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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Kieselschwämme; Kieselsinter; Kieselskelett; Kieseltuff; Kieselzinkerz; Kieser; Kieserit; Kieseritzky; Kiesewetter

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Kieselschwämme - Kiesewetter.

terigem Bruch, ist fast immer von Quarzadern und -Trümern durchzogen. Der K. erscheint namentlich als Lager im Glimmerschiefer, Tonschiefer und in silurischen und devonischen Grauwackeschiefern, im Vogtland, in Thüringen, im Harz etc.

Kieselschwämme, s. Schwämme.

Kieselsinter (Kieseltuff, Sinteropal, Geisirit), ein Absatz von Kieselsäureanhydrid (Opal) aus heißen Quellen, derb, stalaktitisch, traubig, porös, zerfressen, als Überzug von Pflanzen und andern Gegenständen vorkommend, mit flachmuscheligem Bruch, der manchmal uneben oder zartfaserig wird, oft dünnschalig abgesondert, milch-, gräulich-, gelblich-, rötlichweiß, rötlich-, gelblich-, rauchgrau, auch wellenförmig gestreift, wenig glänzend bis matt, durchscheinend bis undurchsichtig. Varietäten sind: der weiße, schwach perlmutterglänzende, wasserfreie, traubige Perlsinter (Fiorit) von Santa Fiora bei Siena und der gemeine K. (Geisirit), wenig wachsglänzend, schimmernd bis matt, wasserhaltig. Ausgedehnt sind seine Ablagerungen durch die intermittierenden heißen Quellen, die sogen. Geiser, auf Island, auf den Azoren, in Kamtschatka, auf Neuseeland, am Yellowstone River im Nationalpark Nordamerikas (vgl. Geiser).

Kieselskelett, der vorwiegend aus Kieselsäure bestehende Rückstand kieselreicher Pflanzen nach Zerstörung aller organischen Substanz, an welchem die Gestalt der Zelle oft in allen Feinheiten der Struktur der Membran noch erkennbar ist, wie an den kieselreichen Epidermiszellen von Equisetum und besonders an den Zellen der Diatomeen, welche als vollständige Kieselpanzer fossil die Kieselgur bilden.

Kieseltuff, s. Kieselsinter.

Kieselzinkerz, s. Galmei.

Kieser, Dietrich Georg, Mediziner, geb. 24. Aug. 1779 zu Harburg, studierte in Göttingen und Würzburg und praktizierte von 1804 bis 1812 in Winsen und Northeim, ward dann Professor der Medizin in Jena, machte 1814 als Feldarzt den Feldzug mit und dirigierte 1815 als Oberarzt im preußischen Dienste die Kriegsspitäler in Lüttich und Versailles. Nach Jena zurückgekehrt, war er 1831-48 Vertreter der Universität am weimarischen Landtag, der ihn 1844-48 zu seinem Vizepräsidenten ernannte, als welcher er auch 1848 dem Frankfurter Vorparlament beiwohnte. Von 1831 bis 1847 dirigierte K. eine medizinisch-chirurgische und ophthalmologische Privatklinik, die er aber, 1846 zum Direktor der großherzoglichen Irren-, Heil- und Pfleganstalt ernannt, 1847 mit einer psychiatrischen Klinik vertauschte. Daneben begründete er auch eine Privatanstalt für Geisteskranke (Sophonisterium) und widmete von dieser Zeit an vorzugsweise den Geisteskrankheiten seine Thätigkeit. Auf diesem Gebiet gewann er große Bedeutung, während seine Neigung zur naturphilosophischen Richtung ihn zu manchen Irrtümern verleitete. Dies gilt besonders von seiner Stellung zum tierischen Magnetismus, dem das Werk "System des Tellurismus oder tierischen Magnetismus" (2. Aufl., Leipz. 1826, 2 Bde.) gewidmet war. Er schrieb: "Grundzüge der Pathologie und Therapie des Menschen" (Jena 1812), vollständiger in seinem "System der Medizin" (Halle 1817-19, 2 Bde.); "Beiträge zur vergleichenden Anatomie" (mit Oken herausgegeben, Bamb. 1806, 2 Hefte); "Aphorismen aus der Physiologie der Pflanzen" (Götting. 1808), die Grundlage der später geltend gewordenen Phytologie; "Elemente der Psychiatrik" (Bonn 1855). 1858 ward er Präsident der Leopoldinisch-Karolinischen Akademie. Er starb 11. Okt. 1862 in Jena. 1842-48 redigierte er die medizinische und naturwissenschaftliche Abteilung der "Neuen Jenaischen allgemeinen Litteraturzeitung".

