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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Kaulbars - Kaumagen.

falke (1879) und mehrere Grisaillen zu einer Operngalerie. Ein figurenreiches Bild: Lucrezia Borgia tanzt vor ihrem Vater (1882), verletzte durch die lüsterne Auffassung, und auch ein Gemälde ernstern Inhalts: Krönung der heil. Elisabeth durch Kaiser Friedrich II. von Hohenstaufen (1886), erhob sich nicht über den Wert einer glänzenden Kostümmalerei ohne tiefe Empfindung.

Kaulbars, 1) Nikolai, Baron von, russ. General, geb. 3. Juni 1842 zu Petersburg, trat 1861 in das russische Heer, ward 1868 Generalstabsoffizier und nahm, nachdem er 1875-76 in Berlin die deutschen Militärverhältnisse studiert hatte, 1877-78 am türkischen Krieg als Stabschef einer Gardedivision teil. Hierauf war er Mitglied der Grenzkommission zur Regelung der montenegrinischen Grenze, machte die Okkupation Bosniens im österreichischen Hauptquartier mit und wurde 1881, zum Obersten befördert, russischer Militärbevollmächtigter in Wien. Nach der Abdankung des Fürsten Alexander von Bulgarien ward K., der inzwischen General geworden, im Oktober 1886 nach Sofia geschickt, um die bulgarischen Verhältnisse in russischem Interesse zu ordnen. Er trat sofort sehr schroff auf und bewirkte, daß nur seine ersten Forderungen, Aufhebung des Belagerungszustandes und Entlassung der an der Verschwörung vom 21. Aug. beteiligten Offiziere, bewilligt, dagegen die weitern, Abdankung der Regentschaft und Aufschub der Wahlen zur Sobranje, abgelehnt wurden. Als seine Versuche, das Volk gegen die Regentschaft aufzuhetzen, ebenfalls erfolglos blieben, kehrte er Ende November nach Petersburg zurück. Gleich seinem jüngern Bruder (s. unten) hat sich K. auf dem geographischen Gebiet ausgezeichnet und eine treffliche Karte von Amerika geliefert.

2) Alexander von, russ. Reisender und Offizier, Bruder des vorigen, geb. 1844 zu St. Petersburg, nahm 1869-72 die verschiedenen Ketten des Thianschan auf und entdeckte in einem Gletscher der Ak Schirak-Berge die Quelle des Naryn, eines Hauptquellflusses des Sir Darja. Auch besuchte er 1870 den Musartpaß, welchen 1871 Schepelew überschritt, und wurde 1872 als Stabsoffizier nach Kaschgar gesandt, um mit Jakub Beg zu unterhandeln. 1873 nahm K. als Mitglied der Amu Darja-Expedition unter Oberst Gluchowski das ganze Delta des Amu Darja einschließlich des alten Oxusbetts auf und veröffentlichte einen Bericht darüber in den "Sapískí" der Geographischen Gesellschaft, Bd. 9 (Petersb. 1881). Nach dem russisch-türkischen Krieg 1877-78 gehörte er der Kommission für die neue Demarkationslinie Serbiens an und war von Juli 1882 bis September 1883 Kriegsminister in Bulgarien. Hierauf wurde er Generalmajor und Kommandierender einer Kavalleriebrigade in Twer.

Kaulbarsch (Acerina Cuv.), Gattung aus der Ordnung der Stachelflosser und der Familie der Barsche (Percoidei), Fische mit verschmolzenen Rückenflossen, Stacheln auf Vor- und Hauptdeckeln der Kiemen, Gruben an den Kopfknochen, Samtzähnen, an Brust und Bauch mehr oder weniger schuppenlos. Der gewöhnliche K. (Schroll, Pfaffenlaus, Rotzbarsch, Acerina cernua L.), 20-25 cm lang, mit kurzem, gedrungenem Leib, stumpfer Schnauze, auf dem Rücken und an den Seiten olivengrün, dunkel gefleckt und punktiert, auf Rücken und Schwanzflosse mit Punktreihen, findet sich weitverbreitet in Europa, auch in Sibirien, besonders in klaren, tiefen Seen, lebt einzeln, besucht aber im April und Mai truppweise seichtere fließende Gewässer, laicht auf Steinen und kehrt im Herbst in tiefere Gewässer zurück. Er nährt sich von kleinen Fischen, Insekten, Würmern, frißt auch Gras, hat schmackhaftes Fleisch. Er läßt sich durch starkes Geräusch herbeilocken, ist übrigens durch schonungslose Nachstellung stellenweise recht selten geworden.

