Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Katharina

612

Katharina (England, Frankreich, Rußland).

später kanonisiert; ihr Tag ist der 13. Februar. Guastin veröffentlichte 50 ihrer Briefe (Prato 1848).

Katharina, Name zahlreicher Fürstinnen, von denen als die merkwürdigsten anzuführen sind:

[England.] 1) K., Königin von England, Tochter des Königs Karl VI. von Frankreich und der Isabella von Bayern, geb. 1400, vermählte sich 1420 nach dem Vertrag von Troyes mit Heinrich V. von England, dem sie einen Sohn, Heinrich VI., gebar, und begründete so die Ansprüche, welche dieser nach Karls VI. Tod auf Frankreich erhob. Nach ihres Gemahls Tod (1422) vermählte sie sich heimlich mit Owen Tudor, dem sie drei Söhne schenkte; durch einen derselben, Edmund, Grafen von Richmond, wurde sie Großmutter Heinrichs VII. Sie starb 1438.

2) K. von Aragonien, Königin von England, Tochter Ferdinands des Katholischen von Aragonien und der Isabella von Kastilien, geb. 1483, ward 1501 mit dem Prinzen Arthur von Wales, Sohn Heinrichs VII., vermählt; doch starb derselbe schon im folgenden Jahr vor der wirklichen Vollziehung der Heirat. Um die reiche Mitgift Katharinas nicht wieder herausgeben zu müssen, vermählte Heinrich VII. K. 1509 mit Dispens des Papstes Julius II. mit seinem zweiten, damals erst zwölfjährigen Sohn, dem nachmaligen König Heinrich VIII. Die Neigung zu Anna Boleyn bewog letztern jedoch 1529, beim Papst Clemens VII. auf Scheidung der, wie er nun behauptete, kanonisch nicht erlaubten Ehe mit seiner Schwägerin anzutragen, und da dieser, um Katharinas Neffen Karl V. nicht zu beleidigen, sich weigerte, ließ der König die Ehe 1533 durch die Geistlichkeit für ungültig erklären, womit der erste Schritt zur Losreißung Englands von Rom gethan war. K. lebte fortan eingezogen und starb 1536 in Kimbolton. Die Königin Maria die Blutige war ihre Tochter.

3) K. Howard, Königin von England, Tochter Edmund Howards und Nichte des Grafen von Norfolk, fesselte durch ihre Schönheit Heinrich VIII., der sich 1540 mit ihr in fünfter Ehe vermählte. Als eifrige Katholikin benutzte sie ihren Einfluß auf den König, um in England die Anhänger der Reformation zu verfolgen, wurde aber überwiesen, vor ihrer Verheiratung ein unzüchtiges Leben geführt und auch nach derselben mit einem frühern Geliebten Umgang gehabt zu haben, und deshalb 12. Febr. 1542 enthauptet. Dramatisch wurde das Schicksal Katharinas von Gottschall behandelt.

4) K. Parr, Königin von England, seit 1543 sechste Gemahlin König Heinrichs VIII., früher mit Lord Latimer verheiratet, war eine eifrige Protestantin. Nach des Königs Tod vermählte sie sich mit dem Admiral Thomas Seymour; starb 1549.

