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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Kastri - Kasuistik.

tiere werden zu ökonomischen Zwecken häufig kastriert. Wird die Operation bei männlichen Tieren in der Jugend ausgeführt, so nähern sich dieselben mehr dem Typus der weiblichen Tiere; sie sind leichter ernährungs- und mastfähig, zahmer und verträglicher; auch das Fleisch wird zarter und schmackhafter. Ältere Hengste kastriert man, um sie ruhiger und zur Arbeitsleistung geeignet zu machen. Männliche Schafe und Schweine sind am bequemsten im ersten halben Jahr, männliche Kälber im zweiten Jahr zu kastrieren. Von den weiblichen Schweinen ist die Operation nur bei den groben Rassen zweckmäßig, bei welchen die Funktion der Eierstöcke stark entwickelt ist. Die Mastung junger Hähne und Truthähne wird durch die Kastration (das Kapaunen) wesentlich gefördert. Vgl. Ableitner, Die Verschneidung (Kastration) der Haustiere (Brem. 1879).

Kastri, 1) Dorf auf der griech. Halbinsel Morea, Nomos Argolis und Korinth, der Insel Hydra gegenüber und an der Stelle des alten Hermione (s. d.). - 2) Dorf im griech. Nomos Phthiotis und Phokis, an der Stelle des alten Delphi (s. d.).

Kastrieren (lat.), verschneiden, der Mannheit berauben; s. Kastrat.

Kastries, Ort, s. Alexandrowsk 2).

Kastriota, Georg, s. Skanderbeg.

Kastro (Kastron, "Burg"), moderner Name für die Hauptorte mehrerer griechischer Inseln, an dessen Stelle jetzt meist der Name der letztern selbst getreten ist, so auf Mytilene, Lemnos, Samothrake, Melos, Chios u. a.

Kastrop, Flecken im preuß. Regierungsbezirk Arnsberg, Landkreis Dortmund, an den Linien Herne-Dortmund und Herne-Marktlinden-Dortmund der Preußischen Staatsbahn, hat eine katholische und eine evang. Kirche, 2 Bahnhöfe, ein Amtsgericht, jährliche Pferderennen, eine große Steinkohlengrube und Koksfabrik, eine Dampfmahl- und eine Dampfsägemühle, Ziegelbrennerei und (1885) 3724 meist kath. Einwohner.

Kastro-Plaka, Stadt, s. Plaka.

Kastropp, Gustav, Dichter, geb. 30. Aug. 1844 zu Saalmünster in Kurhessen, widmete sich zuerst der Musik und war 1874-78 als Lehrer an der großherzoglichen Orchesterschule zu Weimar thätig. Seit 1879 lebte K., ausschließlich litterarischer Thätigkeit gewidmet, abwechselnd in Graz, Düsseldorf, Hannover, Stuttgart, bis er sich 1883 dauernd in Darmstadt niederließ. Außer einer lyrischen Rhapsodie, "König Elfs Lieder" (Stuttg. 1875), versuchte sich der Dichter hauptsächlich im ernsten Drama und im großen Epos. Seinen Trauerspielen "Helene" (Weim. 1875) und "Suleika" (Stuttg. 1876) ließ er das Drama "Dornröschen" (das. 1877) und die epischen Dichtungen "Kain" (das. 1880) und "Heinrich von Ofterdingen" (das. 1881) folgen, von denen namentlich die erstere, trotz ihrer vielfachen Anlehnung an Byron, sich durch lebendige Phantasie und eine gut festgehaltene elegisch-pessimistische Grundstimmung auszeichnet. Noch sind "Gnomenmärchen" (Stuttg. 1877) und ein mit R. Roltsch gearbeitetes Lustspiel: "Das vierblätterige Kleeblatt" (Leipz. 1879), zu erwähnen.

Kasualien (lat.), zufällige Umstände, Sachen etc.; in der Kirchensprache geistliche Amtsverrichtungen, wie Taufen, Trauungen, Begräbnisse. Die bei solcher Gelegenheit gehaltenen Reden heißen Kasualreden oder Kasualpredigten.

Kasualismus (lat.), Zufallslehre, welche den Zufall, also das selbst Grundlose, als Grund des Begründeten gelten läßt. Kasualität, Zufälligkeit.

