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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Karrete; Karrhä; Karrier; Karriere; Karriert; Karrikatur; Karriol; Karronaden; Karroo; Kars; Karsch; Karsgebiet

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Karrete - Karsgebiet.

eingefressen sind, oft mit schneidend scharfen Kämmen zwischen den einzelnen Vertiefungen. Sie erzeugen die kahlen, mitunter ganz unzugänglichen Karrenfelder. Namentlich der Dachsteinkalk (s. Triasformation) und der Schrattenkalk (s. Kreideformation) neigen zu dieser Erosionsform.

Karrete (span. carréta), Wagen; besonders verächtlich, alte, schlechte Kutsche.

Karrhä, Stadt in Mesopotamien, südöstlich von Edessa, mit einem uralten Tempel des Mondes; hier erlitt 53 v. Chr. Crassus eine totale Niederlage durch die Parther unter Suräna. K. ist das Charan oder Haran der Bibel (1. Mos. 11, 31), von wo Abraham nach Palästina zog; jetzt Haran.

Karrier, s. Tauben.

Karriere (franz.), Lauf, auch Laufbahn; in der Reitkunst die schnellste Gangart des Pferdes (vgl. Gangarten); en pleine carrière (ventre à terre), in vollem Lauf, mit verhängtem Zügel.

Karriert, s. Kariert.

Karrikatur, s. Karikatur.

Karriol (franz.), leichtes, zweiräderiges Fuhrwerk; Karriolpost, s. v. w. Briefpost.

Karronaden, 12-68pfündige Schiffsgeschütze von 6-9 Kaliber Länge, statt der Schildzapfen unter dem Rohr mit einem ösenartigen Anguß zur Verbindung mit der Lafette durch einen Querbolzen versehen. Sie sollen ihren Namen von den Gebrüdern Carron in Schottland erhalten haben, in deren Gießerei die ersten K. gefertigt wurden, und fanden als Oberdecksgeschütze 1779 Anwendung durch die Engländer; jetzt sind sie nicht mehr gebräuchlich.

Karroo, s. Afrika (S. 151) u. Kapland (S. 488).

Kars, Stadt, s. Karsgebiet.

Karsch, Anna Luise, Dichterin, gewöhnlich unter dem Namen "die Karschin" angeführt, geb. 1. Dez. 1722 auf dem Meierhof Hammer bei Schwiebus an der schlesischen Grenze, wo ihr Vater Dürbach eine Schenkwirtschaft betrieb, brachte in ihrer frühen Jugend einige Jahre bei Verwandten in einem kleinen Städtchen zu und diente sodann in ihrer Heimat als Hirtin. Ihre erste Ehe mit Hirsekorn, einem Tuchweber in Schwiebus, war sehr unglücklich und wurde nach elf Jahren getrennt; auch eine zweite Verbindung mit dem Schneider K., einem Trunkenbold, brachte ihr nur Elend. Gelegenheitsgedichte, die sie auf Verlangen mit erstaunlicher Schnelligkeit verfaßte, erwarben ihr die Gunst des Barons v. Kottwitz; dieser brachte sie 1761 nach Berlin und führte sie daselbst als ein ungewöhnliches Naturtalent in den Kreis der Denker und Schöngeister Sulzer, Hagedorn, Gleim, Mendelssohn, Lessing ein. Ihre poetische Ader schien unerschöpflich und ergoß sich über alle möglichen Gegenstände. Zugleich aber auch hoffärtig geworden, gelangte sie trotz der bedeutenden Unterstützungen seitens ihrer Freunde zu Berlin, Halberstadt, Magdeburg, wo sie sich abwechselnd aufhielt, und des ansehnlichen Honorars von 2000 Thlr. für die Herausgabe ihrer Gedichte (Berl. 1764) nie in eine sorgenfreie Lage und belästigte ihre Gönner fortwährend mit Gesuchen um Geld. Friedrich Wilhelm II. ließ ihr nach seiner Thronbesteigung ein Haus bauen. Sie starb 12. Okt. 1791. Die frühsten dichterischen Versuche der K. tragen das Gepräge einer lebhaften Phantasie und eines feurigen Gefühls; was sie später, seit ihrer Einführung in die hohen Zirkel, dichtete, ist meist fade Lobhudelei und gewöhnliche Reimerei. K. war die Mutter der Karoline Luise v. Klencke (geb. 1754 zu Fraustadt, gest. 21. Sept. 1812 in Berlin), die außer eignen Dichtungen auch die "Gedichte" der Mutter mit deren Biographie (2. Aufl., Berl. 1796) herausgab, und Großmutter der Schriftstellerin Helmina v. Chézy (s. d.). H. Klencke behandelte ihr Leben in einem Roman (1853). Vgl. Kohut, Die deutsche Sappho, A. L. Karschin (Dresd. 1887).

