Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Kieferhöhle - Kiel.

und vielfach in der Form den letztern, im Gebrauch den erstern nahekommen. Der gewöhnliche Flußkrebs (Astacus fluviatilis) z. B. hat außer seinen drei Paar Kiefern noch ebenso viele Paar K.

Kieferhöhle, s. Schädel.

Kiefernadelbad (Fichtennadelb.), s. Bad, S. 221.

Kiefernadelöl, s. v. w. Fichtennadelöl.

Kiefernblasenrost, s. Rostpilze.

Kieferndrehrost, s. Rostpilze.

Kieferneule, s. Eulen, S. 908.

Kiefernkammhornwespe, s. Blattwespen.

Kiefernklemme, eine durch geschwürige Prozesse oder Narbenbildung bewirkte Verkürzung der Backen oder eine Verwachsung der Backenschleimhaut mit dem Zahnfleisch, verursacht eine Beeinträchtigung der Fähigkeit, den Mund zu öffnen, so daß mitunter nur noch durch eine Zahnlücke Nahrung aufgenommen werden kann. Das Übel ist nur aus operativem Weg und auch so nicht immer mit dauerndem Erfolg zu beseitigen.

Kiefernkrebs, s. Rostpilze.

Kiefernmarkkäfer, s. Borkenkäfer.

Kiefernmotte, s. Zünsler.

Kiefernpapagei, s. Kreuzschnabel.

Kiefernraude, s. Rostpilze.

Kiefernraupe, die Raupe der Kieferneule, s. Eulen, S. 908.

Kiefernrüsselkäfer, s. Rüsselkäfer.

Kiefernschwamm, s. Trametes.

Kiefernschwärmer (Föhren-, Fichtenschwärmer, Fichtenmotte, Tannenpfeil, Sphinx pinastri L.), Schmetterling aus der Familie der Schwärmer (Sphingidae), 7 cm breit, bräunlichgrau mit dunklerer Schattierung, die Vorderflügel mit einigen schwarzen Längsstrahlen, am Leib mit weißen und schwarzen Ringen; sehr verbreitet. Das Weibchen setzt die bleichgrünen Eier zu je 10-15 Stück an die Nadeln der Kiefer, selten der Fichte und Weimutskiefer, ab; nach 10-14 Tagen kriechen die Raupen aus, welche sich von den Nadeln der Kiefer nähren; sie sind bräunlichgrün, mit 5 gelben Längsstreifen, in der Mitte rötlichbraunem Rückenstreifen, schwarz umrandeten roten Luftlöchern und bräunlichschwarzem Horn. Beim Berühren schlägt die Raupe heftig um sich und erbricht eine braune Flüssigkeit. Sie lebt meist in den Gipfeln der Bäume, verpuppt sich im September in der Erde oder im Moos, und aus der schwarzen Puppe schlüpft im Mai und Juni der Schmetterling aus. Bisweilen erscheinen die Raupen in verderblicher Menge. S. Tafel "Schmetterlinge I".

Kiefernspanner, s. Spanner.

