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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Kinkhorn - Kino.

Weise befreit wurde. K. wandte sich zunächst nach London, wohin ihm bald seine Familie nachfolgte, dann im September 1851 zu politischen Zwecken nach Nordamerika, wo er indessen nur kurze Zeit verblieb. Nach London zurückgekehrt, zog er sich mehr und mehr von dem politischen Parteiwesen zurück, nahm 1853 eine Anstellung als Lehrer der deutschen Sprache und Litteratur am Westbourne College an und widmete seine ganze Thätigkeit seinen Vorlesungen über deutsche Litteratur an der London University und in Privatkreisen. Auch seine schriftstellerische Laufbahn nahm er von neuem auf in dem Drama "Nimrod" (Hannov. 1857) und gründete 1859 die deutsche Wochenschrift "Hermann", welche er jedoch nur ein halbes Jahr lang redigierte. Nach dem Tod seiner ersten Gemahlin zum zweitenmal vermählt, schien sich der Dichter ganz in England eingelebt zu haben, als er im April 1866 einen Ruf nach Zürich als Professor der Archäologie und Kunstgeschichte am eidgenössischen Polytechnikum erhielt, dem er Folge leistete. Die neue Thätigkeit belebte sowohl seine kunsthistorischen als seine poetischen Arbeiten. Mit einer Spezialschrift: "Die Brüsseler Rathausbilder des Rogier van der Weyden" (Zürich 1867), kehrte er zur Kunstlitteratur zurück; die er seitdem durch eine Reihe von Abhandlungen, die teilweise unter dem Titel: "Mosaik zur Kunstgeschichte" (Berl. 1876) gesammelt erschienen, "Peter Paul Rubens" (Basel 1874) u. a. bereichert hat. Eine zweite Sammlung seiner "Gedichte" (Stuttg. 1868) brachte auch den vollendeten "Grobschmied von Antwerpen" (4. Aufl. 1887), von dem in der ersten Sammlung nur ein Bruchstück mitgeteilt worden war, und der an frischer Kraft und poetischer Fülle des Ausdrucks "Otto dem Schütz" wohl gleichkam, ohne jedoch so populär zu werden wie das letztere Gedicht. Durch gleich glücklichen Fluß des Vortrags und lebendiges Kolorit ausgezeichnet war auch seine letzte kleine epische Dichtung: "Tanagra, Idyll aus Griechenland" (Braunschw. 1883, 3. Aufl. 1886). Außerdem erschienen: Festreden auf "Friedrich Rückert" (Zürich 1867) u. "Ferdinand Freiligrath, 1867" (Leipz. 1867); "Die christlichen Unterthanen der Türkei" (Basel 1876); "Für die Feuerbestattung" (Berl. 1877). K. starb 13. Nov. 1882 in Zürich. Vgl. Strodtmann, Gottfried K. (Hamb. 1850, 2 Bde.), Henne-Am Rhyn, G. K., ein Lebensbild (Zürich 1883); Ad. Stern, G. K. ("Westermanns Monatshefte", Okt. 1883). -

Sein Sohn Gottfried, geb. 11. Juli 1844 zu Poppelsdorf, Kustos der Kupferstichsammlung in Zürich, machte sich durch eine Reihe kleinerer kultur- und kunstgeschichtlicher Schriften und Vorträge ("Euripides und die bildende Kunst", Berl. 1872; "Kunst und Kultur im alten Italien vor der Herrschaft der Römer", Basel 1878; "Macaulay, sein Leben und Geschichtswerk", Berl. 1879; "Die Kulturzustände der Restaurationsepoche in England", Heidelb. 1882, u. a.) bekannt.

