfangen, in Vera einzog. Aber bereits 4. Mai bei Oroquieta von Moriones gänzlich geschlagen, floh er durch den Paß von Roncesvalles nach Frankreich und überließ seinem Bruder, dem Infanten Alfons, die Leitung der karlistischen Scharen. Erst als der Thron Amadeus' 1873 zusammenstürzte, die junge Republik in größte Verwirrung geriet und überall Aufstände ausbrachen, wagte er es, 15. Juni von Bayonne wieder auf spanischem Boden zu erscheinen, wo sich inzwischen sein Anhang in den Nordprovinzen bedeutend gemehrt hatte. Am 2. Aug. beschwor er in Guernica die Fueros der baskischen Provinzen und bemächtigte sich des festen Platzes Estella, den er zu seiner Residenz und zum Mittelpunkt seiner Operationen machte; übrigens hielt er sich von den Kämpfen selbst möglichst fern. Die baskischen Lande, Navarra, Katalonien, Aragonien und Valencia, allerdings mit Ausnahme der großen Städte, waren in seinem Besitz, und seine Guerillas schweiften bis zur Mancha und bis Asturien. Die Klerikalen und Legitimisten in ganz Europa steuerten ihm Geldmittel bei, und bald durch lockende Versprechungen, bald durch Schreckmittel, indem er die Kriegsgefangenen erschießen und die eroberten Städte plündern ließ, suchte er seinem Königtum allgemeine Anerkennung zu verschaffen. Erst als Ende 1874 Alfons XII. zum König ausgerufen worden war, gingen die spanischen Generale ernstlich an die Überwindung des Empörer. Im Mai 1875 begannen Jovellar und Martinez Campos die systematische Säuberung der Provinzen und beschränkten den Karlismus, der übrigens vom Papst und von Frankreich im Stiche gelassen wurde, auf Navarra und die baskischen Provinzen, welche im Februar 1876 durch eine konzentrische Operation der überlegenen Regierungsarmee ebenfalls erobert wurden. Eine Entscheidungsschlacht mied K. und zog es vor, seine Truppen ihres Eides zu entbinden, worauf dieselben 26. Febr. in Pamplona die Waffen streckten. Er selbst flüchtete über die französische Grenze und lebt seitdem im Ausland, von wo aus er die karlistischen Agitationen fortsetzt, wo er aber wegen seines zweifelhaften Lebenswandels und seiner finanziellen Bedrängnis in geringer Achtung steht. Er ist seit 4. Febr. 1867 mit der Tochter des Herzogs Karl III. von Parma, Margarete, vermählt, die ihm auch schon einen "Thronerben", den Prinzen von Asturien, Infanten Jayme (geb. 27. Juni 1870), geboren hat.

[Württemberg.] 72) K. Alexander, Herzog von Württemberg, geb. 24. Jan. 1684 zu Stuttgart, Sohn des Prinzen Friedrich Karl zu Württemberg-Winnenthal, machte in österreichischen Diensten den Feldzug von 1697 gegen Frankreich mit, focht dann im spanischen Erbfolgekrieg am Rhein und in Italien