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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Kartellschiff; Kartellträger; Kartenschlagen; Kartenspiel; Kartesianische Teufel; Karthago

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Kartellschiff - Karthago.

Qualität von Agenten und Policesuchern zu erteilen; Lieferanten setzen durch Kartelle Preisminima fest, unter welche der einzelne bei Vermeidung von Konventionalstrafe nicht heruntergehen darf. Auch bei dem Verkehr zwischen Staaten kennt man Kartelle, wie Auslieferungs-, Zollkartelle etc. Ein Zollkartell ist ein Vertrag, durch welchen zwei Staaten verabreden, daß ihre Zollbehörden einander innerhalb gewisser Schranken Beistand gewähren sollen. Es ist zu unterscheiden von dem Zollvertrag, in welchem über Höhe und Art der Zölle materielle Verabredungen getroffen werden. Ein solches Zollkartell, wie es z. B. zwischen dem Deutschen Reich und Österreich besteht (23. Mai 1881), bildet der Regel nach das Annexum eines Handelsvertrags. K. ist auch ein zwischen kriegführenden Mächten abgeschlossener Vertrag, welcher die Art der Kriegführung, namentlich auch die Auswechselung der Gefangenen, betrifft; auch ein zwischen zwei Mächten im Frieden in betreff der Auslieferung der Schmuggler, Deserteure und flüchtigen Militärpflichtigen abgeschlossener Vertrag. In letzterer Hinsicht bestand früher zwischen den zum Deutschen Bund gehörigen Staaten ein Kartellvertrag vom 10. Febr. 1831 über die wechselseitige Auslieferung von Militärpflichtigen und Deserteuren. Nur die eignen Unterthanen wurden, wofern sie aus dem fremden Kriegsdienst desertierten, nicht ausgeliefert. Dies K. ist zwischen Österreich und Preußen durch den Prager Frieden ausdrücklich aufrecht erhalten; für die zum nunmehrigen Deutschen Reich gehörigen Staaten und für deren wechselseitige Beziehungen ist es bei der Einheitlichkeit der Heeresverfassung und der Rechtshilfe gegenstandslos.

Kartellschiff (Parlamentärschiff), ein zu Unterhandlungen oder zur Auswechselung von Kriegsgefangenen dienendes Fahrzeug.

Kartellträger, s. Kartell.

Kartenschlagen (Kartenlegekunst, Kartomantie), s. Spielkarten.

Kartenspiel, s. Spielkarten.

Kartesianische Teufel (Kartesianische Taucher), nach ihrem Erfinder Descartes benannte kleine, aus buntem Glas geblasene Puppen, gewöhnlich Teufelsfiguren, welche hohl und am Ende des gebogenen Schwanzes mit einer kleinen, ins Innere der Figur führenden Öffnung versehen sind. Die Figur muß um etwas leichter sein als ein gleiches Volumen Wasser, muß also noch schwimmen. Stellt man eine solche Puppe, deren Schwanzöffnung sich unterhalb der Wasseroberfläche befindet, in ein ganz mit Wasser gefülltes gläsernes Gefäß und verschließt dies mit einer Blase luftdicht, so senkt sich die Figur, sobald man mit dem Finger auf die Blase drückt, zu Boden, weil sich mit dem Druck ein Teil des gedrückten Wassers durch die kleine Öffnung in die hohle Puppe eindrängt, die darin befindliche Luft zusammendrückt und dadurch die Puppe spezifisch schwerer macht. Hebt man den Druck auf die Blase auf, so drängt die Luft das Wasser wieder aus der Höhlung der Figur heraus, die alsdann ihre vorige geringere spezifische Schwere wieder annimmt und sich wieder an die Oberfläche des Wassers erhebt. Läßt man den Taucher schweben, vermindert dann den Druck momentan und stellt ihn gleich darauf wieder her, so dreht sich die Figur rechtsum, wenn der Schwanz unter dem rechtem Arm, links, wenn er unter dem linken Arm durchgeführt ist. Diese Drehung ist eine Folge der Rückwirkung und gründet sich auf dasselbe mechanische Gesetz, nach welchem eine Turbine sich dreht.

Karthago (bei den Griechen Karchedon, phönikisch Kartha-hadatha oder abgekürzt Karthada, "Neustadt"), im Altertum berühmte Stadt in Zeugitana auf der Nordküste von Afrika, im Innern eines Meerbusens, war dem größten Teil nach von dem Tunesischen See und dem Meer umflossen und hing mit dem Festland nur durch einen 25 Stadien breiten Isthmus zusammen. Ihr ältester Teil war die 60 m hohe Burg, Byrsa genannt, um welche herum die Stadt allmählich erwuchs. Gegen die Seeseite hin, wo das Ufer steil abfiel, ward letztere durch eine einfache, gegen die Landseite hin aber durch eine starke, 16 m hohe und 9 m breite Mauer geschützt, welche mehrstöckig war und in ihrem Erdgeschoß Stallungen für 300 Kriegselefanten, im mittlern für 4000 Pferde enthielt. Nach neuern Berechnungen betrug der Umfang der Stadt höchstens 58-60 Stadien (11 km), der Umfang der Byrsa aber 15 Stadien. Auf dem höchsten Punkte der letztern befand sich der vornehmste Tempel Karthagos, der des Esmun (Asklepios). Die Stadt hatte zwei Seehäfen, welche an einer nur ungefähr 100 m breiten, von dem Isthmus östlich zwischen dem Meer und dem See hinauslaufenden Landzunge lagen und durch einen 70 Fuß breiten Kanal miteinander verbunden waren. Der äußere war für Kauffahrteischiffe bestimmt. Der innere oder der Kriegshafen hieß nach einer inmitten desselben sich hoch erhebenden Insel Kothon. Aus letzterer lagen die Zeughäuser, und rings um sie her war Platz für 220 Kriegsschiffe. In der Nähe des letztern Hafens lag der Marktplatz, von welchem drei mit hohen Häusern besetzte Hauptstraßen nach der Byrsa führten. Nordwestlich von der Byrsa auf einer flachen Höhe lag ein besonderer, neuerer Stadtteil, Magalia ("Höhe") genannt, der mit einer eignen Mauer umgeben war und durch eine 75 km lange Wasserleitung versehen wurde. Die Bevölkerung der Stadt soll sich beim Anfang des dritten Punischen Kriegs auf 700,000 Menschen belaufen haben. Nach ihrer Zerstörung 146 v. Chr. (s. unten) vom Kaiser Augustus wieder aufgebaut, wurde sie bald wieder so bedeutend, daß sie bis

^[Abb.: Situationsplan von Karthago.]