2) Johanna, Schriftstellerin, Gattin des vorigen, geb. 8. Juli 1810 (nicht 1807) zu Bonn, Tochter des Gymnasiallehrers Mockel, heiratete früh den Musikalienhändler Mathieux, den sie jedoch schon nach wenigen Monaten wieder verließ, und lebte seitdem der Ausbildung ihres bedeutenden musikalischen Talents. Um Gottfried K. (s. oben) ihre Hand reichen zu können, trat sie zur protestantischen Kirche über und ward nach erfolgter gerichtlicher Trennung ihrer ersten Ehe 1843 mit jenem getraut. Nach der Befreiung ihres Gatten aus Spandau folgte sie diesem nach London, wo sie 15. Nov. 1858 infolge eines Sturzes aus dem Fenster starb. Johanna K. war eine aus schwärmerischer Empfindung und nüchterner Realität seltsam gemischte Natur, die sich auch in ihren gemeinsam mit K. herausgegebenen "Erzählungen" (Stuttg. 1849, 3. Aufl. 1883) offenbarte. Ihr hinterlassener Roman "Hans Ibeles in London" (Stuttg. 1860, 2 Bde.) weist viel lebendige Erinnerung und scharfe Charakteristik auf. Von ihren musikalischen Kompositionen ist die "Vogelkantate", ein launiges Gesangstück, populär geworden. Praktischen Wert hatten ihre "Acht Briefe über Klavierunterricht" (Stuttg. 1852).

Kinkhorn, s. Tritonshörner.

Kinn (Mentum, Genion), bei den höhern Wirbeltieren der mittlere, rundliche Vorsprung am untern Ende des Gesichts, welcher vielfach (z. B. beim Menschen) nach oben durch eine quer laufende Vertiefung von der Unterlippe getrennt ist.

Kinnaird (spr. kinnährd), Dorf in Stirlingshire (Schottland), am Cannore, Geburtsort des Reisenden Bruce, mit 336 Einw.

Kinnamos (Cinnamus), Johannes, byzant. Geschichtschreiber, geboren um 1145, war Notar am kaiserlichen Hof zu Konstantinopel, begleitete den Kaiser Alexios II. Komnenos auf mehreren Reisen und Feldzügen und beschrieb als Fortsetzung zu dem Werk der Anna Komnena die Geschichte des griechischen Reichs in sechs Büchern, die aber nur bis 1176 reichen. Zum erstenmal erschien sein Werk aus einer vatikanischen Handschrift mit lateinischer Übersetzung etc. (Utrecht 1652), verbessert mit Übersetzung und Kommentar von du Fresne und du Cange (Par. 1670) und zuletzt von Meineke (Bonn 1836). Vgl. Conz, De Liceta et Cinnamo byzant. historicis (Tübing. 1878).

Kinnbacken, s. v. w. Kiefer, s. Schädel.

Kinnbackenkrampf (Mundsperre), s. Starrkrampf.

Kinneh, ägypt. Stadt, s. Kenneh.

Kinnekulle, isolierte, weithin sichtbare Bergkuppe am Wenersee in Schweden, 279 m hoch, 16 km lang und etwa 8 km breit, in Terrassen abfallend. Anbau überzieht ihn an vielen Stellen, und die Vegetation ist auffallend reich; Häuser und Kirchen und zahlreiche Grotten bedecken seine Seiten; der Gipfel gewährt eine prächtige Aussicht. Der K. ist auch geologisch interessant; er besteht aus silurischen Schichten, überdeckt mit Trapp.

Kinnereth, See, s. Genezareth.

Kinnladen, s. v. w. Kiefer, s. Schädel.

Kinnor, althebr. zither- oder harfenartiges Saiteninstrument, das Instrument der Hebräer, welches David zur Beruhigung Sauls spielte.

Kino, eingetrockneter gerbsäurehaltiger Pflanzensaft von verschiedener Abstammung. Das Malabarkino von Pterocarpus Marsupium Roxb. wird auf der Malabarküste durch Einschnitte in die Rinde des Baums gewonnen, fließt als rötlicher Saft aus und erstarrt sehr bald ohne künstliche Wärme; es bildet kleine, glänzende, eckige Stücke von schwärzlicher, ins Rote fallender Farbe, schmeckt adstringierend, dann süßlich, löst sich fast vollständig in heißem Wasser und Alkohol und besteht im wesentlichen aus Kinogerbsäure. Die Lösungen scheiden an der Luft unter Aufnahme von Sauerstoff unlösliches Kinorot ab. Es kommen nur geringe Quantitäten in den Handel; man benutzt es bisweilen als Adstringens, zu Zahnpulvern etc., wahrscheinlich auch bei der Fabrikation von Wein und, wenn es billig genug zu haben ist, in der Gerberei. K. wurde zuerst seit 1733 in Afrika von Pterocarpus erinaceus gewonnen und in den Arzneischatz eingeführt. Schon zu Anfang