Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Kittel; Kittery; Kittfuchsfelle; Kittlitz; Kittul; Kitzbühel; Kitze

798

Kittel - Kitze.

den. Ein K. aus Wasserglas, Kreide und Zinkstaub haftet sehr fest an Metallen, Stein und Holz. Thonkitte dienen hauptsächlich zum Dichten und Verkitten. Der gewöhnliche Ofenkitt wird aus Lehm und Salzwasser angemacht. Ofenkitt, der keine Sprünge bekommt und nicht aus den Fugen herausfällt, bereitet man aus einem zwei Faust großen Stück nicht zu fetten Lehms, indem man denselben mit einem Bogen grauem, grobem und mit Milch angefeuchtetem Löschpapier gleichmäßig durchknetet, 15 g Kochsalz und 15 g Eisenvitriolpulver hinzusetzt und ihm mit Milch die gehörige Konsistenz gibt. Den Teerthonkitt für Salzsäureapparate in den Sodafabriken erhält man durch Zusammenkneten von dickem Steinkohlenteer mit so viel fein gepulvertem feuerfesten Thon oder Pfeifenthon, als sich einverleiben läßt, und fleißiges Schlagen mit dem Hammer. Er wird mit mäßig erwärmten Eisenstücken in die zu dichtende Fuge eingestemmt, gibt völlig dichte, säurefeste Verbindung und wird mit der Zeit sehr hart. Einen vorzüglichen Zementkitt, der langsam erstarrt, große Härte annimmt und die teuren fetten Kitte ersetzen kann, erhält man aus fein gesiebtem Zement, mit 25 Proz. seinem Ziegelmehl und saurer Milch zu einem zähen Teig angemacht; derselbe eignet sich zum Verkitten der Fugen an Brunnenkasten, zum Verkitten der Steinaufsätze an den Siedekesseln der Seifensieder und Färber etc. Zement haftet auf Holz und Stein besser, wenn dieselben vorher mit etwas verdünnter Wasserglaslösung angestrichen wurden.

Rostkitte. Zum Verkitten von Fugen zwischen Eisen dient eine Mischung von 100 Teilen rostfreien Feil- oder Bohrspänen, welche gepulvert und gesiebt wurden, ¾ Teil Salmiak und ½ Teil Schwefelblumen. Man befeuchtet diese Substanzen mit Essig, knetet und schlägt sie so lange, bis die Masse fest und brüchig geworden ist, bringt diese dann in die rost- und fettfreien Fugen, treibt sie mit Hammer und Stemmeisen gut ein, wobei sie wieder feucht wird, und läßt alles zwei Tage ruhig stehen. Bei sehr weiten Fugen nimmt man einen K. aus 3 Teilen gebranntem Gips, 2 Teilen Eisenfeilspänen, 1 Teil Hammerschlag und 1 Teil Kochsalz, fein gepulvert und mit Ochsenblut zu einem steifen Teig angemacht. Zum Verkitten von Eisen in Stein dient ein Brei aus 3 Teilen Gips, 1 Teil Eisenfeile und Wasser. Luftdichte Ofenthüren verkittet man mit einem Teig aus 120 Teilen Eisenfeile, 2 Teilen Salmiak, 8 Teilen Feldspat, 1 Teil Schwefelblumen und Wasser. Einen feuerfesten Eisenkitt für Röhren, welche im Feuer liegen, erhält man aus 4 Teilen Eisenfeilspänen, 2 Teilen Thon, 1 Teil Scherben von hessischen Tiegeln, mit gesättigter Kochsalzlösung zu einem Brei angerührt. Vor dem Anfeuern muß der K. gut trocknen. Einen feuerfesten Eisenkitt zum Ausstreichen von Fugen bereitet man aus grober Eisenfeile, Lehm, Salz, Sand und Kuhhaaren, mit frischem Blut gemischt. Auch dieser K. muß sehr langsam trocknen, ehe gefeuert wird.

Porzellan und Glas kann man ziemlich dauerhaft mit einem Ölkitt (s. oben) kitten, wenn derselbe bei höherer Temperatur getrocknet wird. Am besten benutzt man aber Glasflüsse, welche gepulvert und mit Wasser zu einem Brei angerührt, zwischen die Bruchflächen gebracht und nach dem Trocknen geschmolzen werden. Man schmelzt z. B. 4 Teile Mennige, 4 Teile gebrannten Borax und ½ Teil Kreide, gießt die flüssige Masse in kaltes Wasser, pulvert und reibt sie auf einer matt geschliffenen Glasplatte mit einem Läufer und Wasser ganz fein. Nachdem der gekittete Gegenstand getrocknet ist, entfernt man vorsichtig den überflüssigen K. und erhitzt ihn in einer Muffel oder in einem unglasierten irdenen Topf mit Deckel bis zum Schmelzen des Glasflusses. Vgl. Lehner, Die Kitte und Klebmittel (Wien 1877).

