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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Kazwin; Kéa; Kean; Kearsley; Keats; Kebab; Kebes

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Kazwin - Kebes.

und Redner große Popularität. Zum Mitglied der Akademie erwählt, führte er sich mit einer Übersetzung und Einleitung des Werkes von M. Galeotti über König Matthias Corvinus ein. Auch übersetzte er mehrere Lustspiele Molières in musterhafter Weise. Er starb 20. April 1864.

Kazwin, Stadt in der pers. Provinz Irak Adschmi, in einer schönen, obstreichen Ebene, an der Straße von Rescht nach Teheran, mit Webereien von Brokat, Samt und groben Baumwollzeugen, Eisenwarenfabrikation, bedeutender Kamel- und Pferdezucht und 40,000 Einw. K. ist Vaterstadt oder Aufenthaltsort vieler Gelehrten und Heiligen.

Kéa (Zia, das alte Keos), Insel im Ägeischen Meer, die nächste an Attika, zum griechischen Nomos der Kykladen gehörig, von fast ovaler Gestalt, umfaßt 103 qkm (1,88 QM.) mit (1879) 4311 Einw. und erreicht im Eliasberg eine Höhe von 568 m. Sie gehört zu den fruchtbarsten Inseln des Archipels, hat viele Quellen und Bäche und zahlreiche Knoppereichen und liefert namentlich Südfrüchte, trefflichen Wein, Honig, Feigen, Valloneen und Seide. Haupterwerbsquelle ist Acker- und Weinbau, der Handel vertreibt besonders Valloneen und Wein. Die einzige Stadt, K., auf der Stelle der alten Stadt Julis erbaut, von der man noch einen aus dem Felsen gehauenen kolossalen Löwen (wahrscheinlich Grabdenkmal) und andre Reste sieht, liegt ungefähr in der Mitte der Insel am Eliasberg, hat enge und steile Straßen, Wein- und Getreidehandel und (1879) 4295 Einw. Nordwestlich davon liegt der beste Hafen und gewöhnliche Landungsplatz der Insel (Limani).

Kean (spr. kihn), 1) Edmund, berühmter engl. Schauspieler, geb. 4. Nov. 1787 zu London, Sohn von Miß Carey und Aaron K., trat früh in Kinderrollen auf, ging dann als Kajüttenjunge nach Madeira, kehrte nach London zurück und war bis Ende des Jahrs 1813 bei umherziehenden Truppen in der Provinz engagiert. Erst als es ihm gelang, 1814 am Drurylanetheater in London als Shylock, Richard III., Othello, Macbeth, Hamlet und Jago aufzutreten, erwarb er sich rasch einen großen Ruf. Auch in Schottland, Irland und (1820-21) in Nordamerika gab er mit ungeheuerm Erfolg Gastrollen. Bei einer zweiten Anwesenheit daselbst (1825-26) wurde er weniger günstig aufgenommen, dagegen in Paris (1818 und 1828) mit Ehren überhäuft. Durch unordentliche Lebensweise körperlich und geistig zerrüttet, starb er in Richmond, wo er zuletzt als Direktor gelebt, 15. Mai 1833. Pathos, Kraft und die Fähigkeit, Schrecken zu erregen, besaß K. im höchsten Grad; nur war seine Darstellungsweise oft zu abgerissen und hob nicht selten statt des ganzen Charakters nur die grellsten Punkte desselben hervor. Alex. Dumas hat Keans Schicksale dramatisch behandelt. Vgl. Hawkins, Life of E. K. (Lond. 1869, 2 Bde.).

