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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Kaukasien

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Kaukasien (Verkehrswege, Verwaltung etc.; Geschichte).

In der Anlage von Verkehrswegen ist bereits viel geschehen; eine Kunststraße ersten Ranges führt hinter Wladikawkas in der Terekschlucht aufwärts zum Kamm des Hochgebirges am Kasbek vorüber und hinab nach Tiflis. Ebenso sind über das Meskische Gebirge die Uferlandschaften am Schwarzen Meer mit dem Kurthal verbunden; längs dieses Flusses nach Baku und Schuscha, dann südlich davon nach Achalzych, Alexandropol und am Gokscha vorbei nach Eriwan und weiter hinab an den Arasfluß sowie im N. längs des Kuban und Terek wie des Kaspischen Meers führen Kunststraßen. In neuester Zeit harren in dieser Beziehung vielfache Entwürfe der Ausführung, so auch der Bau einer Straße von Tiflis nach Alexandropol und Kars. Die Fortsetzung der Bahn Poti-Tiflis nach Baku ist bereits vollendet: 16. Aug. 1882 fuhr der erste Probezug. Von derselben zweigt sich bei Samtredi die Bahn nach Batum ab, auf welcher 19. Dez. 1882 die erste Probefahrt unternommen wurde. Die 11. Dez. 1875 eröffnete Bahn Rostow-Wladikawkas soll fortgesetzt werden nach Petrowsk am Schwarzen Meer oder direkt über das Gebirge nach Tiflis; wahrscheinlich kommen beide Projekte zur Ausführung.

[Verwaltung.] An der Spitze der Verwaltung steht ein Statthalter (von 1863 bis 1881 Großfürst Michael Nikolajewitsch, seit 1881 der General Fürst Dondukow-Korsakow). Die Verwaltung entspricht im allgemeinen jener des übrigen Rußland, doch stehen in dieser Beziehung wie auch in der Einteilung Veränderungen bevor. - Die allgemeine Wehrpflicht ist 1. Jan. 1874 nur für das Gouvernement Stawropol in Kraft getreten, während aus den übrigen Bezirken irreguläre Truppen, resp. Milizen (das Kutaïs- und Daghestan- irreguläre Reiterregiment, 1 Kuban-, 11 Terek-, 11 Daghestan- [reitende] Sotnien, 1 Sotnie Suchum-Landwehr, Gurische und Grusinische Fuß-Druschinen à 4 Sotnien; ständige Miliz von Kars und Batum) formiert werden. An regulären Truppen standen 1. Jan. 1883 im kaukasischen Militärbezirk: das 1. kaukasische Korps (kaukasische Grenadier-, 38. und 39. Infanterie- und 1. und 2. Kavalleriedivision), das 2. kaukasische Korps (19., 20. und 21. Infanterie- und kaukasische Kavalleriedivision), 41. Infanteriedivision, kaukasische Schützenbrigade, 6 transkaspische Schützenbataillone, kaukasische Sappeurbrigade, Reserve-Eisenbahnbataillon, Pontonierkompanie, 4 Linienbataillone, kaukasische Ersatz-Kavalleriebrigade, 5 Festungsartillerie-Bataillone, 2 Kompanien, 1 Kommando, 3 Lokalbataillone, 55 Lokalkommandos in einer Stärke von rund 19,000 Mann, 15,000 Pferden mit 196 Geschützen.

Geschichte.

