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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Keller

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Keller (Personenname).

1831 Präsident des Obergerichts und Mitglied des Erziehungsrats. 1830 in den Großen Rat gewählt, war er 1832 und 1834 dessen Präsident. Zu wiederholten Malen vertrat K. seinen Kanton auf der eidgenössischen Tagsatzung und beteiligte sich in dieser Eigenschaft wesentlich an den Arbeiten für die Bundesreform (1833) und das Militärstraf- und Prozeßgesetzbuch (1837). In Anerkennung der letztern Arbeit wurde er zum Obersten und Chef des eidgenössischen Justizstabs ernannt. 1843 ging er als Professor der Rechte nach Halle, 1847 in gleicher Eigenschaft als Puchtas Nachfolger nach Berlin, wo er 11. Sept. 1860 starb. Früher der liberalen Richtung zugethan, huldigte er später dem entschiedensten Konservativismus und war als Mitglied der preußischen Zweiten Kammer sowie des Erfurter Parlaments ein Hauptwortführer der reaktionären Partei. Nach seiner Erhebung in den Adelstand ward er ins Herrenhaus berufen. Ein bleibendes Verdienst erwarb er sich durch Entwickelung und Neubelebung des römischen Prozeßrechts. Hierher gehören seine Werke: "Über Litiskontestation und Urteil" (Zürich 1827) und "Der römische Zivilprozeß und die Aktionen" (Leipz. 1852, 6. Aufl. von A. Wach 1883). Als tüchtigen Philologen bekunden ihn seine "Semestria ad M. T. Ciceronem" (Zürich 1842-51, Bd. 1). Noch schrieb er: "Monatschronik der Züricher Rechtspflege" (Zürich 1833-38, 12 Bde.) und "Die Baseler Teilungssache" (das. 1833). Seine Vorlesungen über Pandekten gab Friedberg (Leipz. 1861) und in 2. Auflage Lewis (das. 1867, 2 Bde.) heraus.

3) Ferdinand, Altertumsforscher, geb. 24. Dez. 1800 im Schloß zu Marthalen (Zürich), studierte in Zürich und ging nach Beendigung der philologischen und theologischen Studien 1825 nach Lausanne und 1826 nach Paris, um Naturwissenschaft zu studieren. Dann lebte er vier Jahre als Erzieher in England und kehrte 1831 nach Zürich zurück. Hier wurde er Lehrer an dem neugegründeten technischen Institut und Aktuar der Naturforschenden Gesellschaft. Als solcher veröffentlichte er mehrere Arbeiten über die Karrenfelder, die Eishöhlen und Windlöcher in den Alpen, die Tieferlegung des Lungernsees etc. Die Entdeckung und Untersuchung der Grabhügel im Burghölzli, Denkmäler, welche bis dahin in der Schweiz unbeachtet geblieben waren, führten zur Gründung der Antiquarischen Gesellschaft, deren Förderung K. als seine Lebensaufgabe betrachtete, und des Museums, welches unter Kellers Leitung in kurzer Zeit zu großer Bedeutung heranwuchs. Er erforschte die Trümmerstätten römischer Gebäude in allen Teilen der Schweiz und bemühte sich, eine Übersicht der keltischen und alemannischen Altertümer des Landes zu gewinnen. Im Winter 1853/54 entdeckte K. zu Obermeilen am Züricher See den ersten Pfahlbau, bereiste, da bald darauf auch am Bieler See ähnliches beobachtet wurde, alle bisher vermuteten oder bekannt gewordenen Seestationen und publizierte dann seinen ersten Bericht, der in alle neuern Sprachen übersetzt wurde. Später folgten noch sieben Berichte über Pfahlbauten. In den "Mitteilungen der Antiquarischen Gesellschaft" und in dem "Historischen und antiquarischen Anzeiger" publizierte K. eine Reihe von neuen Erscheinungen und Thatsachen und trug dadurch nicht wenig zur Belebung des Interesses für historische und archäologische Fragen der verschiedensten Epochen bei. K. führte 40 Jahre hindurch, bis 1871, das Präsidium der Antiquarischen Gesellschaft. Als Ehrenpräsident derselben starb er 21. Juli 1881 in Zürich. Er publizierte noch: "Bauriß des Klosters St. Gallen vom Jahr 820" (Zürich 1844) und eine archäologische Karte der Ostschweiz (das. 1874). Vgl. Meyer v. Knonau, Lebensabriß von F. K. (Zürich 1882).