Kittel, Johann Christian, Organist und Komponist, geb. 18. Febr. 1732 zu Erfurt, war einer der letzten Schüler von Sebastian Bach, wurde Organist in Langensalza und 1756 in Erfurt, wo er 18. Mai 1809 starb. Als Virtuose auf seinem Instrument sowie in seinen Kompositionen für dasselbe zeigte er sich als würdiger Schüler seines großen Meisters und war mit Erfolg bestrebt, die Traditionen desselben durch seine eignen Schüler fortzupflanzen. Großen Ruf erwarb er sich durch sein Werk "Der angehende Organist" (Erf. 1801, 3 Bde.), durch seine "Präludien" und sein "Neues Choralbuch" (Altona 1803).

Kittery, Stadt im nordamerikan. Staat Maine, an der Mündung des Piscataqua, Portsmouth gegenüber, mit Schiffswerfte der Vereinigten Staaten und (1880) 3230 Einw.

Kittfuchsfelle, s. Fuchsfelle.

Kittlitz, Friedrich Heinrich, Freiherr von, Naturforscher und Reisender, geb. 16. Febr. 1799 zu Breslau, nahm an den Freiheitskriegen teil und diente dann im Heer weiter, begleitete 1826-29 die Lütkesche Weltumseglung und beschrieb deren ornithologische Ergebnisse. Seit 1849 lebte er in Mainz, wo er 10. April 1874 starb. Er lieferte ausgezeichnete naturhistorische Illustrationen, so die "Kupfertafeln zur Naturgeschichte der Vögel" (Frankf. 1832); "24 Vegetationsansichten von den Küstenländern und Inseln des Stillen Ozeans" (mit Text, Wiesb. 1845-1852); "Vegetationsansichten aus den westlichen Sudeten" (Frankf. 1854); "Naturszenen aus Kamtschatka" etc. Auch schrieb er: "Bilder vom Stillen Ozean" und "Denkwürdigkeiten einer Reise nach dem russischen Amerika, nach Mikronesien und durch Kamtschatka" (Gotha 1858, 2 Bde.); "Psychologische Grundlage für eine neue Philosophie der Kunst" (Berl. 1863); "Schlußfolgerungen von der Seele des Menschen auf die Weltseele" (Mainz 1873).

Kittul (Kitool), s. Arenga und Caryota.

Kitzbühel, Stadt in Nordtirol, an der zum Chiemsee fließenden Kitzbüheler Ache und der Giselabahn, 737 m ü. M. reizend gelegen, hat 5 Kirchen (worunter die Pfarrkirche mit schönem Hochaltar von Feistenberger, an der Außenseite Reliefdenkmal der Kupferschmiede von 1520), ein Kapuzinerkloster, Bierbrauerei, (1880) 1918 (mit der Landgemeinde K. 3167) Einw. und ist Sitz einer Bezirkshauptmannschaft und eines Bezirksgerichts. Bergbau auf Kupfer (und etwas Silber) wird vom Ärar am Schattberg und auf der Kelchalpe betrieben. K. hat eine eisenhaltige Mineralquelle mit Badeanstalt und ist ein beliebter Sommerfrischort. In der Nähe die Schlösser Kapsburg und Lebenberg und der Schwarzsee. Sehr häufig besucht wird das Kitzbüheler Horn (1994 m) mit bequemem Reitweg und Gasthaus unter dem Gipfel. Nach K. führt ein Teil der nördlichen Vorlagen der Ostalpen den Namen Kitzbüheler Alpen. Dieselben liegen zwischen Inn, Ziller, Gerlosthal, oberer Salzach und Saalach in Tirol und Salzburg und erheben sich mit dem Pihapperspitz zu 2503, mit dem Geierkopf zu 2786 m. Ihre nördlichen Vorlagen, wie das Kaisergebirge im SO. und der Kampenwald im N. von Kufstein, reichen nicht mehr über die Waldregion hinaus. Vgl. Vordermayr, K. und Umgebung (Salzb. 1886).

Kitze, das Junge der Ziege, des Rehs, der Gemse.