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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Kaukasische Mauer; Kaukasische Rasse; Kaukasische Sprachen

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Kaukasische Mauer - Kaukasische Sprachen.

zwungen war, eine ganze Armee an die Berge des östlichen Kaukasus zu fesseln. - 1853 brach der orientalische Krieg aus: Rußland war in einer äußerst prekären Lage; seine Truppen mußten nach zwei Seiten Front machen. Und nur der Umstand, daß die Anführer der Muriden nichts Entscheidendes unternahmen, ließ die Russen ihre Positionen nicht verlieren. Erst mit der Ernennung des Fürsten Barjatinskij zum Oberkommandierenden im Kaukasus begann man (1856-59) systematisch gegen die Bergvölker vorzugehen, was zu ihrer endgültigen Unterwerfung führte. Durch die Besetzung der Großen Tschetschnja sowie Auchs und Salatans schuf man sich eine neue Basis. Mit der Unterwerfung der Kleinen Tschetschnja endete der Winterfeldzug 1857/58: die nördlichen Ebenen und Vorgebirge waren erobert, in das Hauptgebirge der Eingang eröffnet. Das Hauptoperationsobjekt war die Residenz Schamils, Weden, in dem Itschkerischen Bezirk. Weden, stark befestigt, wurde von 7000 Mann unter Kasi Mahroma, dem Sohn Schamils, verteidigt. Ende März 1859 begann der General Jedowkin die Belagerung. Am 13. April wurde Weden erstürmt, infolgedessen waren sämtliche tschetschenskischen Stämme unterworfen, und Schamil behielt nur noch Daghestan. Die Eroberung desselben wurde in fünf Wochen durchgeführt. Der letzte Zufluchtsort Schamils war der Berg Ghunib; 4. Sept. begannen die Angriffsarbeiten gegen denselben. Am 6. Sept. 1859 ergab sich Schamil dem Fürsten Barjatinskij. Der östliche Kaukasus lag zu den Füßen Rußlands. Die endgültige Eroberung des westlichen Kaukasus begann im Frühjahr 1864 und endete im Mai 1865 mit der Unterwerfung der Tscherkessen. Die russische Herrschaft befestigte sich nun immer mehr und mehr, und doch regten sich wieder die alten Gelüste der Bergvölker nach Unabhängigkeit, als Rußland in dem letzten orientalischen Krieg mit der Türkei 1877/78 verwickelt war. Türkische Aufwiegler tauchten unter den Bergvölkern im Sommer 1876 auf; sie wußten es dahin zu bringen, daß Ende April 1877 unter den Tschetschenzen, im Mai in Abchasien, im September in Daghestan Unruhen ausbrachen. Landungsversuche seitens der Türkei fanden statt: 3. Mai beschoß ein türkisches Schiff Poti; 16. Mai wurde von einer Eskadre von fünf Schiffen Suchum Kalé beschossen und hier auch einige Truppen gelandet. Eine größere Landung ausgewanderter Tscherkessen gelang 23. Mai bei Adler (116 km nordwestlich von Suchum Kalé). Durch rechtzeitige Besetzung der aus Abchasien nach den Tschetschenzen-Ansiedelungen im Kuban- und Terekgebiet führenden Pässe wurde ein großer Aufstand verhindert. Den tscherkessischen Vortruppen schickte die Türkei ein 14,000 Mann starkes Invasionskorps unter Taski Pascha nach. Die Russen zogen Verstärkungen aus dem Innern nach; am 24. und 25. erfolgten die ersten Zusammenstöße größerer Massen; 27. Juni schlug der General Alchasow die vereinigten Türken und Abchasen bei Adschanodschir und nahm am 30. das Dorf Assacho, den Hauptstützpunkt der Aufständischen. In Abchasien ging der Aufstand zu Ende. Ende Juli und 1. Aug. schifften sich die Türken wieder ein, 30,000 Abchasen schlossen sich ihnen an und wurden in Anatolien angesiedelt. Die zurückgebliebenen Abchasen wurden unter Schonung ihres Eigentums unterworfen. Auch bei den Tschetschenzen war im August der Aufstand unterdrückt; Die ^[richtig: die] Stämme der Tscherlojewzen und Schatojewzen traf strenge Bestrafung. Die flüchtig gewordenen Führer zettelten nun in Daghestan einen Aufstand an. Am 24. Sept. zerstreuten die Russen eine in Organisation begriffene Bande von 6000 Mann und schlugen 30. Sept. und 4. Okt. 4000 Aufständische. Mitte Oktober war im mittlern Daghestan die Ruhe wiederhergestellt. Die Aufsuchung und Vernichtung zerstreuter Haufen und Führer nahm noch einige Monate in Anspruch. General Loris Melikow hatte durch die Niederhaltung der kaukasischen Stämme Rußland einen wesentlichen Dienst geleistet.