2) Charles, Sohn des vorigen und ebenfalls gefeierter Schauspieler, geb. 18. Jan. 1811 zu Waterford in Irland, studierte zu Eton und debütirte 1827 im Drurylanetheater, doch ohne Erfolg. Er versuchte darauf sein Glück auf Provinzialbühnen, vermochte sich aber nur allmählich den Beifall des Publikums zu erringen. Leichter gelang ihm dies während eines dreijährigen Aufenthalts (1830-33) in den Vereinigten Staaten, wohin er in der Folge auch 1839 und 1846 ging. 1833 hatte er ein Engagement am Coventgardentheater in London angenommen und ward nun in wenigen Jahren der gefeiertste Shakespeare-Darsteller. Hamlet war seine Hauptrolle. 1850-59 war er Direktor des Princeßtheaters, zugleich erster Acteur; 1861 ging er abermals nach Amerika, unternahm 1863 eine Kunstreise nach Australien und gastierte 1866 in Kalifornien. Er starb 22. Jan. 1868 in Liverpool. Vgl. Cole, Life and theatrical times of Charles K. (2. Aufl., Lond. 1860, 2 Bde.). - Seine Gattin Ellen, geborne Tree, geb. 1805, war gleichfalls eine hervorragende Schauspielerin. Sie betrat die Bühne zuerst als Olivia im Coventgardentheater zu London, war später ein gefeiertes Mitglied des Drurylanetheaters daselbst, gastierte 1836-39 in Amerika und verheiratete sich 1842 mit K., nach dessen Tod sie die Bühne verließ. Sie starb 21. Aug. 1880 in London.

Kearsley (spr. kérsli), Stadt in Lancashire (England), am Irwell und Tonge, dicht bei Farnworth, mit Fabrikation von Papier und Baumwollwaren und (1881) 7253 Einw.

Keats (spr. kihts), John, engl. Dichter, geb. 29. Okt. 1795 zu London als Sohn eines Lohnkutschers, erhielt einigen klassischen Unterricht und kam dann zu einem Chirurgen in die Lehre, bei dem er jedoch nicht lange blieb, da eine kleine Erbschaft ihm ein unabhängiges Leben sicherte. 1817 veröffentlichte er seine Jugendgedichte und gleich darauf die Romanze "Endymion" (1818), fand aber an W. Croker einen so gehässigen Rezensenten im "Quarterly Review", daß der reizbare Jüngling in die äußerste Aufregung geriet und die Anlage zur Auszehrung, die er lange in sich trug, sich rasch und zerstörend entwickelte. Heilung suchend, begab er sich nach Italien, wo er 27. Febr. 1821 in Rom starb. Ein weiterer Band Dichtungen, enthaltend: "Lamia", "Isabella", "The eve of St. Agnes", "Hyperion" und "Miscellaneous poems", war 1820 erschienen. K. besaß ein reiches und schönes Talent, war voll tiefer und zarter Empfindung, schöpferischer Phantasie und Gedankenfülle. In seiner Vorliebe für die Poesie des Zeitalters der Königin Elisabeth huldigte er jedoch einer veralteten Versifikation; auch ließ er sich zu sehr von der Macht des Reims und Tons bestimmen. Shelley, dem K. geistesverwandt, widmete seinem Andenken das Gedicht "Adonais". Sein Leben beschrieben R. Monckton Milnes ("Life, letters and literary remains of J. K.", Lond. 1848, 2 Bde.), Lord Houghton (neue Ausg., das. 1867) und Colvin (das. 1885). Neue Ausgaben seiner Werke besorgten unter andern Lord Houghton (1869), Forman (1883, 4 Bde.) und Palgrave (1885). Forman veröffentlichte auch K.' Briefe an Fanny Browne, zu welcher der junge Dichter eine heftige, aber unerwiderte Neigung gefaßt hatte (Lond. 1878). Vgl. die Charakteristiken K.' von J. R. ^[James Russell] Lowell ("Among my books", Bost. 1876) und Owen (Lond. 1880).

Kebab, türk. Lammbraten mit Zwiebeln, Pfeffer und Reis. Eine Varietät ist der Schisch-K., der in kleinen Stücken mit Salz und Pfeffer gerieben, auf kleinen Spießen über glühenden Kohlen gebraten wird.

Kebes, ein Thebaner, Schüler des Sokrates, angeblicher Verfasser dreier philosophischer Dialoge im Sokratischen Geist, von welchen jedoch nur einer: "Pinax" ("Gemälde"), als dessen Verfasser aber auch ein gleichnamiger Stoiker (unter Mark Aurel) gilt, sich erhalten hat. Das Werkchen schildert den Zustand der Seelen vor ihrer Vereinigung mit dem Leibe, die Charaktere und Schicksale der Menschen während ihres Lebens und den Ausgang des Menschen aus der Welt und betrachtet das Bewußtsein der Tugendhaftigkeit als einzige wahre Glückseligkeit. Herausgegeben wurde es von Thieme (Berl. 1810, neue Ausg. 1850) und Drosihn (Leipz. 1871), übersetzt von Pfaff (Stuttg.