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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Kiwisch von Rotterau; Kizil; Kizilbasch; Kjaja; Kjankari; Kjellman; Kjelzy; Kjerteminde; Kjerulf

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Kiwisch von Rotterau - Kjerulf.

seine Nahrung nur mit Hilfe des tastenden Schnabels zu finden, den er nach Art der Schnepfen in weichen Boden sticht. Er lebt paarweise; das Weibchen legt zwei sehr große Eier, welche wahrscheinlich vom Männchen ausgebrütet werden. Sein Fleisch ist genießbar. Die Eingebornen locken den K. nachts durch Nachahmung seines Rufs heran, machen ihn durch Fackelschein verwirrt und fangen ihn dann mit der Hand oder erschlagen ihn mit dem Stock; auch Hunde werden zur Jagd benutzt, und so wird der K. mehr und mehr ausgerottet.

Kiwisch von Rotterau, Franz, Mediziner, geb. 30. April 1814 zu Klattau in Böhmen, studierte zu Prag, wurde 1837 Praktikant im Prager Gebärhaus, 1842 Dozent der Gynäkologie und Arzt der Abteilung für Frauenkrankheiten im allgemeinen Krankenhaus, folgte 1845 einem Ruf nach Würzburg, kehrte 1852 nach Prag zurück und starb 29. Nov. d. J. daselbst. Er schrieb: "Die Krankheiten der Wöchnerinnen" (Prag 1840, 2 Bde.); "Klinische Vorträge über die Krankheiten der Gebärmutter" (das. 1845, 4. Aufl. 1854); "Beiträge zur Geburtskunde" (Würzb. 1846-1848, 2 Tle.); "Die Krankheiten der Eierstöcke, der Eileiter, der Mutterbänder etc." (Prag 1849, 3. Aufl. 1857); "Die Geburtskunde" (Erlang. 1851-52, 2 Bde. mit Atlas).

Kizil (türk.), s. Ketchuda.

Kizilbasch (türk., "Rotkopf"), Spottname für die Perser, resp. die Schiiten in der Türkei und in andern sunnitischen Ländern, nach der roten Kopfbedeckung, welche die Truppen der Sefi-Dynastie in den Kämpfen mit der Türkei getragen haben sollen.

Kjaja (türk.), Hausbeamter des Sultans und der türkischen Landesgroßen; Verwalter der Hauskasse des Sultans, daher von bedeutendem Einfluß im Serail. K.-Efendi war früher der Titel des türkischen Ministers der äußern Angelegenheiten.

Kjankari (Tschengri), Hauptstadt eines Liwas im kleinasiatischen Wilajet Kastamuni, an einem linken Zufluß des Kisil Irmak (Halys), hat bedeutenden Handel mit Salz (in der Nähe Raubbau auf Steinsalz), Wolle und Gelbbeeren und 9000 Einw. K. hieß im Altertum Gangra.

Kjellman, Franz Reinhold, Botaniker, geb. 4. Nov. 1846 auf der Insel Bromö im Wenersee, studierte seit 1868 in Upsala, begleitete Nordenskjöld auf mehreren Polarexpeditionen und wurde 1883 Professor der Botanik in Upsala. Er beschrieb die schwedischen Polarexpeditionen von 1872 und 1873 (Stockh. 1875) und lieferte eine Algenflora des Nördlichen Eismeers (in Bd. 2 der "Vega-expeditionens wetenskapliga iakttag elser").

