Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Katharina

613

Katharina (Rußland: K. I. und K. II.).

sie zur Geliebten und bewog sie, 1703 zur griechischen Kirche überzutreten (wobei sie von ihrem Paten, dem Zarewitsch Alexei, den Namen K. Alexejewna erhielt). K. gebar dem Zaren von 1706 bis 1709 drei Töchter: Katharina, welche früh starb, Anna, später an den Herzog von Holstein vermählt und Mutter Peters III., und Elisabeth, später Kaiserin von Rußland, und mehrere Söhne, welche früh starben. K. wußte sich durch ihren Verstand, ihre Hingebung und ihre Nachsicht hinsichtlich der Liebeshändel ihres Geliebten dessen Gunst zu erhalten; die Verdienste, welche sich K. bei Gelegenheit des Feldzugs am Pruth 1711 erwarb, ohne daß darüber etwas Zuverlässiges im einzelnen bekannt wäre, festigten das Verhältnis zwischen Peter und K.; am (19. Febr.) 1. März 1712 ließ sich Peter formell mit K. trauen; 1724 fand ihre Krönung in Moskau statt, ohne daß damit auch Peters Absicht, sie zur Thronfolgerin zu ernennen, unzweifelhaft ausgesprochen worden wäre. Die Gerüchte von einer angeblichen Spannung zwischen den Ehegatten und von einem Liebesverhältnis zwischen K. und dem Kammerherrn Mons sind unzuverlässig. Als Peter 8. Febr. 1725 starb und noch ehe dessen Tod bekannt wurde, zogen Katharinas Günstlinge Menschikow, Bassewitz und Jagushinsky in der Eile alle Garden heran, und der Erzbischof von Pleskow, Theophanes, bezeugte, Peter habe auf dem Totenbett ihm erklärt, K. allein sei würdig, ihm in der Regierung zu folgen. So bestieg sie den Thron, der eigentlich dem noch unmündigen Enkel Peters, Peter (II.) Alexejewitsch, gehört hätte. Als Kaiserin überließ sie sich ganz dem Einfluß Menschikows, wußte aber durch Milde auch ihre Gegner zu gewinnen. Sie regierte im wesentlichen im Sinn Peters, eröffnete die Akademie der Wissenschaften, beschränkte die Macht des Senats durch Errichtung des Obersten Geheimen Rats und suchte sich durch Steuernachlässe beliebt zu machen. Aber Rußlands Ansehen in Europa war während ihrer Regierung unvergleichlich geringer als unter Peter d. Gr. Nachdem sie in ihrem Testament ihren Stiefenkel Peter II. zum Nachfolger ernannt hatte, starb sie 17. Mai 1727. Vgl. Mottley, History of the life and reign of Catherine I. (Lond. 1744, 2 Bde.); Arssenjew, Die Kaiserin K. I. (russ., Petersb. 1856); Kostomarow, K. I., in der Zeitschrift "Das alte und neue Rußland" (1877, Nr. 2); Brückner, Der Briefwechsel Peters d. Gr. mit K., in dem "Historischen Taschenbuch" 1880.

