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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Kitt

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Kitt.

zusammen, fügt 100 Teile gemahlenen Braunstein und 100 Teile Englischrot hinzu, stößt die Masse 12 Stunden in einem gußeisernen Mörser und fügt allmählich noch 100 Teile Braunstein und 100 Teile Englischrot hinzu. Die Masse muß sich, ohne zu brechen, zwischen den Fingern rollen lassen. Aus gelöschtem Kalk, Roggenmehl und Leinölfirnis erhält man einen K., der für Holzfugen u. dgl. sehr geeignet ist. Der ähnliche Graphitzement besteht aus Graphit, an der Luft zerfallenem gebrannten Kalk, schwefelsaurem Baryt und gekochtem Leinöl. Der Diamantmetallkitt enthält außerdem Bleiglätte und Schlämmkreide. Der Mastixzement wird aus gemahlenem Kalk und Sandstein, Bleiglätte und Leinöl zur Konsistenz von feuchtem Sand angemacht und in Steinfugen etc. gestampft oder in Formen gepreßt. Der Mennigkitt soll durch eine Mischung von 6 Teilen Graphit, 3 Teilen zu Pulver gelöschtem Kalk, 3 Teilen schwefelsaurem Baryt und 3 Teilen gekochtem Leinöl weit übertroffen werden. Glaserkitt besteht aus Schlämmkreide und Leinölfirnis, erstarrt schneller bei Zusatz von etwas Bleiglätte, Zinkweiß oder Mennige.

Harz kitte bestehen aus Harzen, die geschmolzen angewandt werden, oder aus Harzlösungen, die durch Verdunsten des Lösungsmittels erstarren. Sie sind sehr widerstandsfähig gegen Wasser und Säuren, eignen sich besonders zum Kitten von Glas, Porzellan, Thon, Leder, Holz etc., zum Verschließen von Steinfugen, halten aber in der Regel keine große Wärme aus. Um Bernstein und Schildpatt zu kitten, schmelzt man gleiche Teile Mastix und Leinöl zusammen. Ein wasserdichter Leim für Holz auf Holz besteht aus einer dicken Auflösung von Schellack mit Alkohol, mit welcher man beide Flächen bestreicht. Beim Zusammenfügen legt man ein Stückchen von zartem Flor dazwischen. Metall auf Holz kittet man mit einer heißen Mischung von 4 Teilen gelbem Harz, 1 Teil schwarzem Pech, 2 Teilen Wachs und 1 Teil Ziegelmehl. Zur Befestigung von Glas in Metallhülsen dient eine Mischung von 8 Teilen Kolophonium, 2 Teilen weißem Wachs, 4 Teilen Englischrot und 1 Teil venezianischem Terpentin. Schellack, vorsichtig mit seinem gleichen Gewicht Bimssteinpulver oder Kieselgur zusammengeschmolzen, gibt einen trefflichen K. für Glas auf Metall, Metall auf Holz oder Porzellan. Schellack, mit Mastix und etwas Terpentin zusammengeschmolzen, liefert einen guten Glas- und Porzellankitt. Um Messer in den Heften zu befestigen, füllt man letztere mit einem Pulver aus 1 Teil Ziegelmehl und 2 Teilen Kolophonium, erhitzt die Angel der Klinge und stößt sie hinein. Dieser K. ist auch brauchbar, um die Fugen in Holzgefäßen zu verschließen etc. Der Seeleim (Marineleim) wird erhalten, indem man 1 kg Kautschuk in 50 Lit. Schwefelkohlenstoff löst, ein gleiches Gewicht Schellack hinzusetzt und unter Erwärmen die Masse gleichförmig macht. Statt des Schwefelkohlenstoffs kann man auch gereinigtes Steinkohlenteeröl anwenden und davon so viel nehmen, daß der K. flüssig wird. Er dient zum Aneinanderleimen der Hölzer, zum Anbolzen von Zimmerwerk mit Holz oder Eisen, zum Kalfatern der Schiffe, zum Ausfüllen von Rissen und Spalten in Holz, Mauerwerk etc. Mit der flüssigen, auf etwa 140° erhitzten Mischung überstreicht man Metalle, Holz, Leinwand, Taue, Ziegel, Röhren, Papiere etc. Der Seeleim widersteht der Temperatur in allen Jahreszeiten und besitzt eine sehr große Festigkeit.