Kaulbrand, s. v. w. Gichtig- oder Rodigwerden des Weizens, s. Aaltierchen.

Kaulen, Franz, kathol. Theolog, geb. 20. März 1827 zu Düsseldorf, studierte 1846-49 in Bonn, wurde 1859 Repetent am theologischen Konvikt daselbst, 1863 Privatdozent, später außerordentlicher Professor an der Universität daselbst und ward 1882 als ordentlicher Professor nach Prag berufen. Er schrieb: "Institutiones linguae mandshuricae" (Regensburg 1856); "Die Sprachverwirrung zu Babel" (Mainz 1861); "Liber Jonae" (das. 1873); "Die Legende des heil. Hermann Joseph" (2. Aufl., das. 1880); "Geschichte der Vulgata" (das. 1870); "Handbuch zur Vulgata" (das. 1876); "Einleitung in die Heilige Schrift Alten und Neuen Testamentes" (2. Aufl., Freiburg 1881-86); "Assyrien und Babylonien nach den neuesten Entdeckungen" (3. Aufl., das. 1885).

Kaulerpeen, Familie der Algen aus der Ordnung der Cöloblasteen; s. Algen, S. 344.

Kaulf., Klfs., bei botan. Namen Abkürzung für G. F. Kaulfuß, Professor der Naturgeschichte in Halle, starb 1830. Farne.

Kaulkopf (Groppe, Cottus L.), Gattung aus der Ordnung der Stachelflosser und der Familie der Panzerwangen (Cataphracti), Fische mit breitem, flachem, mit Stacheln bewaffnetem Kopf, gedrungenem, schuppenlosem Leib, Bürstenzähnen, zwei dicht hintereinander stehenden Rückenflossen und unter den Brustflossen stehenden Bauchflossen. Der K. (Dickkopf, Koppen, Cottus Gobio L.), 10-14 cm lang, mit sehr breiter Mundspalte, sehr breiten und langen Brustflossen, schmalen und kurzen Bauchflossen, grau oder bräunlich, dunkel punktiert, gefleckt oder gebändert, an der Bauchseite weißlich, stark variierend, lebt in Mittel- und Nordeuropa überall in Seen, Flüssen, Bächen, liebt klares Wasser, hält sich gern unter Steinen verborgen, nährt sich von Insektenlarven, Fischbrut und ist sehr gefräßig. Das Weibchen laicht im März und April an einer vom Männchen ausgewählten passenden Stelle zwischen Steinen, und das Männchen bewacht die Eier alsdann 4-5 Wochen lang mit großer Ausdauer und Aufopferung. Man benutzt diesen Fisch hauptsächlich als Köder beim Angeln, in Rußland aber trägt man ihn gegen Vipernbiß als Amulett.

Kaulom (lat.), Pflanzenglieder, welche die für die Stengel charakteristischen Wachstumsgesetze zeigen urd daher mit diesen morphologisch gleichwertig sind (s. Stengel).

Kaulomstachel, s. v. w. Dorn (s. Stachel).

Kaulquappen, die jungen, noch mit einem Schwanz versehenen Frösche (s. d., S. 751).

Kaulung, Halbinsel und Stadt der chines. Provinz Kuangtung, gegenüber Hongkong (s. d.).

Kaumagen (Proventriculus), eine besondere Abteilung der Speiseröhre bei manchen Gliedertieren. In ihm werden die Speisen einer Zerreibung mittels scharfer harter Platten und Zähne aus Chitin (s. d.) unterzogen und gelangen dann erst in den eigentlichen Magen. Die Chitinhaut des Kaumagens wird bei jeder Häutung gleich der äußern Körperbedeckung abgeworfen und durch eine neue ersetzt. Auch manche Schnecken besitzen im Vorderteil ihres Magens besondere Reibvorrichtungen. Bei Vögeln