Kiefernspinner (Fichtenspinner, Gastropacha [Lasiocampa] pini L.), Schmetterling aus der Familie der Spinner (Bombycidae) und der Gattung Glucke (s. d.), 6 cm (das Weibchen bis 8,4 cm) breit, grau oder braun, sehr veränderlich, aber stets mit weißem Halbmondfleckchen auf dem Vorderflügel und unregelmäßiger, rotbrauner Querbinde hinter demselben, findet sich in fast ganz Europa und bis zum Altai, fehlt im nordwestlichen Europa manchen Gegenden ganz, erscheint um Mitte Juli überall, wo Kiefern wachsen, und (besonders das Weibchen) ist sehr träge. Bisweilen unternimmt er weitere Wanderungen. Das Weibchen legt 100-200 blaugrüne, später graue Eier von Größe und Gestalt eines Hanfkorns an den Stamm, die Nadeln oder einen Zweig in kleinern oder größern Partien, bis 50 Stück, besonders an die untern Partien des Holzes. Nach 2-4 Wochen erscheinen die Räupchen, begeben sich alsbald zum Fraß auf die Nadeln und beziehen im Oktober oder November, meist halbwüchsig, Winterlager unter Moos oder Kraut am Fuß der Stämme, wo sie in einer Höhlung uhrfederartig zusammengerollt liegen. Sie sind dunkelbraun, grau oder rötlich mit weißgrau mannigfach wechselnd, stellenweise mit filziger Behaarung und je einem stahlblauen Samtfleck (Spiegel) in den Einschnitten des zweiten und dritten Ringes, auf den übrigen Ringen sind dunkle Flecke angedeutet. Zur Seite der dunkeln Rückenzeichnung, über den Beinen und hinter dem Kopf stehen Warzenreihen mit Schuppen- und Borstenhaaren. Sie erscheinen zeitig wieder im Frühjahr, bei 8° Lufttemperatur, und beginnen im April den Fraß. Eine einzige Raupe verzehrt zur Erlangung der Reife durchschnittlich 1000 Nadeln, und die halbwüchsige Raupe verzehrt eine Nadel, wenn sie sich nicht unterbricht, in 5 Minuten. Im Juni sind die Raupen ausgewachsen und verspinnen sich in der Krone an Nadeln und Zweigen, am Stamm oder an der Erde. Der Kokon ist wattenartig, fest, schmutzigweiß oder graubraun und enthält eine dunkelbraune Puppe, aus welcher nach drei Wochen der Schmetterling ausschlüpft. Eier und Raupen sind den Angriffen der Schlupfwespen stark ausgesetzt, und oft kriechen aus einer einzigen Raupe Hunderte von Schlupfwespenlärvchen hervor, um sich auf der allein noch übrigen Raupenhaut zu verpuppen. Auch ein im Innern der Raupe wuchernder Pilz (Botrytis Bassiana) setzt der übermäßigen Verbreitung Schranken. Der K., welcher hauptsächlich auf ältern Kiefern lebt, gehört zu den schädlichsten Insekten. Besonders gefährdet sind 60-80jährige Bestände, auch jüngere Bäume, welche auf schlechtem Boden kümmerlich gedeihen. Die Raupe frißt die Kiefern ganz kahl und zerstört auch die Spitzknospen, so daß sich der Stamm nicht wieder vollständig erholen kann. Je frischer und besser der Boden, desto seltener ist die Raupe; nach mehreren heißen, trocknen Sommern muß man in großen, reinen Kiefernforsten auf trocknem Sand stets auf das Erscheinen der Raupe vorbereitet sein. Man revidiert zweimal im Jahr, sucht die Raupen im Winterlager (das häufige Anfassen der Raupen erzeugt bisweilen böse Krankheiten an den Fingern), fängt sie durch Anprellen und sammelt auch die Puppen, Schmetterlinge und Eier. Namentlich bei den Raupen überzeugt man sich, ob sie Ichneumone enthalten, und tötet sie in diesem Fall nicht, weil die ausschlüpfenden Ichneumone mehr zur Vertilgung beitragen als die angestrengteste Arbeit. Man sucht die Raupen auch durch Ziehen von Gräben, scharfes Durchforsten der Stangenhölzer und Schonungen und namentlich durch Anbringen eines Teerringes am Stamm zu bekämpfen, hat aber trotz aller Bemühungen immer noch die größten Verluste zu beklagen gehabt. S. Tafel "Waldverderber II".

Kiefernspinnersichelwespe, s. Schlupfwespen.

Kieferstädtel, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Oppeln, Kreis Tost-Gleiwitz, hat ein Schloß, ein Eisenwerk und (1885) 1602 meist kath. Einwohner.

Kieferwurm, s. Neunauge.

Kiekbeere, eine durch die Larve einer Diptere (Hormomyia juniperina L.) veranlaßte fleischige Galle an jungen Zweigspitzen des Wacholders, an denen drei Nadeln sich monströs verbreitern und drei andre ganz kleine Blättchen einschließen.

Kiel, der am Schiffsboden sich entlang streckende Balken, die Grundlage der "auf K. gebauten" Wasserfahrzeuge (s. Schiff). - In der Botanik heißt K. (Carina) ein Teil der Schmetterlingsblüte