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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Kerguelen-Trémarec; Kerim Pascha; Kerinthos; Kerka; Kerkápoly; Kerkena; Kerkopen; Kerkuk; Kerkyon; Kerkyra; Kerl

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Kerguelen-Trémarec - Kerl.

Geflügelte Insekten fehlen, daher vollzieht sich die Befruchtung der Kruciferen durch den Wind. Das Klima ist ein höchst rauhes und nebeliges, da K. noch innerhalb der Zone des südlichen Treibeises liegt. Entdeckt wurde die Insel 1772 von dem französischen Seefahrer Kerguelen-Trémarec (s. d.); Rosnevet nahm sie 1774 für Frankreich in Besitz. 1776 nahm Cook einen Teil derselben auf und nannte sie Desolationland; nähere Erforschungen stellten 1799 Rhodes und namentlich 1840 der jüngere Roß an, bei welchem sich der Botaniker Hooker befand. Erst 1874 wurde von der englischen Fregatte Challenger das südliche Kap (Kap Challenger) umsegelt. In demselben Jahr machten die deutschen Schiffe Arcona und Gazelle hier Beobachtungen; das letztere brachte die deutsche Expedition zur Beobachtung des Venusdurchgangs zum Betsy Cove an der Nordküste, während eine englische und eine amerikanische sich im Royal Sound stationierten.

Kerguelen-Trémarec (spr. kerghlen-tremareck), Yves Joseph de, franz. Seemann, geb. 1745 zu Quimper in der Bretagne, trat in französische Seedienste, segelte 1771 nach Ostindien, um den von Grenier vorgeschlagenen kürzern Weg dahin zu prüfen, und entdeckte auf der Rückfahrt 12. Febr. 1772 die nach ihm benannte Insel Kerguelenland (s. d.), die er für Frankreich in Besitz nahm. Zum Kapitän ernannt, erhielt er darauf den Auftrag zu neuen Entdeckungsreisen, doch nötigten ihn Sturm und Mangel bald zur Rückkehr. Angeklagt, einen Teil seiner Mannschaft an einer wüsten Küste im Stiche gelassen zu haben, ward er zum Verlust seines Ranges und zur Haft in Saumur verurteilt. Später wieder im Dienst und abermals entlassen, starb K. im März 1797 in Paris. Er schrieb: "Relation d'un voyage dans la mer du Nord en 1767-68" (Amsterd. 1772); "Relation de deux voyages dans les mers australes et des Indes" (Par. 1782); "Relation des combats et des événements de la guerre maritime de 1778" (das. 1796).

Kerim Pascha, s. Abd ul Kerim Pascha.

Kerinthos, Gnostiker, s. Cerinthus.

Kerka (Krka), Fluß in Dalmatien, entspringt am Dinara, fließt in südwestlicher Richtung in einem tief in den Karstboden eingeschnittenen Bett, nimmt die Cikola auf, bildet mehrere Wasserfälle, namentlich bei Kistanje und oberhalb Scardona, fließt dann fast ohne Gefälle weiter und mündet nach 55 km langem Lauf bei Sebenico in das Adriatische Meer.

Kerkápoly, Karl, ungar. Publizist, Redner und Gelehrter, geb. 15. Mai 1824 zu Szentgál im Veszprimer Komitat, studierte in Pápa, Preßburg u. Halle, bis die Ereignisse von 1848 ihn in die Heimat zurückriefen. Hier diente er der Sache des Freiheitskampfes als Nationalgardist und trat nach Beendigung der Revolution die Professur der Philosophie am reformierten Kollegium in Pápa an, die er bis 1865 bekleidete. Inzwischen hatte er 1859 den 1. Band seiner "Világtörténelem" ("Weltgeschichte") veröffentlicht und wurde infolgedessen zum Mitglied der ungarischen Akademie gewählt. Als 1859 das gegen die Autonomie der protestantischen Kirche in Ungarn gerichtete kaiserliche Patent erschien, trat K. mit dem Buch "Protestans egyházalkotmánya" ("Protestantische Kirchenverfassung") dagegen auf. 1863 ordnete er seine philosophischen Schriften, von welchen jedoch nur zwei: "Ismerettan" ("Erkenntnislehre") und "Gondolattan" ("Denklehre"), erschienen. 1865 ward er im Enyinger Bezirk (Veszprim) zum Reichstagsabgeordneten gewählt und zählte zu den eifrigsten und tüchtigsten Mitgliedern der Deákpartei. Er zeichnete sich als bedeutender Redner aus und wurde wegen seiner Thätigkeit und Vielseitigkeit bei den meisten Kommissionsarbeiten in Anspruch genommen. Nach dem Schluß des Reichstags (1868) wurde er zum Staatssekretär im Landesverteidigungsministerium ernannt. 1870 wurde er Finanzminister, nahm aber 1873 seine Entlassung. Seit 1874 bekleidet K. die Professur der Staatswissenschaften an der Pester Universität.

