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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Karlisten; Karlmann; Karlmeinet; Karloskop; Karlovac; Karlovitz; Karlsbad

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Karlisten - Karlsbad.

Karlisten, in Spanien die Anhänger der beiden Don Carlos (s. Karl 69 u. 71) in den Karlistenkriegen von 1834-39 und von 1872-76.

Karlmann, 1) Sohn Karl Martells und der Chrotrudis, älterer Bruder Pippins des Kleinen, teilte sich nach seines Vaters Tod (741) mit Pippin in die Verwaltung des fränkischen Reichs und erhielt Austrasien nebst Alemannien und Thüringen, kämpfte mit Glück gegen innere und äußere Feinde, legte aber 747 seine Gewalt zu gunsten seines Sohns Drogo nieder. Dann gründete er auf dem Berg Soracte bei Rom zu Ehren des heil. Silvester ein Kloster und zog sich darauf in das Benediktinerkloster auf dem Monte Cassino zurück. Als Pippin 754, dem Ruf des Papstes Stephan III. folgend, nach Italien zog, befand sich K. auf dem Weg nach Gallien, um auf Bitten König Aistulfs den gegen diesen gerichteten Zug zu hintertreiben. Er fand den Bruder nicht mehr und begab sich in ein Kloster zu Vienne, wo er 17. Aug. 754 am Fieber starb. Seine Söhne wurden von Pippin einem Kloster übergeben.

2) Pippins des Kleinen jüngerer Sohn, geb. 751, ward 754 nebst seinem Bruder Karl d. Gr. vom Papste Stephan III. zum König der Franken gesalbt, erhielt nach des Vaters Tod bei der Teilung mit Karl (768) Burgund, Provence, Septimanien, Elsaß, Alemannien und das östliche Aquitanien und stand seinem Bruder im Kampf gegen den Herzog Hunald von Aquitanien bei. Bevor die nach Verstoßung der Desiderata eintretende Verstimmung Karlmanns gegen seinen Bruder dem fränkischen Reiche gefährlich wurde, starb K. 4. Dez. 771 in Samoussy und ward zu Reims begraben. Da die fränkischen Großen mit Übergehung seiner Söhne sein Reich Karl d. Gr. übertrugen, flüchtete Karlmanns Witwe Gerberga (Giberga) mit denselben nach Italien zu König Desiderius. Nach der Eroberung des Langobardenreichs 774 endeten Gerberga und ihre Kinder in einem Kloster.

3) Ludwigs des Deutschen und der Hemma ältester Sohn, geboren um 828, erhielt 856 die Verwaltung der bayrischen Marken, empörte sich 861 im Einverständnis mit dem Herzog Rastislaw von Mähren gegen den Vater, unterwarf sich schon 862, empfing aber seine Herrschaft erst 865 zurück. Persönlich tapfer, führte er 869-874 zum Teil erfolgreiche Kämpfe gegen Mähren, nahm 870 Rastislaw gefangen und unterwarf sein Land, mußte sich aber infolge des energischen Widerstandes von seiten Swatopluks, des Neffen des Genannten, mit der Oberherrschaft über Mähren begnügen (874). Von seinem Oheim, Kaiser Ludwig II., 872 zum Erben Italiens bestimmt, erwarb er dies Land erst im September 877, nachdem er Karl den Kahlen aus der Lombardei vertrieben hatte. Inzwischen hatte er nach des Vaters Tode durch die Teilung im Ries (November 876) Bayern mit seinen Marken als Königreich empfangen. Seine Ehe mit einer Tochter des böhmischen Markgrafen Ernst war kinderlos; doch wurde ihm von Liutswinda ein unehelicher Sohn, Arnulf, geboren. Seit jenem Zug nach Italien war Karlmanns kräftiger Körper von Siechtum befallen, und da Arnulf illegitim war, bestimmte der Vater 879 seinen Brüdern Ludwig dem jüngern und Karl dem Dicken die Nachfolge in Bayern und Italien. Er starb 22. Sept. 889 in Ötting, von seinen Unterthanen sehr betrauert. Vgl. Dümmler, Geschichte des ostfränkischen Reichs (Berl. 1862-65, 2 Bde.).

Karlmeinet, s. Karlssage.

Karloskop, s. Kaleidoskop.

Karlovac (spr. -watz), Stadt, s. Karlstadt 2).

