Schnellsuche:

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Kartoffel, süße; Kartoffelerntemaschine; Kartoffelfuselöl; Kartoffelkäfer

574

Kartoffel, süße - Kartoffelkäfer.

18. Jahrh., begann ihr Anbau im großen, der im 19. Jahrh. einen so bedeutenden Einfluß auf den landwirtschaftlichen Betrieb ausgeübt hat. Nach den Freiheitskriegen, als die wohlfeile Zeit eintrat, lernte man die umfangreiche Verwertung der K. Damals erst begann ihre Benutzung zu Spiritus und zum Futter für Schafe, und auf den Gütern, wo die Brennereien und Schäfereien den Hauptgewinn abwarfen, ward die Kartoffelkultur bald über Gebühr ausgedehnt. Auch in England und Belgien verlockten die hohen Gewinne zu einem gleichen Verfahren, und als dann 1843 die Kartoffelkrankheit auftrat, übte dieselbe einen mächtigen Einfluß aus. Seitdem ist die Kartoffelkultur in neue Bahnen eingelenkt, besetzt aber auch gegenwärtig ein außerordentlich großes Terrain. Vgl. Lobe, Die K., ihre Geschichte, ihr Anbau etc. (2. Aufl., Leipz. 1855); Büchner, Neues Kartoffelbuch (3. Aufl., das. 1859); die Schriften von Gülich (3. Aufl., Altona 1869), Busch (3. Aufl., Berl. 1884), Werner (2. Aufl., das. 1886), Giersberg (Leipz. 1879), Dürfeld (2. Aufl., Dresd. 1883); "Die Kartoffeln u. ihre Kultur" (amtl. Bericht über die Kartoffelausstellung in Altenburg 1875, Berl. 1876); Rodiczky, Die Biographie der K. (das. 1878); Franz, Die K. als Saatgut (das. 1878).

Kartoffel, süße, s. Batatas.

Kartoffelerntemaschine, mechanische Vorrichtung zum Aufheben der Kartoffeln aus dem Boden und Freilegen derselben auf dem Acker, so daß ein bequemes Einsammeln ermöglicht ist. Die Aufgabe, eine brauchbare K. zu konstruieren, ist noch nicht gelöst, da das zähe und lange Kraut zu häufig Verstopfungen der arbeitenden Teile veranlaßt. Relativ am besten haben sich Geräte nach Art der Häufelpflüge (s. Pflug) bewährt, mit gitterartigen Streichbrettern, durch deren Zwischenräume die Erde hindurchfallen kann. Sobald jedoch das Kraut einigermaßen lang oder die Erde feucht ist, treten auch bei diesen Verstopfungen ein. In früherer Zeit (1858 u. f.) bediente man sich vielfach des Hansomschen Kartoffelgrabers, bei welchem die Furche mit den Kartoffeln durch eine Schar angehoben wurde, während sich über derselben eine sternförmige Scheibe drehte, welche das gehobene Material erfaßte und zur Seite schleuderte. Dasselbe fiel gegen ein an der Seite der Maschine angebrachtes Drahtsieb, welches die Kartoffeln festhielt und herabfallen ließ, während die Erde durch die Maschen hindurchtreten sollte. Die Leistung dieser Maschine war selbst unter den günstigsten Umständen, d. h. wenn keine Verstopfungen eintraten, sehr gering, die Zugkraft beträchtlich (4 Pferde). Dieselbe Konstruktion kam später (1875) wiederum in etwas veränderter Form in Aufnahme; die Resultate sind ungenügende. In gleicher Weise scheiterten auch die Versuche, eine K. zu konstruieren, bei welcher die durch eine Schar angehobene Masse (Erde, Kraut und Kartoffeln) in eine rotierende Gittertrommel geführt und hier abgesiebt wird. Vgl. "Die Kartoffeln und ihre Kultur" (Berl. 1876); Wüst, Die Leistungen der K. (das. 1878).

Kartoffelfuselöl, s. Fuselöle.

Kartoffelkäfer (Leptinotarsa decemlineata Say), nach seiner Heimat in den Felsengebirgen im Westen Nordamerikas, besonders in den Thälern des Coloradoflusses auch Koloradokäfer genannt, Käfer aus der Gruppe der Kryptopentameren und der Familie der Blattkäfer (Chrysomelinae), 10 mm lang, unbehaart, etwas glänzend, rotgelb, mit elf schwarzen, von je zwei unregelmäßigen Reihen tieferer Punkte eingefaßten Längsstreifen auf den lichtgelben Flügeldecken, schwarzen Endgliedern der Fühlhörner, auch am Kopf, Halsschild, Bauch und an den Beinen schwarz gefleckt, nährt sich von den Blättern von Solanum rostratum und wohl auch von andern Pflanzen aus der Familie der Solaneen im Felsengebirge, überwintert etwa 60 cm tief in der Erde, legt im Mai (700-1200) rotgelbe Eier (Fig. a) auf die Unterseite der Blätter, aus welchen die blutroten, später rotgelben, am Kopf und an den Beinen schwarzen, an den Seiten mit zwei Reihen schwarzer Flecke gezeichneten Larven (Fig. b-d) nach wenigen Tagen auskriechen, um sich nach 17-20 Tagen in der Erde zu verpuppen (Fig. e). Der nach weitern 10-12 Tagen ausschlüpfende Käfer erzeugt schon Mitte Juni die zweite Generation, welcher Anfang August eine dritte folgt. Diese große Fruchtbarkeit des Kartoffelkäfers ist verhängnisvoll geworden, weil er von seiner Stammpflanze auf die Kartoffel übergegangen ist und auf den Feldern die großartigsten Verwüstungen anrichtet. Schon im Juli sind die Felder völlig kahl gefressen und die Käfer zur Wanderung gezwungen, durch welche sie seit 1859 von Nebraska aus immer weiter nach O. vorgedrungen sind. Etwa um das Jahr 1865 überschritten sie den Mississippi, und 1874 hatte der Vortrab bereits den Atlantischen Ozean erreicht. Gegenwärtig ist der K. über ein Areal von 40-50,000 QM. (nördlich bis zu den Seen und Montreal, südlich bis Indiana Territory, Arkansas, Tennessee, Baltimore) verbreitet; er verschwindet nicht in den westlicher gelegenen Gegenden, sondern bleibt überall, wo er einmal erschien, zum beständigen Aufenthalt. Er verursachte oft einen Ausfall der Ernte von 20-30 Proz., richtete aber auch bisweilen solche Verheerungen an, daß man den Anbau der Kartoffel zeitweise ganz einstellen mußte. Von den Kartoffelfeldern ist die Larve auch auf mehrere wild wachsende Pflanzen und auf Kohl und Tomaten übergegangen, so daß der Käfer auch durch diese verschleppt werden kann. Natürliche Feinde hat der K. in einer Schnellfliege, den Larven verschiedener Arten von Marienkäferchen, Wanzen, Raubkäfern, Erdkröten, Krähen und mehreren Vögeln, vielleicht sogar in den Enten und Hühnern (?). Die Wirksamkeit dieser Tiere hat man durch Einsammeln des Käfers und der Larven, Zerdrücken der Eier und durch Bespritzen der Blätter mit Schweinfurter Grün unterstützt. Beim Einsammeln ist Vorsicht geboten, weil Käfer und Larven einen Saft ausscheiden, durch welchen die Hände anschwellen. Für

^[Abb.: Kartoffelkäfer (Leptinotarsa decemlineata). a Eier, b-d Larve, c Puppe.]