Leimkitte. Zum Kitten von Holz aus Glas, Metall, Stein etc. mischt man sirupdicke Leimlösung mit so viel Holzasche, daß eine firnisähnliche Masse entsteht, die warm verwendet werden muß. Kocht man 2 Teile Leim mit Wasser zu starker Konsistenz und setzt 1 Teil Leinölfirnis zu, so erhält man eine Masse, die sich zum Verkitten der Fugen in Holzgefäßen und zum Kitten von Metall auf Glas eignet. Um Leder auf Metall zu befestigen, bestreicht man ersteres mit einer heißen Galläpfelabkochung, letzteres mit Leim und drückt beides fest zusammen. Gummikitt aus 4 Teilen arabischem Gummi und 16 Teilen weißem gebrannten Gips eignet sich zum Kitten feiner Porzellanwaren, widersteht aber der Nässe nicht. Zur Darstellung des Diamantkitts löst man 2 Teile Hausenblase in 16 Teilen wässerigem Alkohol, vermischt die heiße Flüssigkeit mit einer Lösung von 1 Teil Mastix in 16 Teilen Alkohol und fügt noch ½ Teil Gummi ammoniacum hinzu. Der Diamantkitt eignet sich zum Kitten von Glas und Porzellan, er haftet nicht auf Metall und widersteht auch der Nässe nicht. Man kann ihn in einer gut verschlossenen Flasche lange aufbewahren und erwärmt ihn bei jedesmaligem Gebrauch. Crystal-Palace-K. wird erhalten, indem man zerschnittene wasserhelle Gelatine mit etwas konzentrierter Essigsäure in einem Porzellanschälchen erwärmt, bis eine dickflüssige, gleichmäßige Masse entstanden ist, die in verschlossenen Gefäßen aufbewahrt und zum Gebrauch jedesmal durch Einstellen des Gefäßes in heißes Wasser geschmolzen werden muß. Man streicht sie dann auf die erwärmte Bruchfläche und läßt diese fest aneinander gedrückt 12-14 Stunden ruhig liegen. Sehr vielseitig verwendbar ist ein K. aus fein gepulverter Bleiglätte und Glycerin. Er erhärtet schnell, wird steinhart und widersteht sehr gut dem Wasser und den Säuren. Man benutzt ihn auf Holz, Glas, Porzellan, Stein und Metall, besonders zum Befestigen von Eisen auf Eisen, Eisen in Stein etc. Ein vielfach brauchbarer Metallkitt wird aus Stärkemehl und Chlorzinklösung erhalten.

Kasein- und Eiweißkitte. Ein zäher Brei aus 4 Teilen altem magern Käse, 1 Teil zu Pulver gelöschtem Kalk und wenig Wasser eignet sich zum Kitten von Porzellan, von Glas auf Metall etc. Eine Lösung von möglichst fettfreiem Käsestoff in dem sechsfachen Gewicht einer konzentrierten Wasserglaslösung liefert ebenfalls guten K. Eine Lösung von gereinigtem, fettfreiem Käsestoff in der doppelten bis vierfachen Menge einer kalt gesättigten Boraxlösung kann statt Klebleim oder Mundleim, überhaupt als Ersatzmittel des Leims in der Kunsttischlerei und Portefeuillefabrikation benutzt werden. Alle diese Kitte widerstehen wenig der Feuchtigkeit und verlieren allmählich durch Zersetzung des Käsestoffs ihre Bindekraft. Zum Verkitten von Destillationsapparaten dient ein K. aus 3 Teilen Leinkuchenmehl, 2 Teilen Roggenmehl und Wasser. Wasserglas (von 30 Proz.) eignet sich recht gut zum Kitten von Porzellan, muß warm aufgetragen werden, widersteht aber nicht der Nässe. Gesprungene Glasflaschen oder irdene Krüge kittet man mit Wasserglas; man erwärmt das Gefäß, verschließt es dann luftdicht, streicht das Wasserglas von außen auf die Risse, läßt erkalten und spült, wenn das Wasserglas nach einigen Tagen getrocknet ist, mit Kalkwasser und dann mit reinem Wasser aus. Eine sehr haltbare Mischung zum Ausfüllen der Fugen und zum Kitten von Stein wird erhalten, wenn man das Wasserglas mit hydraulischem Kalk zum Brei mischt. Die Masse erhärtet sehr schnell und darf deshalb nur in geringen Quantitäten angefertigt wer-^[folgende Seite]