Karlovitz, Stadt im kroatisch-slawon. Komitat Syrmien, am rechten Donauufer und am Fuß der Fruska Gora, ist Sitz eines griechisch-oriental. Erzbischofs (Patriarchen), mit griechischer Kathedrale, römisch-kath. Kirche, erzbischöflichem Palais und (1881) 4916 Einw., welche Fischfang, Vieh- und Schweinezucht und Handel treiben. K. hat vorzüglichen Weinbau (Karlovitzer Ausbruch und Wermut), ein Spital, ein griechisch-theologisches Seminar, ein Obergymnasium, ein Lyceum und ein Bezirksgericht. K. gewann seine Bedeutung seit der Serbeneinwanderung nach Ungarn, insbesondere als Sitz des griechisch-nichtunierten Erzbischofs und Patriarchen. Es war in den Revolutionsjahren 1848-49 ein Hauptherd des serbischen Aufstandes gegen Ungarn. Historisch berühmt ist die Stadt durch den Karlovitzer Frieden, der am 26. Jan. 1699 (auf einer Anhöhe, wo jetzt die Kirche "Maria Fried" steht) zwischen Österreich, Rußland, Polen und Venedig einerseits und der Pforte anderseits abgeschlossen wurde. Rußland blieb im Besitz von Asow und dem dazu gehörigen Gebiet; Polen erhielt Kamenez, Podolien und die Ukraine zurück und trat dagegen seine Eroberungen in der Moldau ab; Österreich erhielt Siebenbürgen und die Landschaft Baczka zwischen Theiß und Donau, während die Pforte im Besitz der Festung Temesvár verbleiben sollte; Ungarns Grenze wurde gegen O. durch eine Linie von dem Ausfluß der Maros bis an die Mündung der Bossutin in die Save bestimmt. Venedig behielt Morea bis an den Isthmus, Santa Maura und Ägina, gab aber Lepanto, Prevesa u. a. an die Pforte zurück; in Dalmatien behielt es sechs eroberte Festungen, ebenso im Archipel die Inseln, welche es vor dem Krieg besessen hatte. Dieser Friedensschluß gab Österreich fast alles zurück, was die Pforte in zwei Jahrhunderten erobert hatte, und bildete später meist die Grundlage der Verträge zwischen Österreich und der Türkei.

Karlsbad, Stadt im nordwestlichen Böhmen, 374 m ü. M., an der Tepl unfern ihres Einflusses in die Eger, in einem engen, romantischen, von waldbekränzten Bergen umschlossenen Thal, an der Prag-Egerer Eisenbahn, einer der berühmtesten Badeorte Europas, ist Sitz einer Bezirkshauptmannschaft, eines Bezirksgerichts und eines Hauptzollamts und hat (1880) 10,579 Einw. Die Häuser verzweigen sich in drei Thäler und sind von dem Hammerberg, dem Hirschensprung, dem Dreikreuzberg mit der König Otto-Höhe und dem Laurenziberg so umgeben, daß sie an den Wänden der Berge zu hängen scheinen. Die schönste Straße ist die sogen. Alte Wiese, links an der Tepl, der Sammelplatz der eleganten Welt, auf der einen Seite mit Häusern, auf der andern mit einem Bazar und Bäumen besetzt, oberhalb in die Puppschen Anlagen auslaufend; ihr gegenüber am rechten Flußufer liegt die Neue Wiese. Die Stadt hat schöne Gebäude, darunter die Mühlbrunnkolonnade, einen schönen Säulenbau, die Sprudelkolonnade, eine leichte Eisenkonstruktion mit der Büste des um die wissenschaftliche Erforschung von K. verdienten, 1792 verstorbenen Arztes D. Becher, das Kurhaus und das neue schöne Theater, mehrere Spitäler und Wohlthätigkeitsanstalten und besitzt regen Gewerbfleiß, der sich besonders auf Sprudelsteinverarbeitung (s. unten), Nadlerei, Goldschmied- und Juwelierarbeit, Likörerzeugung (Karlsbader Bitter) etc. erstreckt. Für die keramische Industrie, insbesondere die Porzellanfabrikation, bildet K. einen Mittelpunkt. In der Umgebung wird vorzügliche Kaolinerde gewonnen und bestehen 15 Porzellanfabriken; in der