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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Kellermeister; Kellerschnecke; Kellertuch; Kellerwald; Kellerwechsel; Kellerwirtschaft; Kellett; Kellgren

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Kellermeister - Kellgren.

1752 in ein französisches Husarenregiment, machte als Unteroffizier mehrere Feldzüge im Siebenjährigen Krieg mit und hatte 1788 bereits den Rang eines Generalmajors (Maréchal de Camp). Der Revolution schloß er sich entschieden an und erhielt 1792 an Luckners Stelle das Kommando über die Moselarmee. Vor den Preußen zog er sich bis zu den Argonnen zurück, vereinigte sich 19. Sept. mit Dumouriez und lieferte dem Feind 20. Sept. die berühmte Kanonade von Valmy, die zwar unentschieden blieb; doch traten die Preußen hierauf ihren Rückzug aus der Champagne an, und Napoleon I. ernannte daher K. später (1804) zum Herzog von Valmy. Nach Beendigung des Feldzugs ward er unter Custines Befehl gestellt und, von demselben angeklagt, die Belagerung von Lyon nicht energisch genug betrieben zu haben, 1793 ins Gefängnis geworfen. Der Sturz Robespierres 27. Juli 1794 hatte jedoch seine Befreiung und Ernennung zum Oberbefehlshaber der Alpenarmee zur Folge, in welcher Stellung K. aber wenig Gelegenheit fand, sich auszuzeichnen. 1797 erhielt er den Befehl, die Gendarmerie zu organisieren, und wurde 1801 zum Offizier der Ehrenlegion und 1803 zum Präsidenten derselben ernannt. Die ruhmvolle Waffenthat seines Sohns (s. Kellermann 2) bei Marengo befestigte auch den Vater immer mehr in der Gunst des Ersten Konsuls, der ihm den Titel Reichsmarschall und die Senatorenwürde verlieh. Während des Feldzugs von 1806 organisierte K. die Nationalgarden am Oberrhein und befehligte 1809 ein Observationskorps an der Elbe. Nach der Schlacht bei Hanau (1813) erhielt er das Kommando über die bei Metz vereinigten Reservetruppen. 1814 schloß er sich Ludwig XVIII. an. Dieser ernannte ihn zum Kommissar für die Militärdivision Metz, dann zum Großkreuz des Ludwigsordens und Pair des Reichs, welche Würde K., da er während der Hundert Tage kein öffentliches Amt bekleidete, auch nach der zweiten Restauration behielt. Er starb 12. Sept. 1820. Seinem Willen gemäß wurde sein Herz unter dem ihm auf dem Schlachtfeld von Valmy errichteten Denkmal beigesetzt.

2) François Etienne, Herzog von Valmy, franz. General, Sohn des vorigen, geb. 4. Aug. 1770 zu Metz, nahm unter seinem Vater an den ersten Feldzügen des Revolutionskriegs teil und stand 1796 als Generaladjutant bei der Armee Bonapartes, wo er sich namentlich beim Überschreiten des Tagliamento durch seinen entschlossenen Angriff auf die österreichische Kavallerie auszeichnete. Als Brigadegeneral entschied er 1800 die Schlacht bei Marengo, indem er mit seiner schweren Kavalleriebrigade der auf der Straße von Alessandria vorrückenden österreichischen Grenadierkolonne plötzlich und so ungestüm in die Flanke fiel, daß dieselbe gesprengt wurde; er ward hierfür zum Divisionsgeneral ernannt. Mit gleicher Auszeichnung focht er bei Austerlitz und in Spanien. 1813 nach Sachsen berufen, nahm er an der Schlacht bei Bautzen rühmlichen Anteil. Ludwig XVIII. ernannte ihn 1814 zum Generalinspekteur der in Lunéville und Nancy stehenden Kavallerie. Bei Napoleons Rückkehr von Elba wurde K. Pair von Frankreich, focht bei Ligny und Belle-Alliance, verlor aber nach der zweiten Restauration die Pairswürde und wurde zur Disposition gestellt. Nach Karls X. Thronbesteigung als Pair rehabilitiert, stimmte er nach der Julirevolution, die er mit Enthusiasmus begrüßte, im Prozeß der gestürzten Minister für deren Tod. Er starb 2. Juni 1835.