Kjelzy (poln. Kielce), russisch-poln. Gouvernement, grenzt im N. und O. an Radom, im W. an Petrokow, im S. an Galizien und ist mit 10,092 qkm (183,3 QM.) das kleinste unter den polnischen Gouvernements. Das Land wird von O. nach W. von den äußersten Ausläufern der Karpathen durchzogen und bildet den schönsten Teil Polens. Sehenswert sind besonders die Heiligen Kreuzberge sowie der felsen- und höhlenreiche, am Prodnikfluß gelegene Landstrich, die "polnische Schweiz" genannt. Die bedeutendsten Flüsse, die Pilica, Nida, Nidshica, Shreniawa, Prschemscha, gehören zum Wassersystem der Weichsel, die in einer Länge von 47 km die Grenze gegen Galizien bildet. Auch befindet sich hier das Quellgebiet der Warthe. Das Klima ist gemäßigt. Die Bevölkerung, (1882) 633,519 Personen, 63 pro Quadratkilometer, besteht vorwiegend aus Polen und ist römisch-katholischer Konfession; außerdem ca. 52,000 Juden und ein geringer Bruchteil deutscher Kolonisten und Arbeiter. Der Ackerbau bildet die hauptsächlichste Beschäftigung und wird von den größern Gutsbesitzern rationell betrieben. Die kulturfähige Fläche wird auf 884,406 Hektar berechnet, wovon auf Ackerland 472,095 kommen. Obst- und Gemüsegärten haben fast alle Dörfer, und in den an Galizien grenzenden Teilen wird die Gartenwirtschaft sogar in größerm Stil betrieben. Der Weinbau ist fast ganz eingegangen, dagegen wird die Kultur von Maulbeerbäumen noch gepflegt. Zuckerrübenpflanzungen existieren in den Kreisen Pintschow und Stobnica. Das Verhältnis der Forsten zum Gesamtareal des Bodens wird infolge der andauernden Waldverkäufe immer ungünstiger. Verhältnismäßig stark ist die Montanindustrie vertreten. Der Metallreichtum beginnt das deutsche Kapital anzuziehen, doch wird er nicht gebührend ausgebeutet. Eisen wird an 20 Stellen gewonnen, Zink in 3 der Regierung gehörenden Walzwerken, Galmei in 4 Bergwerken, grauschwarzer Marmor besonders schön in den Brüchen von Chenciny. In dem Kreise Stobnica finden sich in Busko und Solec Schwefelsalzquellen. Eine große Zukunft haben die ungeheuren Schwefelkieswerke von Tscharkowa im Kreis Pintschow; auch Blei und Steinkohlen (stellenweise in Lagern von 10 m Höhe) sind vorhanden. Den Wert der gesamten industriellen Produktion bezifferte man 1883 auf 7½ Mill. Rubel, wovon der größte Teil auf Baumwollindustrie (3 Mill. Rub.), Branntweinbrennerei (1,4 Mill. Rub.) und Mühlenindustrie (1 Mill. Rub.) entfällt, sodann auf Tuch-, Papier-, Zucker-, Ziegel-, Glas-, Leder-, Seife- und Maschinenfabrikation, Eisenindustrie, Brauereien und Holzsägereien. An Schulen bestanden 1883: 326 mit 18,488 Schülern, darunter 3 Gymnasien mit 1001 Schülern, ein Priester- und ein Lehrerseminar. K. zerfällt in sieben Kreise: Jendrshewo, K., Miechow, Olkusch, Pintschow, Stobnica, Wloschowa. Die gleichnamige Hauptstadt, an der Eisenbahn Iwangorod-Dombrowo, von hohen Bergen umschlossen, hat eine Kollegiatstifts- und mehrere andre Kirchen, ein bischöfliches Seminar, Gymnasium, Nonnenkloster (mit einer uralten Statue der heil. Barbara, aus einem einzigen Stück Bleiglanz gefertigt) und (1881) 10,050 Einw. K. wurde um 1173 von dem Krakauer Bischof Gedeon angelegt. Wie ergiebig die um die Stadt gelegenen Bergwerke in früherer Zeit gewesen sein mögen, erhellt daraus, daß die Holländer 1511 mit dem in K. eingekauften Kupfer 70 Schiffe befrachteten.

Kjerteminde, Hafenstadt auf der dän. Insel Fünen, Amt Odense, am Großen Belt, mit (1880) 2488 Einw., welche Fischerei und Schiffahrt treiben.

Kjerulf, Theodor, Geolog, geb. 30. März 1825 zu Christiania, studierte dort und in Kongsberg Bergwissenschaft, machte seit 1849 geologische Reisen und erhob sich bald, auf Ergründung positiver Thatsachen gerichtet, über die unklarere, phrasenreiche Anschauungsweise der damals herrschenden Schule. Namentlich brachte er schon damals von Island wertvolle Resultate zurück. 1851-53 arbeitete er in den chemischen Laboratorien in Bonn bei G. Bischof und in Heidelberg bei R. Bunsen und kehrte nach wiederholten Reisen in seine Heimat zurück, in welcher er, seit 1857 mit Dahll, seine schon früher begonnenen geognostischen Kartierungsarbeiten und Profilaufnahmen fortsetzte, manche geologische Arbeiten veröffentlichte und 1858 die Professur für Mineralogie und Geologie an der Universität und die Direktion