7) K. II. Alexejewna, Kaiserin von Rußland, Tochter des Fürsten Christian August von Anhalt-Zerbst, geb. 2. Mai 1729 zu Stettin, wo ihr Vater preußischer General und Gouverneur war. Auf Friedrichs II. Empfehlung von der russischen Kaiserin Elisabeth zur Gemahlin für deren Neffen und adoptierten Nachfolger Peter, Herzog von Holstein-Gottorp, ausersehen, begab sie sich mit ihrer Mutter im Februar 1744 nach Rußland, vertauschte bei ihrem Übertritt zur griechischen Kirche ihre Taufnamen Sophie Auguste mit den russischen K. Alexejewna und ward 1. Sept. 1745 mit dem zum russischen Großfürsten erhobenen Peter Feodorowitsch vermählt. Ihre Ehe war keine glückliche. Durch Geist und Bildung hoch über ihrem nur dem rohen Sinnengenuß ergebenen Gemahl stehend, sah sie sich von demselben mit Kälte und selbst mit rücksichtsloser Härte behandelt und von ihrer Umgebung mit Haß und Argwohn verfolgt. Trotzdem erlangte sie in den politischen Intrigen des Hofs bald maßgebenden Einfluß. Einst als Kaiserin auch wirkliche Herrscherin von Rußland zu werden, war ihr fester Entschluß. 1753 erlangte der stattliche, gewandte Graf Sergius Soltykow die Liebe der Großfürstin, welche, nachdem sie einmal die Schranken der Sitte überschritten, ihren Leidenschaften und ihren sinnlichen Trieben keinen Zügel mehr anlegte. Nach der Geburt des Großfürsten Paul (1754) und der Versetzung Soltykows als Gesandten nach Madrid wandte sie ihre Gunst dem polnischen Grafen Stanislaus Poniatowski, dann dem schönen und gutmütigen Grafen Gregor Orlow zu. Der lange erwartete Tod Elisabeths (Januar 1762) gab ihr endlich die Möglichkeit, ihre ehrgeizigen Pläne zur Ausführung zu bringen. Ihr Gemahl, der neue Kaiser Peter III., bedrohte sie in seinem leidenschaftlichen Haß mit Verbannung oder Kloster, zögerte aber mit der Ausführung. K. beschloß, ihrem Gemahl zuvorzukommen. Die Mißstimmung, die bald gegen dessen Regierung Platz griff, ward von K. noch absichtlich genährt und von ihrem Günstling Orlow und dessen Bruder Alexei eine Verschwörung eingeleitet, welche darauf hinausging, Peter III. zu einem Entsagungsakt zu nötigen und K. als Vormünderin ihres Sohns Paul und als Regentin auf den Thron zu erheben. Die Verhaftung eines Verschwornen drängte zur Beschleunigung der That. Von Orlow von ihrem Lustschloß Peterhof nach der Hauptstadt geführt, wußte K. daselbst in der Nacht des 9. Juli 1762 die Garde durch eine begeisternde Ansprache für sich zu gewinnnen ^[richtig: gewinnen], so daß dieselbe ihr als Kaiserin huldigte, während der in der Kasanschen Kirche versammelte Klerus die Erhebung der Großfürstin auf den Thron verkündigte. Um 10 Uhr morgens war die Revolution beendet und K. II. Kaiserin von Rußland, 33 Jahre alt, in der Fülle ihrer Schönheit und ihrer geistigen Entwickelung. Auf die Nachricht von diesen Ereignissen verlor Peter allen Mut und erklärte sich bereit, die Krone niederzulegen und sich nach Deutschland zurückzuziehen. Er wurde nach dem Schloß Ropscha gebracht und dort von einigen Verschwornen ermordet. Den Hauptanteil an der That (17. Juli 1762) hatte, wie es scheint, Alexei Orlow; der Mord geschah ohne Vorwissen Katharinas, welche übrigens in der ersten Zeit ernstlich an eine Vermählung mit Gregor Orlow dachte. Die ersten 13 Jahre ihrer Regierung, solange ihr Verhältnis zu Orlow dauerte, der K. wahrhaft liebte und frei war von Selbstsucht, aber auch von Thatendrang und nichts that, um sich durch Kriegsruhm oder Anteil an den Geschäften seiner Geliebten ebenbürtig zu machen, waren segensreich, weil die neue Herrscherin den edlen Trieben ihres Geistes folgen konnte. Zugleich aber fehlte es in dieser Zeit nicht an allerlei Unruhen und Rebellionen. Die Kaiserin war unermüdlich thätig, ihre Kenntnisse über ihr Herrschergebiet zu vervollkommnen und für die Ordnung und Besserung im einzelnen zu sorgen, ohne doch den Überblick und die großen leitenden Gesichtspunkte aus dem Auge zu verlieren. Sogleich im ersten Jahr ihrer Regierung lud sie durch ein Manifest Ausländer zur Niederlassung in ihrem Reich ein und setzte (25. Juli 1763) zur Leitung dieser Kolonisationsangelegenheiten eine eigne Behörde nieder. Sie führte die Kuhpockenimpfung ein und gründete Armen-, Kranken- und Findelhäuser. Alle unter den frühern Regierungen zur Verbreitung und Beförderung der Kultur gegründeten Institute, wie die Navigationsschulen, die Anstalten zur Pflege der Wissenschaften und Künste, fanden an K. eine eifrige Beschützerin. Angehende russische Gelehrte und Künstler wurden zu ihrer Ausbildung ins Ausland gesandt, die geistlichen Seminare vermehrt und erwei-^[folgende Seite]