3) François Christophe Edouard, Herzog von Valmy, franz. Staatsmann, Sohn des vorigen, geb. 16. April 1802 zu Paris, betrat während der Restauration die diplomatische Laufbahn. Den Bourbonen stets sehr ergeben, trat er 1833 aus dem Staatsdienst und galt seitdem für eine Hauptstütze der legitimistischen Partei in der Presse sowohl als in der Kammer, in welche er 1842 vom Departement Toulouse gewählt wurde. 1848 zog er sich ganz vom politischen Leben zurück und starb 2. Okt. 1868 in Passy. K. schrieb: "De la force du droit et du droit de la force" (1850), "Histoire de la campagne de 1800" (1854, nach Papieren seines Vaters), "Le génie des peuples dans les arts" (1867) und einige politische Broschüren.

Kellermeister, der Hausbeamte, welchem die Fürsorge für den Wein und Weinkeller obliegt. Früher eine Hofcharge bei den Königen von Frankreich (officier du gobelet).

Kellerschnecke, s. Ackerschnecke.

Kellertuch, s. Schimmel.

Kellerwald, s. Haina.

Kellerwechsel (Reitwechsel), Bezeichnung für einen Wechsel, auf dem eine Unterschrift gefälscht ist. Namentlich nennt man so den Wechsel, auf welchen das angebliche Accept einer Person oder Firma gesetzt ist, welche gar nicht existiert; auch bezeichnet man damit einen Wechsel, der auf eine Person oder Firma gezogen ist, die nicht existiert oder die insolvent ist. Derartige Manipulationen (Wechselreitereien), welche zuweilen vorgenommen werden, um augenblicklich Geld zu beschaffen, indem der K. weiter begeben wird, bis er mit Protest zurückkommt, werden unter Umständen als Fälschung oder als Betrug bestraft. Vgl. Schneider, Der K. und seine Fabrikanten (Berl. 1876).

Kellerwirtschaft, die Behandlung des Weins im Keller; Schankwirtschaft in den Räumen eines Kellers; in Bayern Bezeichnung der mit den außerhalb der Stadt belegenen großen Bierkellern der Brauereien verbundenen Schankwirtschaften. Im Sommer werden daselbst große Volks- und Bierfeste (Kellerfeste) gefeiert.

Kellett, Sir Henry, ein um die Geographie hochverdienter engl. Seemann, geb. 1806, trat mit 14 Jahren in die Marine, beteiligte sich bei den Nachforschungen nach Sir John Franklin und entdeckte dabei 1849 von der Beringsstraße aus die Heraldinsel (Wrangell-Land); 1852 machte er Belchers arktische Expedition mit und nahm Mac Clure und seine Mannschaft vom Investigator auf. 1854 ging er als Kommodore nach Westindien, 1864 nach Malta, 1869 als Kommandant der englischen Flottenstation nach China. Er starb als Vizeadmiral 1. März 1875 zu Clanocody House in der Grafschaft Tipperary.

Kellgren, Johan Henrik, schwed. Dichter, geb. 1. Dez. 1751 zu Floby in Westgotland, studierte zu Abo, lebte einige Zeit daselbst als Privatlehrer, ward 1774 Dozent der Ästhetik, ging später als Hauslehrer nach Stockholm und verband sich 1778 mit Lenngren zur Herausgabe der Zeitschrift "Stockholmsposten", die beim Publikum bald zu großem Ansehen gelangte. Gustav III. ernannte ihn 1780 zu seinem Hausbibliothekar, 1785 zu seinem Privatsekretär und ein Jahr später, bei der Stiftung der schwedischen Akademie, zu deren Mitglied. Doch starb K. bereits 20. April 1795. Er übte namentlich als Kunstkritiker einen großen Einfluß auf die schwedische Litteratur aus, anfangs nach den Regeln des französischen Geschmacks, später einer freiern Richtung huldigend. Als Dichter war K. vorzugsweise Lyriker; minder bedeutend erscheint er in seinen Dramen ("Gustav Wasa", "Ebba Brahe", "Aeneas"), in denen ohnehin nur die