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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Klöppeln; Klöppelwege; Kloppenburg; Klöpper; Klopphengst; Klops; Klopstock

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Klöppeln - Klopstock.

"die kleindeutschen Geschichtsbaumeister" gaben davon Zeugnis. Auch auf den König Georg, der ihn bisweilen zu Rate zog, wirkte er in diesem Sinn ein. 1866 im königlichen Hauptquartier verweilend, ward er mit einer Sendung an den Bundestag und den Prinzen Karl von Bayern betraut und begleitete dann den König nach Hietzing, von wo aus er mehrere Broschüren zur Verteidigung seines Königs und zur Verunglimpfung Preußens veröffentlichte ("Der Erbfeind Deutschlands", "Der Berliner Hochverratsprozeß wider den Staatsminister Graf Platen", "Die Hannoveraner vor Eisenach", "Das preußische Verfahren in der Vermögenssache des Königs von Hannover" u. a.). Auch trat er 1874 zum Katholizismus über, dem er innerlich schon längst angehört hatte. Nach dem Tode des Königs Georg V. gab er eine Biographie desselben heraus (Hamb. 1878). Da ihm die Vollendung der Ausgabe von Leibniz' Werken, von denen bis 1884: 11 Bände erschienen, durch das Verbot, das Archiv in Hannover zu benutzen, unmöglich gemacht war, begann er die Ausarbeitung eines weitschichtig angelegten Werkes: "Der Fall der Stuarts" (Wien 1875-86, Bd. 1-13), worin er dies Ereignis im Zusammenhang der europäischen Geschichte nicht bloß als gerecht, sondern auch als den Wünschen und Interessen der katholischen Kirche entsprechend darzustellen suchte. Ferner schrieb er: "Das Jahr 1683 und der folgende große Türkenkrieg" (Graz 1882).

Klöppeln, die Kunst, aus Zwirn, Seide, Wolle, Gold- oder Silberfäden u. dgl. durch Flechten, Schlingen oder Knöpfen Spitzen, Schnüre, Borten etc. herzustellen; weiteres s. Spitzen.

Klöppelwege, Wege, welche an sumpfigen Stellen dadurch fahrbar gemacht werden, daß man Stangen dicht nebeneinander quer über den Weg legt.

Kloppenburg (Cloppenburg), Amtsstadt im Großherzogtum Oldenburg, an der Soeste und der Linie Oldenburg-Osnabrück der Oldenburgischen Staatsbahn, hat eine schöne kath. Pfarrkirche, eine evang. Kapelle, ein Amtsgericht, Leder- und Bijouteriewarenfabrikation, besuchte Pferdemärkte und (1885) 2027 meist kath. Einwohner. Das Amt K. gehörte bis 1803 zum Bistum Münster.

Klöpper, Albert, protest. Theolog, geb. 20. März 1828 zu Weitenhagen bei Greifswald, studierte 1847 bis 1851 in Greifswald und Berlin, habilitierte sich an der theologischen Fakultät der erstgenannten Universität 1858, wurde 1866 in Königsberg Kustos der Universitätsbibliothek und 1875 außerordentlicher Professor der Theologie. Er schrieb: "Kommentar über das zweite Sendschreiben des Apostels Paulus an die Gemeinde zu Korinth" (Berl. 1874) und "Der Brief an die Kolosser" (das. 1882) u. a.

Klopphengst, s. Klopfhengst.

Klops, Klößchen oder kotelettförmige Scheiben aus gehacktem Rindfleisch oder aus einer Mischung von Rind-, Kalb- und Schweinefleisch, werden entweder gebraten, oder gedünstet und dann mit einer pikanten weißen Sauce serviert (K. à la Königsberg); in Livland s. v. w. Kotelettes.