Kasuar (Casuarius L.), Vogelgattung aus der Ordnung der Kurzflügler und der Familie der Kasuare (Casuarinae), große Vögel mit gedrungenem Leib, kurzem, in der obern Hälfte nacktem, lebhaft gefärbtem, vorn mit einer oder zwei Klunkern geziertem Hals, einem aus einer Austreibung des Stirnknochens bestehenden und mit einer hornartigen Masse bedeckten Helm, geradem, seitlich zusammengedrücktem, auf der Firste gewölbtem, vor der etwas übergekrümmten Spitze oben und unten gezahntem Schnabel, nahe der Spitze liegenden Nasenlöchern, kurzen Flügeln, welche statt der Schwungfedern fünf fahnenlose, Hornstacheln ähnliche Kiele besitzen, ohne Steuerfedern, mit kurzen, dicken, dreizehigen Füßen und langen Nägeln an den mittlern Zehen; an den Federn des Leibes stehen die kurzen, steifen Fahnenstrahlen weit voneinander entfernt und besitzen keine Seitenfasern. Von den neun Arten ist der Helmkasuar (Casuarius galeatus Vieill., s. Tafel "Straußvögel") fast 2 m hoch, schwarz, im Gesicht grünblau, am Hinterkopf grün, der Hals vorn violett, seitlich blau, hinten lackrot, der Schnabel schwarz, das Auge rotbraun, der Fuß graugelb. Er scheint auf Ceram beschränkt zu sein, hält sich beständig im Dickicht verborgen und weiß sich allen Nachstellungen zu entziehen. Er lebt einsam, nährt sich hauptsächlich von abgefallenen Früchten, Kerb- und Krebstieren und legt 3-5 grüne Eier auf ein Blätterbett, welche das Männchen in zwei Monaten ausbrütet. Auch die Führung der Jungen übernimmt das Männchen. Küchlein werden auf den indischen Inseln häufiger gefangen, lassen sich aufziehen, vollständig zähmen und haben sich in zoologischen Gärten auch fortgepflanzt. Der erste K. kam 1597 nach Amsterdam. Die Kasuare laufen mit wagerechter Haltung des Leibes ungemein schnell und gewandt. Sie erscheinen begabter als die Strauße, sind aber äußerst erregbar und höchst boshaft. Man füttert sie mit Brot, Körnern, Äpfeln; doch verschlingen sie auch junge Hühner und Enten. Über den neuholländischen K. s. Emu.

Kasuarineen, dikotyle Pflanzenfamilie von zweifelhafter Stellung im natürlichen Pflanzensystem, meistens zur Ordnung der Julifloren (Amentaceen) gerechnet, Sträucher und Bäume von schachtelhalmartigem Aussehen, mit quirlständigen, gegliederten Ästen, an Stelle der Blätter mit gezahnten, kurzen Scheiden und eingeschlechtigen, ein- oder zweihäusigen Blüten. Die männlichen bilden Ähren auf den Enden der Zweige, sind von zwei zu beiden Seiten stehenden Vorblättchen umgeben und bestehen aus einem vordern und einem hintern kleinen Perigonblatt und einem einzigen, das Zentrum der Blüte einnehmenden Staubgefäß mit zweifächeriger, der Länge nach aufspringender Anthere. Die weiblichen Blüten sind in Köpfchen an den Enden kurzer Zweige vereinigt, haben ebenfalls zwei stehenbleibende Vorblättchen, aber kein Perigon. Der zusammengedrückte, einfächerige Fruchtknoten enthält eine einzige, hängende Samenknospe und trägt einen ganz kurzen Griffel mit zwei fadenförmigen Narben. Die Früchte sind mit den verholzenden Vorblättchen zapfenartig vereinigt; es sind geflügelte Achenen mit endospermlosem Samen. Zu dieser vorzugsweise in Australien einheimischen Familie gehört nur die Gattung Casuarina Rumph. mit etwa 30 Arten. Vgl. Miquel, Casuarineae in "Prodromus", Bd. 16.

Kasuistik (lat.), früher eine Wissenschaft, die sich mit den Grundsätzen beschäftigte, nach welchen schwere Gewissensfälle, die sogen. Casus conscientiae, beson-^[folgende Seite]