[Frankreich.] 5) K. von Medici, Königin von Frankreich, geb. 13. April 1519 zu Florenz, war die einzige Tochter Lorenzos von Medici, Herzogs von Urbino, und der Magdalena de la Tour d'Auvergne, und Nichte des Papstes Clemens VII. Teils im Kloster delle Murate in Florenz, teils am Hof daselbst erzogen, nahm sie an letzterm neben seinem Kunstgeschmack auch Vorliebe für Kabalen und Intrigen an. Franz I. von Frankreich ersah sich 1533 die 13jährige K. zur Gemahlin seines zweiten Sohns, des nachmaligen Königs Heinrich II., aus, wofür ihm Lorenzo von Medici eine bedeutende Summe vorschoß. K. hatte am französischen Hof zwischen der Herzogin von Etampes, der Mätresse Franz' I., und Diana von Poitiers, der Buhlerin ihres Gemahls, anfangs einen schwierigen Stand, wußte aber schlau es mit keiner von beiden zu verderben. Als K. nach zehnjähriger Ehe Kinder erhielt, wurde das eheliche Verhältnis etwas besser, und da sie sich bei den Liebeshändeln ihres Gemahls sehr nachsichtig bewies, so näherte sich derselbe ihr immer mehr und schenkte ihr später sogar ein unbegrenztes Vertrauen. Nachdem Heinrich 1547 den Thron bestiegen, wurde K. 1549 gekrönt und von ihrem Gemahl während seines Feldzugs nach Lothringen und Elsaß 1552 zur Regentin bestellt. Da nach dem Tod ihres Gemahls (1559) und ihres ältesten Sohns, Franz' II. (1560), ihr zweiter Sohn, Karl IX., noch minderjährig war, so ergriff K. selbst die Zügel der Regierung. Obwohl äußerst ehrgeizig, war K. doch zaghaft und unentschlossen und suchte deshalb mehr durch schlaue und listige Entwürfe, durch eine wechselvolle und den Umständen sich anpassende Politik als durch entschiedenes, festes und planmäßiges Handeln zu herrschen. Ihr beweglicher und klarer Geist, ihre gewandte Rede unterstützten sie in diesem Verfahren. Aus Abneigung gegen die übermächtigen Guisen, die Führer der katholischen Partei, näherte sie sich anfangs den Hugenotten und der dieselben leitenden Familie Bourbon; aber deren Herrschsucht und die Überzeugung, daß die große Mehrheit des französischen Volkes dem Katholizismus treu bleiben werde, machten sie bald zur leidenschaftlichen Gegnerin der Hugenotten. Als diese und zumal der Admiral Coligny nach dem Religionsfrieden von St.-Germain den König zu gewinnen suchten und damit Katharinas Herrschaft über denselben bedrohten, veranlaßte sie in ihrer Besorgnis die Verwundung des Admirals und dann die Pariser Bluthochzeit. In der That blieb Karl IX. ein Werkzeug in ihrer Hand. Bis nach Karls Tod (1574) ihr dritter Sohn, Heinrich III., aus Polen, wo er damals König war, zurückkehrte, um den französischen Thron einzunehmen, führte K. abermals die Regentschaft. Aber Heinrich III. entwand sich der Herrschaft seiner Mutter mehr und mehr, trat in völligen Gegensatz zu der nun eifrig katholischen Richtung der letztern und ließ endlich 1588 sogar die beiden Guisen zu Blois ermorden. Diese That, welche K. nach jeder Richtung hin für verderblich hielt, verschlimmerte die Krankheit, von der sie schon vorher befallen war: sie starb 5. Jan. 1589 in Blois. K. besaß eine große Neigung für Künste und Wissenschaften, bereicherte die Pariser Bibliothek mit wertvollen Handschriften aus Griechenland und Italien und baute die Tuilerien und das Hôtel de Soissons, an dessen Stelle man die Halle aux blés gesetzt hat, sowie viele Schlösser in der Provinz. Ihre beiden Töchter waren: Elisabeth; vermählt mit Philipp II. von Spanien 1559, und Margaretha, vermählt mit Heinrich von Navarra, nachmals Heinrich IV. Vgl. Alberi, Vita, di Caterina de' Medici (Flor. 1838; deutsch, Augsb. 1847); Reumont, Die Jugend Caterinas de Medici (2. Aufl., Berl. 1856); Capefigue, Catherine de Médicis (Par. 1856); "Lettres de Catherine de Médicis" (hrsg. von La Ferrière, das. 1880-85, 2 Bde.).

[Rußland.] 6) K. I., Alexejewna, Kaiserin von Rußland, hieß eigentlich Martha und ward um das Jahr 1684 von Eltern niedern Standes in Litauen geboren. Bald verwaist, fand sie ein Unterkommen bei dem Propst Glück zu Marienburg in Livland, der sie mit seinen Kindern im protestantischen Glauben erziehen ließ. Dort heiratete sie 1702 einen schwedischen Dragoner, der indessen bald darauf ins Feld zog. Als Marienburg von den Russen eingenommen wurde (August 1702), ward Martha als Gefangene fortgeführt und lebte eine Zeitlang bei Menschikow. Bei diesem sah sie Peter d. Gr., nahm