4) Joseph, Ingenieur und Reisender, geb. 20. Febr. 1804 zu Gerlachsheim im Tauberthal, machte seine technischen Studien in Karlsruhe und Wien, wurde 1839 zum Vorstand der Wasser- und Straßenbauinspektion in Mannheim ernannt und 1841 nach Karlsruhe versetzt. 1855 folgte er einem Ruf zur Leitung von Straßenbauten in Brasilien. Nach Vollendung der ersten Normalstraße durch dieses Land führte er sechs Reisen in das Innere desselben aus. 1869 kehrte K. nach Karlsruhe zurück, wo er in Ölbildern und Aquarellen verschiedenen Genres ein reiches Talent bekundete. Er starb 31. Aug. 1877.

5) Augustin, schweizer. Staatsmann, geb. 11. Nov. 1805 zu Sarmenstorf im Kanton Aargau, wurde für den geistlichen Stand erzogen, widmete sich aber 1826-30 zu München, Breslau und Berlin dem Studium der Philologie und Philosophie und gehörte der deutschen Burschenschaft an, wurde 1831 Professor am Gymnasium in Luzern, 1834 Direktor des aargauischen Lehrerseminars in Wettingen. Außerdem war er Mitglied des Großen Rats und wiederholt Tagsatzungsgesandter seines Kantons und that sich durch die energische Bekämpfung der Jesuiten und des Ultramontanismus hervor. Auf seinen Antrag wurden nach heftigem Widerstand 1841 die Mannsklöster im Aargau aufgehoben, er stellte auch 1844 bei der Tagsatzung den Antrag auf Ausweisung der Jesuiten, der jedoch erst 1847 durchging. 1856 wurde er in den aargauischen Regierungsrat gewählt und versah das Amt eines Erziehungsdirektors und Präsidenten des katholischen Kirchenrats. Gleichzeitig vertrat er seinen Kanton zuerst im Ständerat (1848/49), dann im Nationalrat (1854-66), seit 1866 wieder im Ständerat und war wiederholt Vorsitzender der einen wie der andern Versammlung. 1869 eröffnete er den Kampf der Baseler Diözesanstände gegen den Bischof Lachat durch sein Buch über die am Priesterseminar Solothurn eingeführte Moraltheologie des Paters Gury (2. Aufl., Aarau 1870), stellte sich 1870 an die Spitze der altkatholischen Bewegung in der Schweiz und wurde 1875 Präsident des Synodalrats der schweizerischen christkatholischen Kirche. Er starb, nachdem er sich 1881 von allen Ämtern zurückgezogen, 8. Jan. 1883 in Lenzburg. Vgl. Hunziker, A. K., ein Lebensbild (Aarau 1883); Herzog, Aphorismen aus A. Kellers pädagogischen Schriften (das. 1883).

6) Joseph, Kupferstecher, geb. 31. März 1811 zu Linz am Rhein, ging nach Bonn in die Schulgen-Bettendorfsche Kupferdruckerei und 1835 nach Düsseldorf, wo sich besonders Jul. Hübner seiner annahm, unter dessen Beirat er einen Stich nach Hübners Rasendem Roland ausführte. Nach dem Tode Thelotts wurde K. 1839 zuerst provisorisch als Lehrer der Kupferstecherkunst an der Kunstakademie zu Düsseldorf angestellt; 1846 wurde er Professor und bildete eine Anzahl Schüler. 1841 erhielt er vom Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen den Auftrag, Raffaels Disputa zu stechen, und ging noch in demselben Jahr nach Rom, um dort eine große Zeichnung nach Raffaels Fresko zu fertigen. 1844 nach Düsseldorf zurückgekehrt, begann er, nach Vollendung eines großen Stichs von Raffaels heiliger Dreifaltigkeit in Perugia, seine Arbeit, neben welcher jedoch noch eine Reihe größerer und kleinerer Platten, so eine Himmelskönigin nach Deger, eine Mater dolorosa nach demselben, der Heiland im Grab nach Ary Scheffer u. a.,