Klopstock, Friedrich Gottlieb, der frühste unter den klassischen deutschen Dichtern des 18. Jahrh., durch sein poetisches Auftreten bahnbrechend und epochemachend, wurde als das älteste unter 14 Kindern des Kommissionsrats und Advokaten K. 2. Juli 1724 zu Quedlinburg geboren. Die Ausbildung des Dichters, vom Vater früh vorzugsweise auf körperliche Entwickelung gerichtet, fand in dieser Hinsicht besondere Forderung durch den Umstand, daß die Familie um 1735 auf das in Pacht genommene Amtsgut Friedeburg bei Quedlinburg zog. Seit 1737 Schüler des Gymnasiums in letzterer Stadt, verriet K., angeregt durch die Bekanntschaft mit Vergils "Äneide", die ersten Spuren poetischer Begabung, und seine jugendliche Phantasie faßte den Gedanken einer epischen Verherrlichung des Städtegründers Heinrich I. Seit 1739 Zögling der Schule zu Pforta, machte er sich innig vertraut mit den altklassischen Schriftstellern. Die Notwendigkeit eines nationalen Heldengedichts war herrschender litterarischer Glaubenssatz; der Instinkt des Genius verriet sich bei K. darin, daß er von dem weltlichen Stoff absah und unter dem Eindruck des "Verlornen Paradieses" von Milton den Plan zur Epopöe "Der Messias" faßte. Die religiöse Gesinnung und Empfindung, die gerade damals milder, unkirchlicher, poetischer ward, war die einzige in den bürgerlichen Kreisen Deutschlands allgemein vorhandene Gemütsstimmung, und K. traf mit seiner Stoffwahl durchaus das Rechte. Zu Jena, wohin sich K. 1745 begab, um Theologie zu studieren, entstanden die drei ersten Gesänge der "Messiade" und zwar in Prosa. Die anfängliche Absicht, das Gedicht überhaupt in ungebundener Rede abzufassen, welche besonders in dem Widerwillen des Dichters gegen den hölzernen Modevers, den Alexandriner, wurzelte, wurde erst während Klopstocks Studienzeit in Leipzig (schon nach dem ersten Semester war er mit seinem Vetter Schmidt aus Langensalza dorthin übergesiedelt) aufgegeben. An einem Sommernachmittag 1746 formte K. den Anfang seines Gedichts, zuerst am Erfolg zweifelnd, in Hexameter um, und dieser Übergang zu dem antiken Metrum sollte für die moderne Dichtung höchst bedeutsam werden. In Leipzig trat K. in Verbindung mit dem Kreis junger Poeten, die, von der Gottschedschen Richtung abgefallen, in K. Chr. Gärtner (s. d.) ihren kritischen Führer, in den sogen. "Bremer Beiträgen" ihr litterarisches Organ hatten. Die letztern brachten denn auch (1748 im 4. Band) die drei ersten Gesänge von Klopstocks "Messias" in die Öffentlichkeit. Bodmer erkannte sofort im Sänger des "Messias" den Geistesverwandten Miltons und weissagte ihm in aufrichtiger Begeisterung eine große Zukunft. K., der auch als Lyriker bereits in Leipzig produktiv gewesen war und dort einige seiner schönsten Oden ("Der Lehrling der Griechen", "Wingolf", "An Giseke", "Die künftige Geliebte") gedichtet hatte, war inzwischen als Hauslehrer in eine angesehene Familie nach Langensalza gegangen. Dort faßte er leidenschaftliche, doch unerwiderte Neigung zu der Schwester des oben genannten Vetters Schmidt, Marie Sophie, in Klopstocks Dichtungen unter dem Namen "Fanny" verewigt. Die Fruchtlosigkeit seiner Bemühungen, die Gegenliebe des Mädchens zu erwerben, bewog neben andern Umständen den Dichter, einer Einladung Bodmers nach Zürich zu folgen. Im Juli 1750 traf er hier ein. Unterdessen war das anfängliche Schweigen über das Messiasfragment in Deutschland dem lauten Lärm eines heftigen litterarischen Streits gewichen. Der Professor der Philosophie, Meier zu Halle, hatte 1749 eine lobpreisende Beurteilung des Gedichts veröffentlicht. Gottsched, anfänglich bemüht, durch die Schilderhebung von Dichterlingen kläglichsten Schlags, wie des Freiherrn v. Schönaich, den neuen "Messias" zu beseitigen, trat endlich selbst in die Schranken, als auch von seiten der eigentlichen Gelehrtenwelt, wie durch den Gothaer Rektor Stuß, die Aufmerksamkeit der Lesewelt auf das verhaßte Phänomen gelenkt wurde. Gottsched bekämpfte energisch, aber völlig