Die Geschichte Kaukasiens reicht bis in die älteste Zeit zurück. Schon in der Bibel spielt der Ararat, als die Wiege des Menschengeschlechts, eine wichtige Rolle. Am Fuß desselben erhielt die Zendreligion ihr [richtig: ihre] volle Ausbildung. Die Iranier, Anhänger derselben, lagen im steten Kampf mit den als Skythen, Saken, Massageten, Kimmerier etc. bekannten türkisch-tatarischen Völkern im Norden des Kaukasus. In die Zeit des Einflusses der Assyrer, durch welche an Stelle des Ormuzddienstes die Verehrung des Baal, Moloch etc. längs der ganzen Küste des Pontischen Meers sich verbreitete, fällt die Fahrt der Argonauten (s. d.) und die ersten Handelsbeziehungen der Phöniker und Griechen mit dem Kaukasus. Im 7. Jahrh. v. Chr. gründen letztere an dem kaukasischen Gestade des Schwarzen Meers Kolonien: Dioskuria u. a. An die Stelle der Assyrer traten die Perser als Besitzer von Transkaukasien. Das Reich von Atropatene, infolge des Zugs Alexanders d. Gr. nach Baktrien gegründet, umfaßte einen Teil der Gouvernements Jelissawetpol und Baku. Unter den Seleukiden nimmt Armenien Aufschwung; Tigranes (95-60) gebietet über Transkaukasien, wird aber im Kampf mit den Römern von Mithridates besiegt; dieser setzt über den Aras, durchzieht den kaukasischen Isthmus und bekriegt die Iberier (Georgier). Im J. 34 unterwarf Antonius Armenien. 56 n. Chr. zerstörten die Römer unter dem Kaiser Nero die Hauptstadt Armeniens, Artaschat, und 98 unternahm Trajan einen Feldzug gegen diesen Staat. Zur Zeit der Völkerwanderung siedelten sich die Goten, zum Teil die Alanen vertreibend, am Schwarzen Meer-Gestade an; 204 drangen die Chasaren nach dem Kaukasus von Norden ein und kamen bis Grusien und Armenien; erst im J. 300 wurden sie wieder aus Armenien und Albanien vertrieben. 513 fielen die Hunnen in Armenien ein. Die römische Macht nahm ab, aber Kolchida war immer noch zeitweise der Kriegsschauplatz zwischen Römern und Persern. Die Völkerzüge nach K. dauerten an: so siedelten sich die Avaren 558 hier an; 635 unternahmen die Araber ihren ersten Feldzug nach Armenien. Die Russen sahen den Kaukasus zum erstenmal zu Anfang des 10. Jahrh. 914 und 943 bemächtigten sie sich der Festung Barda und drangen vom Kaspischen Meer her ein. 967 besiegte der Großfürst Swjatoslaw, über den Kuban gehend, am Fuß des Kaukasus die Jassen und Kossogen (Osseten und Tscherkessen). Im 13. Jahrh. dringen die Mongolen ein; 1385 Tamerlan. In dieser Zeit war die Verbindung zwischen Rußland und K. vollständig zerrissen. Nachdem aber Rußland von dem tatarischen Joch befreit war, erstand sie von selbst wieder. Die schwachen kaukasischen und transkaukasischen Fürsten suchten gegen die Einfälle ihrer Nachbarn Schutz: so 1492 Kachetien bei Johann III., 1555 die Bewohner der Umgegend von Beschtau bei Johann IV. etc. 1722 eroberte Peter I. Derbent, 1723 Baku, aber 1735 wurden die russischen Besitzungen im K. an Persien abgetreten. 1770 überschritten russische Truppen zum erstenmal den Kaukasus und nahmen Kutaïs. 1774 im Frieden von Kutschuk Kainardschi mit der Türkei gewann Rußland die Kuban- und Tereklinie. 1785 wurde aus den Gebieten am Nordabhang des Kaukasus eine kaukasische Statthalterschaft geschaffen, bestehend aus den Kreisen Jekaterinograd, Kisljar, Mosdok, Alexandrow und Stawropol. 1796 eroberte der Graf Subow die Gebiete mit den Städten Derbent, Kuba und Baku. 1801 wurde Georgien in ein russisches Gouvernement verwandelt, nachdem Georg XIII. (Iraklis II. Nachfolger, welcher sich bereits 1783 unter russischen Schutz gestellt hatte) gestorben war. 1862 wurde Ossetien, 1803 die Lesghier, 1804 Mingrelien, 1810 Imeretien unterworfen. Die Perser hatten Rußland nicht hindern können, sich diese Gebiete anzueignen, und in dem Frieden von Gulistan 24. Okt. 1813 fanden die Kämpfe zu Rußlands Machtvergrößerung ihren Abschluß. Persien trat an Rußland ab: die Chanate Karabach (Schuminskischer Kreis), Gändsche (Kreis Jelissawetpol), Schirwan (Kreis Schemacha), Derbent, Kuba, Baku und Talyscha (Lenkoranskischer Kreis). 1815 besaß Rußland somit schon fast das ganze jetzige Transkaukasien; in seinem Besitz waren nur noch nicht der Achalzychsche Kreis, der südliche Teil des Etschmiadsinskischen, der Eriwansche, Nachitschewanskische und Ordubatskische Kreis. Die Bergvölker (Gorzen) aber