Durch den Vertrag von Berlin vom 13. Juli 1878 wurden an Rußland die türkischen Gebiete von Ardahan, Kars und Batum abgetreten und durch bezügliche Befehle als Batum- und Kars-Oblaßtj (Gebiet) der kaukasischen Statthalterschaft einverleibt.

Schließlich sind auch die östlich des Kaspischen Meers gelegenen Territorien dem kaukasischen Statthalter unterstellt. Die erste russische Niederlassung hier war die 1833 gegründete Befestigung Nowo-Alexandrowsk; 1869 entstand das Fort Kraßnowodsk; 1870 wurde das in dem Balkangebirge gelegene Tasch Arwat mit den beiden Etappen Michael- und Mulea-Karsposten besetzt. Durch Befehl vom 27. März 1874 wurde der Transkaspische Militärdistrikt organisiert und dem Statthalter des Kaukasus unterstellt. 1878 wurde die Linie des Atrek von seiner Mündung bis zum Einfluß des Sumbar bei Tschat besetzt und hier eine Befestigung angelegt. Das zeitweise aufgegebene Tschikischljar wurde wieder eingenommen. Durch die glücklich zu Ende geführte Expedition gegen die Achal Teke (s. d.) 1880/81 wurde die Achal Teke-Oase annektiert und aus diesem neugewonnenen Territorium und dem bereits bestehenden Transkaspischen Militärdistrikt durch Befehl vom 18. Mai 1881 der "Transkaspische Oblaßtj" gebildet und der kaukasischen Statthalterschaft einverleibt.

Vgl. außer den Reisewerken von Koch, M. Wagner, Eichwald, Parrot u. a.: Dubois du Montpéreux, Voyage autour du Caucase (Par. 1838-43, 6 Bde.); Bodenstedt, Die Völker des Kaukasus (2. Aufl., Berl. 1855); Haxthausen, Transkaukasia (Leipz. 1856, 2 Bde.); Baumgarten, Sechzig Jahre des kaukasischen Kriegs (das. 1861); Petzoldt, Der Kaukasus (das. 1866-67, 2 Bde.); G. Radde, Vier Vorträge über den Kaukasus (Gotha 1874); Derselbe, Ornis caucasica (Kassel 1884 ff.); v. Thielemann, Streifzüge durch den Kaukasus (Leipz. 1874); Grove, Frosty Caucasus (Lond. 1875); Favre, Recherches géologiques dans la partie centrale de la chaîne du Caucase (Genf 1875); O. Schneider, Naturwissenschaftliche Beiträge zur Kenntnis der Kaukasusländer (Dresd. 1879); K. Koch, Der Kaukasus, Landschafts- und Lebensbilder (Berl. 1882); Abich, Geologische Forschungen in den kaukasischen Ländern (Wien 1878 bis 1882, 2 Bde.); Dorneth, Aus dem Kaukasus und der Krim (das. 1881); Erckert, Der Kaukasus und seine Völker (Leipz. 1887).

Kaukasische Mauer, alte, verfallene Befestigungen, die von Derbent (s. d.) im O. quer über den Großen Kaukasus an allen Paßübergängen angelegt waren, um die Länder südlich des Gebirges gegen die Einfälle der nördlichen Nomadenhorden zu schützen. Ihre Erbauung wird dem Chosroes Nuschirwan (gest. 579) zugeschrieben; die Mongolen haben sie zerstört. Vgl. Eisernes Thor 3).

Kaukasische Rasse, s. Menschenrassen.

Kaukasische Sprachen. Die zahlreichen Sprachen des Kaukasus weichen größtenteils so entschieden nicht nur voneinander, sondern auch von allen sonstigen Sprachen ab, daß man in ihnen wahrscheinlich die letzten noch übrigen Trümmer untergegangener Sprachstämme zu erblicken hat, die, wie das Baskische