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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Kaurifichte - Kautschuk.

land gefunden; sie dienen noch jetzt bei uns und in Oberägypten zum Schmuck von Lederzeug, und bei den westasiatischen Völkern des russischen Reichs schmücken sich die Frauen mit Kauris. Im 17. Jahrh. wurden dieselben noch in Indien und auf den Philippinen als Geld benutzt, in Siam noch heute (100 K. = 2 2/3 - 4 Pf.). Am weitesten ist das Kaurigeld in Afrika verbreitet; es geht fast durch den ganzen Sudân und ist auch an den Küsten im Gebrauch; Sansibar ist Hauptstapelplatz für den Kaurihandel.

Kaurifichte, s. Dammara.

Kauriharz, s. Kopal.

Kaurzim (tschech. Kourím), Stadt in der böhm. Bezirkshauptmannschaft Kolin, an der Lokalbahn Peczek-Zasmuk, in fruchtbarer Getreidegegend, mit alten Ringmauern, gotischer Dekaneikirche, (1880) 3006 Einw., Zuckerfabrik, Mühlen u. einem Bezirksgericht.

Kausalität (neulat.), Ursachlichkeit, s. Ursache.

Kausalkur, eine Heilmethode, welche sich auf Beseitigung der Ursachen der Krankheit richtet.

Kausativum (lat., auch Faktitivum), ein abgeleitetes Verbum, das die Veranlassung (causa) zu einer Handlung ausdrückt; s. Verbum.

Kauscher (jüd.), s. Koscher.

Kaúsia, der flache, breitkrempige Filzhut der alten Makedonier, den auch die makedonischen Hopliten trugen; war bei hochgestellten Personen in Purpur gefärbt. In den Staaten, welche aus dem Reich Alexanders d. Gr. sich bildeten, war die purpurne K. mit dem Diadem das Zeichen des Königtums. Später wurde die K. auch von den römischen Fischern und Matrosen und in der Kaiserzeit selbst von Vornehmen im Theater zum Schutz gegen die Sonne getragen.

Kausimkies, s. Markasit.

Kausler, Franz von, Militärschriftsteller, geb. 28. Febr. 1794 zu Stuttgart, trat 1811 in die württembergische Artillerie. Nach der Schlacht bei Leipzig erwirkte er zu Erfurt von Napoleon I. die Erlaubnis zur Heimkehr der württembergischen Truppen. Er nahm dann an den Feldzügen von 1814 und 1815 in Frankreich teil, ward Lehrer der Artilleriewissenschaften an der Kriegsschule zu Stuttgart, 1842 als Oberst pensioniert, starb 10. Dez. 1848 in Karlsruhe. Er schrieb: "Versuch einer Kriegsgeschichte aller Völker und Zeiten" (Ulm 1826-30, 4 Bde.); "Synchronistische Übersicht der Kriegsgeschichte" (das. 1825-1830); "Napoleons Grundsätze, Ansichten und Äußerungen über Kriegskunst, Kriegsgeschichte und Kriegswesen" (Leipz. 1828); "Das Leben des Prinzen Eugen von Savoyen" (Freib. i. Br. 1838-39, 2 Bde.) u. lieferte einen guten "Atlas der merkwürdigsten Schlachten, Treffen und Belagerungen" (das. 1831-38, 210 Blätter). Mit Wörl gab er heraus: "Die Kriege von 1792 bis 1815 in Europa und Ägypten" (Freiburg 1840-42, 28 Lfgn.), mit v. Breithaupt die "Zeitschrift für Kriegswissenschaft" (Stuttg. 1819-24).

Kaustik (griech.), Ätzkunst zu Heilzwecken; auch die Lehre von der Brennlinie (s. d.).

Kaustisch (griech.), ätzend; auch übertragen in Beziehung auf Witz und Spott, beißend, stechend. Kaustisches Kali, s. v. w. Ätzkali, Kaliumhydroxyd; kaustische Lauge, s. v. w. Kalilauge; kaustische Soda, s. Natriumhydroxyd; kaustische Mittel, Ätzmittel.

Kaustische Linie, s. Brennlinie.