Kieserit, Mineral aus der Ordnung der Sulfate, kristallisiert monoklinisch, findet sich meist mikrokristallinisch, derb in körnigen bis dichten Aggregaten, er ist farblos, grau, gelblich, schimmernd, durchscheinend, wird an der Luft durch Aufnahme von Wasser trübe, Härte 3, spez. Gew. 2,57, besteht aus schwefelsaurer Magnesia MgSO4+H2O ^[MgSO_{4}+H_{2}O] und enthält etwas Chlormagnesium und Kochsalz eingeschlossen. Er findet sich in den Abraumsalzen von Staßfurt und bildet starke, mit Steinsalz wechselnde Lagen in einer 56 m mächtigen Schicht. Auch im Salzthon zu Hallstatt, bei Kalusz in Galizien und in den Mago Mines im Norden des Pandschab in Ostindien ist er gefunden worden. Die Produktion in Staßfurt betrug 1868: 27,327 Ztr., 1883 ca. 90,000 Ztr. Der K. löst sich langsam, aber vollständig und reichlich in Wasser, und aus dieser Lösung kristallisiert beim Verdampfen Bittersalz MgSO4+7H2O ^[MgSO_{4}+7H_{2}O], von welchem er sich nur durch den Wassergehalt unterscheidet. Mischt man die Kieseritlösung mit einer Lösung von Kochsalz (Chlornatrium), so kristallisiert bei niederer Temperatur schwefelsaures Natron (Glaubersalz), und in der Lösung bleibt Chlormagnesium. Hierauf beruht die Benutzung von K. zur Darstellung von Bittersalz und Glaubersalz. Aus den Rückständen von der Verarbeitung der Abraumsalze auf Chlorkalium wird der K. durch einen Waschprozeß abgeschieden und in konische Formen gefüllt, in welchen er sehr schnell erhärtet, indem die Partikelchen Wasser chemisch binden und durch einen Kristallisationsprozeß zusammenwachsen. Diese Kieseritsteine enthalten etwa 60 Proz. schwefelsaure Magnesia; der Rest besteht aus Wasser (16-26 Proz.), Thon, schwefelsaurem Kalk und wenig Chlornatrium. Sie werden von Bittersalzfabriken, Appreturanstalten und Düngerfabriken benutzt und dienen auch zur Darstellung andrer Schwefelsäuresalze. Rührt man K. mit Ätzkalk und Wasser zu einem Brei an, so erstarrt die Masse und gibt nach starkem Glühen, Pulvern und abermaligem Anrühren mit Wasser eine marmorartige, sehr harte, polierbare Masse, die zur Darstellung von Ornamenten, Wandbekleidungen, Fußbodenplatten etc. empfohlen worden ist.

Kieseritzky, Lionel, Schachspieler, geb. 1. Jan. 1806 in Livland, gest. 1853, spielte nach Saint-Amants Zeiten die Hauptrolle im Pariser Schachzirkel. Von ihm trägt eine vielgespielte Eröffnung den Namen K. Gambit.

Kiesewetter, Raphael Georg, Musikhistoriker, geb. 29. Aug. 1773 zu Holleschau in Mähren, studierte zu Olmütz und Wien die Rechte und erhielt 1794 in der Kriegskanzlei der Reichsarmee unter Erzherzog Karl eine Anstellung. 1804 zum Hofkriegsrat nach Wien versetzt, wurde er 1807 zum Hofrat befördert und später mit dem Prädikat eines "Edlen von Wiesenbrunn" in den Adelstand erhoben. 1845 in den Ruhestand versetzt, siedelte er nach Baden bei Wien über, wo er 1. Jan. 1850 starb. Nachdem K. schon in früher Jugend Gesang und Klavierspiel geübt hatte, widmete er sich später ernsten Musikstudien und beschäftigte sich besonders eifrig mit der Geschichte der Musik. Die Ergebnisse seiner Studien enthalten die Werken "Die Verdienste der Niederländer um die Tonkunst" (Amsterd. 1829, gekrönte Preisschrift); "Geschichte der europäisch-abendländischen Musik" (Leipz. 1834, 2. Aufl. 1846); "Über die Musik der neuern Griechen" (das. 1838, 3 Bde.); "Guido von Arezzo" (das. 1840); "Schicksale u. Beschaffenheit des weltlichen Gesanges