Kerkena (Karlenah), zu Tunis gehörige Inselgruppe, im Golf von Gabes (Kleine Syrte), östlich von Sfax, besteht aus den Inseln Charki und Gharbe und einigen kleinern und wird von 3000 Fischern und Ackerbauern bewohnt.

Kerkopen, in der Heraklessage diebische Kobolde, die den Wanderern auflauerten. Meist werden ihrer zwei genannt und an den Thermopylen lokalisiert. Sie verachteten die Warnung ihrer Mutter Theia, sich vor dem Mann "mit dem schwarzen Hintern" zu hüten, und wurden daher von Herakles, der als solcher kam, überwältigt, aber wieder laufen gelassen. Schon ein Homerisches nach ihnen genanntes Scherzgedicht hatte von diesen Vagabunden gesungen, und ein Relief des ältesten Tempels von Selinunt zeigt sie von Herakles an der Keule aufgehängt und getragen. Aus Kleinasien, wo wirkliche Individuen dieser Art auf den großen Märkten zu finden waren, wurden sie nach Athen auf die Bühne verpflanzt und dort zu humoristischen Typen verschmitzter Diebe, wie die griechische Komödie sie liebte. Die K. gehören recht eigentlich zur Märchenpoesie der Griechen. Vgl. O. Müller, Dorier (Bd. 1, S. 457 ff.). Auch eine langgeschwänzte Affenart hieß K.

Kerkuk, Hauptstadt eines Liwas im türk. Wilajet Mosul, südöstlich von Mosul, um einen künstlichen Hügel herumgebaut, der ehedem ein jetzt zu einem eignen Stadtteil umgebautes Schloß trug, und auf dem eine Moschee (früher christliche Kirche) steht mit dem vermeintlichen Grab des Propheten Daniel, zu dem die Juden am Pfingstfest wallfahrten, hat etwa 15,000 Einw. (mohammedanische Kurden) und ist Hauptmarkt für die Erzeugnisse des südlichen Kurdistan. In der Nähe starke Naphthaquellen.

Kerkyon, nach griech. Sage Sohn des Poseidon, ein Unhold, der bei Eleusis hauste und alle Vorüberziehenden zwang, mit ihm zu ringen. Der junge Theseus (s. d.) überwand und tötete ihn und setzte seinen Enkel Hippothoon in die Herrschaft von Eleusis ein.

Kerkyra, Insel, s. Korfu.

Kerl, Georg Heinrich Bruno, Metallurg und Technolog, geb. 24. März 1824 zu St. Andreasberg auf dem Oberharz, besuchte 1840-43 die Bergschule in Klausthal, studierte seit 1844 in Göttingen Chemie, Mineralogie und Technologie, wurde 1846 nach kurzer Thätigkeit als Hütteneleve auf der Ockerhütte bei Goslar Dozent für Chemie, Metall- und Eisenhüttenkunde und Probierkunst in Klausthal, 1851 Vizehüttenmeister und Hilfsarbeiter bei dem Berg- und Forstamt daselbst und 1853 Hüttenmeister. 1858 zum Bergamtsassessor und 1862 zum Professor ernannt, folgte er 1867 einem Ruf als Dozent an die königliche Bergakademie zu Berlin. Seit 1868 ist er zugleich Mitglied der königlichen technischen Deputation für Gewerbe und seit 1877 des Patentamtes. K. schrieb: "Der Oberharz, ein Wegweiser zum Besuch der Oberharzer Gruben etc." (Klausth. 1852); "Der Kommunion-Unterharz, ein Leitfaden für den Besuch des Rammelsbergs etc." (Freiberg 1853); "Anleitung zum Studium der Harzer Hüttenprozesse etc."