Kautel (Cautela), Vorsichtsmaßregel und zwar hauptsächlich diejenige, welche bei einem Rechtsgeschäft zu dessen Sicherung angewandt wird. Sie findet ihren Ausdruck meist in Klauseln (s. d.). Die Socinische K. (c. Socini) ist der Vorbehalt im Testament, wonach ein Noterbe, dessen Pflichtteil zwar beschwert, aber durch einen Vorteil wieder vermehrt worden ist, dieses Vorteils verlustig sein soll, falls er die Beschwerung sich nicht gefallen lassen will.

Kauterien (Cauteria), s. v. w. Ätzmittel.

Kauterisation (neulat.), s. v. w. Ätzung, s. Ätzmittel und Thermocautère.

Kaution (lat., Sicherheitsleistung), ein Akt, wodurch die künftige Verletzung eines Rechts entweder verhütet, oder wodurch für den Fall ihres Eintritts die Wiederherstellung dieses Rechts gesichert werden soll. Will man lediglich feststellen, daß und in welchem Umfang ein Anspruch bestehe, so genügt in der Regel ein Vertrag der Beteiligten (Verbalkaution), wohin die vorläufige Feststellung einer Konventionalstrafe oder des zu ersetzenden Wertes oder Schadens für den Fall künftiger Verletzung gehört. Unter Umständen kommt, um die Anfechtbarkeit eines Rechtsgeschäfts auszuschließen, oder auch lediglich behufs der Einwirkung auf das Gewissen des Beteiligten ein eidliches Versprechen (juratorische K.) hinzu. Eine Realkaution, die durch Stellung tüchtiger Bürgen oder ausreichende Pfandbestellung (Kautionshypothek) oder Hinterlegung einer Geldsumme geleistet wird, ist nötig, wenn beabsichtigt wird, die Durchführung eines Anspruchs gegen den Mangel eines Gegenstandes, aus dem er befriedigt werden kann, oder gegen sonstige Hindernisse, z. B. Flucht des Verpflichteten, zu sichern. Zuweilen werden gerichtliche Maßregeln nötig, wie Beschlagnahme einer streitigen Sache oder eines die Hilfsvollstreckung sichernden Gegenstandes (Sequestration, Arrest) oder Einweisung des Berechtigten in den Besitz einer Sache. K. kommt im Zivil- wie im Strafprozeß vor, im letztern namentlich als Sicherheitsleistung für die Freilassung aus der Untersuchungshaft, wofern die Verhaftung des Angeschuldigten lediglich wegen des Verdachts der Flucht angeordnet ist. (Vgl. Deutsche Strafprozeßordnung, § 117 ff.) Verwalter fremden Vermögens, wie Kassenbeamte, Rechnungsführer, Vormünder, Nutznießer u. dgl., sind vielfach zur Sicherheitsleistung verpflichtet.

Kautionsversicherung, s. Kreditversicherung.

Kautionswechsel, s. Depotwechsel.

Kautschuk (Gummi elasticum, Resina elastica), ein im Pflanzenreich weitverbreiteter Stoff, welcher aus mehreren Pflanzen, die den Familien der Apocyneen, Artokarpeen und Euphorbiaceen angehören, gewonnen wird. Diese finden sich in Zentral- und dem größten Teil von Südamerika, in fast ganz Afrika, Arabien, den beiden Indien, auf dem Indischen Archipel und der nördlichen Hälfte von Australien; sie gedeihen nur in Ländern, deren Temperatur sich zwischen 33 und 42° bewegt, und in denen die jährliche Regenmenge durchschnittlich 69'' beträgt. Aus der Familie der Apocyneen sind die wichtigsten Kautschukpflanzen: Urceola elastica auf Borneo und Sumatra, Vahea gummifera auf Madagaskar, Hancornia speciosa in Brasilien, mehrere Landolfia-Arten in Afrika und Willughbeia-Arten auf Borneo, in Hinterindien etc.; aus der Familie der Artokarpeen: Ficus elastica in Birma, auf Java, Madagaskar etc. und andre Ficus-Arten, Cecropia peltata in Südamerika, Castilloa elastica in Mexiko und Südamerika; aus der Familie der Euphorbiaceen: Siphonia elastica (Hevea guyanensis) in Südamerika und andre Siphonia-Arten. Mehrere Arten dieser Kautschukbäume hat man bereits mit Erfolg kultiviert.

Zur Gewinnung des Kautschuks werden die Stämme der Bäume angeschnitten oder angebohrt;