Karsgebiet, südwestlichstes Gouvernement der russ. Statthalterschaft Kaukasien, umfaßt die im Berliner Vertrag 13. Juli 1878 von der Türkei abgetretenen Sandschaks Tschaldyr und Kars und zerfällt in die Bezirke Tuchta (mit Chorasan), Ardahan (mit Poszchow), Olti mit dem Stadtgebiet von Kars, Kagysman, Schuragel und Saruschad (mit Tschaldyr), ein Areal von 18,586 qkm (337,5 QM.) mit (1882) 145,412, inkl. Militär 162,979 Einw., zur Hälfte Türken und Armenier, außerdem Karapapachen, Kurden, Griechen, Russen, Turkmenen u. a. Von der im Traktat von Konstantinopel vorgesehenen Erlaubnis, in die Türkei auszuwandern, machten bis Ablauf desselben im Februar 1882: 15,234 Personen Gebrauch. Das K. ist ein Hochgebirgsland, erfüllt mit parallelen Gebirgszügen, die im O. an die Hauptkette des Kaukasus und die Gebirge Persiens stoßen und in südwestlicher Richtung sich über die Grenzen hinaus fortziehen. Das nördliche Grenzgebirge, der Arsianzweig des an der russischen Grenze westlich von Achalzych verlaufenden Ädscharischen Gebirgszugs, erhebt sich zu 2500 m. Die Wasserscheiden sind nur auf Gebirgspässen zu überschreiten, welche im O. durchschnittlich 2400 m hoch liegen. Die Vegetation trägt den Charakter südlicher Gegenden: Alpenwiesen bis zu Höhen von 2-3000 m geben im Frühjahr und Sommer vortreffliche Weiden für die zahlreichen Herden; 1882 zählte man 15,475 Pferde, 178,169 Rinder, 267,488 Schafe und Ziegen, 5449 Esel. Waldungen gibt es außer in Saruschad und Schuragel überall; Kiefern mit Birken untermischt reichen bis zu 2100 m. Der Weinstock gedeiht bis zu 1000 m, doch ist der Weinbau sehr unbedeutend und der gewonnene Wein sauer. Die Obstzucht ist gleichfalls sehr gering; Gärten gibt es nur in den Bezirken Kagysman und Olti. Ergiebige Ernten geben alle Getreidearten, Gerste und Mais gedeihen in den höchsten Lagen. Am Achalkalaki haben die seit 1830 dort angesiedelten Russen von der Sekte der Duchoborzen das sonst nur zur Weide dienende Land in Ackerfelder umgewandelt. An Kommunikationen ist noch großer Mangel; fahrbare Straßen existieren fast gar nicht. Ethnographisch herrscht der georgische Typus vor: schlanker Wuchs, kräftige Körperformen, helle Gesichtsfarbe, vorwiegend blaue Augen; auch die Sprache ist grusisch, meistens jedoch durch das Türkische verdrängt.

Die Hauptstadt Kars, auf einer 1879 m hohen Ebene an den Quellen des Aras, östlich vom Soghanli Dagh, hat eine alte Festung mit starker Citadelle nebst Werken auf den umliegenden Höhen u. (1882) 11,981 Einw., worunter 4686 Soldaten. Als Sperrpunkt der Straße Alexandropol-Erzerum ist Kars von großer strategischer Bedeutung. Die Stadt Kars war im 9. und 10. Jahrh. Residenz einer eignen armenischen Dynastie, wurde im 11. Jahrh. eine Beute der Seldschukken, im 13. Jahrh. der Mongolen, 1387 von Timur zerstört und, nachdem sie 1546 türkisch geworden, wahrscheinlich durch Murad III. 1578-89 während des Kriegs mit Persien wieder aufgebaut. Hier erlitten 31. Mai 1744 die Türken durch die Perser und 1. Juli 1828 durch die Russen unter Paskewitsch eine Niederlage. Am 5. Juli fiel darauf die Stadt und 10. Juli die Citadelle in die Hände der Russen, beide wurden aber im Frieden der Türkei zurückgegeben. Im Krimkrieg 1855 wurde unter Leitung des englischen Generals Wil-^[folgende Seite]