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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Klopstock

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Klopstock.

fruchtlos, die Begeisterung für den "Messias"; er isolierte sich durch seinen Widerstand mehr und mehr. In Zürich enttäuschte Klopstocks jugendliches, genußfrohes Auftreten und Verhalten Bodmer und dessen alte Freunde, die einen "heiligen" Dichter erwartet hatten. Bodmer zürnte in unfreundlichster Weise; K. aber ging in seinem überreizten Selbstgefühl einen Schritt zu weit, so daß ein Bruch erfolgte, welcher vor Klopstocks Weggang aus Zürich nur notdürftig geheilt werden konnte. Inzwischen hatte K. 1751 durch Vermittelung des Ministers v. Bernstorff vom König Friedrich V. von Dänemark einen Gnadengehalt von 400 Reichsthaler erhalten, damit er in Kopenhagen die "Messiade" mit guter Muße und "ohne Distraktion" beendigen könne. Auf der Hinreise lernte K. in Hamburg die für sein Gedicht begeisterte Meta Moller kennen, die im Juni 1754 seine Gattin wurde. Die ersten Jahre seiner sehr glücklichen Ehe sahen den Dichter auch auf dem Höhepunkt seines dichterischen Schaffens. 1755 war der "Messias" bis zum zehnten Gesang beendigt und in doppelter Ausgabe erschienen. Um dieselbe Zeit entstanden Klopstocks frühste prosaische Abhandlungen; 1757 machte der Dichter mit dem "Tod Adams" den ersten dramatischen Versuch, und gleichzeitig war er besonders fruchtbar in der Gattung des geistlichen Liedes. 1758 nahm der Tod seine treue Meta (Cidli nannte sie der Dichter in den schönen an sie gerichteten Oden) während eines Besuchs in Hamburg ihm von der Seite, und mit diesem Ereignis schließt Klopstocks glücklichlichster ^[richtig: glücklichster] Lebensabschnitt. In den Jahren 1759-62 verweilte der Dichter in Dänemark, 1762-64 in Quedlinburg und Halberstadt im Familienkreis; 1763 wurde er zum dänischen Legationsrat ernannt. Neben der Fortführung des "Messias" entstand in der nächstfolgenden Zeit das Trauerspiel "Salomo", etwas später das Bardiet "Die Hermannsschlacht", von dem angeregt sich das wesenlose, bombastisch-rhetorische Bardenwesen in der deutschen Litteratur des vorigen Jahrhunderts üppig ausbreitete. Die Hoffnungen, welche der Dichter in den letzten 60er Jahren auf den neuen Kaiser, Joseph II., setzte, erfüllten sich in keiner Weise. 1771 veranstaltete K., veranlaßt durch die Sammlung seiner Oden, welche die Landgräfin Karoline von Darmstadt, und die inkorrekte, welche der Dichter Dan. Schubart kurz vorher veröffentlicht hatten, eine selbständige Ausgabe derselben, die bei Bode zu Hamburg erschien. Nach Bernstorffs Tod wohnte K. eine Zeitlang im Haus von dessen Gemahlin zu Hamburg; dann bezog er das Haus eines Herrn v. Winthem daselbst, dessen Witwe später (1791) seine zweite Frau und die treue Pflegerin seines Alters wurde. 1772 ward das Trauerspiel "David" beendigt, 1773 der "Messias" endlich abgeschlossen. In der herrlichen Ode "An den Erlöser" ward des Dichters inniger Dank gegen Gott ausgesprochen, daß er ihm die Vollendung des großen Werkes vergönnt habe. Weit über Deutschlands Grenzen hinaus war der Ruhm des Gedichts erschollen. Übertragungen in die italienische, französische und englische Sprache hatten es dem Ausland zugänglich gemacht. In das Jahr 1773 fällt auch die Beendigung der prosaischen Schrift "Die deutsche Gelehrtenrepublik", unter deren wenigen Bewunderern sich merkwürdigerweise Goethe befand. Wie tief und stark die Verehrung und Begeisterung für K. im allgemeinen, besonders aber bei der damaligen Jugend, war, zeigt am deutlichsten das Verhältnis, in welchem die Mitglieder des Göttinger Dichterbundes (s. d.) zu dem Dichter der "Messiade" standen. Sie sahen in K. ihr Ideal und unbedingtes Vorbild; bei den Versammlungstagen lagen stets seine Oden, meist bekränzt, auf dem Tisch. K. trat auch in persönliche Beziehung zu den Hainbündlern, und als er 1774 der Einladung, die Markgraf Karl Friedrich von Baden an den "Dichter der Religion und des Vaterlandes" zum dauernden Besuch an seinem Hof hatte ergehen lassen, folgte, verweilte er in Göttingen im Kreis der begeisterten Verehrer. Von des Dichters damaliger Einkehr in Goethes Wohnhaus berichtet "Wahrheit und Dichtung". Schon im Frühjahr 1775 verließ K., des Hoflebens müde, Karlsruhe und traf nach einer Reise in die Schweiz, die ihn mit Goethe und den Stolbergs zusammenführte, im Juni wieder in Hamburg ein. Das gute Verhältnis zu Goethe verwandelte sich übrigens bald in dauernde Entfremdung, als K. 1776 sich beikommen ließ, durch unberufene und ziemlich unmotivierte Einmischung in das weimarische Treiben den Herzog Karl August und Goethe tief zu verletzen. Die letzten 28 Jahre seines Lebens verbrachte K. in zunehmender Stille und Zurückgezogenheit. Von der Entwickelung, welche die deutsche Poesie vornehmlich seit dem Erscheinen des "Götz von Berlichingen" genommen, sich abwendend, verdrossen durch die kühle Ausnahme der "Gelehrtenrepublik" und seiner seltsamen linguistischen Versuche ("Fragmente über Sprache und Dichtkunst", 1779 und 1780), spann sich der Dichter immer mehr in seiner Sonderstellung ein. Der Odendichtung blieb er bis wenige Jahre vor seinem Tode treu, doch litt seine spätere Lyrik großenteils an Unverständlichkeit und Schwerfälligkeit des Ausdrucks. Mehr und mehr der deutsch-patriotischen Richtung sich ergebend (die Dramen: "Hermann und die Fürsten" und "Hermanns Tod" sind Zeugnisse hierfür), nahm K. auch lebhaften Teil an den damaligen großen weltgeschichtlichen Vorgängen im Ausland. Schon der nordamerikanische Unabhängigkeitskrieg hatte ihn hoch begeistert, die Einberufung der französischen Reichsstände (1787) feierte er durch eine Ode. Ein Diplom, das ihn zum französischen Bürger ernannte, war die Anerkennung für diese und ähnliche Kundgebungen. Seiner Enttäuschung, welche nicht lange auf sich warten ließ (den Entwickelungsgang der Revolution mißbilligte er in einem Schreiben an den Präsidenten des Konvents sehr nachdrücklich), gab er gleichfalls poetischen Ausdruck (Ode "Mein Irrtum"). Die an äußern Ehren reichen letzten Lebensjahre des Dichters verflossen unter eifriger Beschäftigung mit Ausfeilung seiner Schriften. Im Winter 1801 begann er zu kränkeln, seit Februar 1803 verließ er sein Lager nicht mehr. Er starb, im Geist mit seinem großen Epos beschäftigt, 14. März 1803. Das Leichenbegängnis (22. März) war fürstlich großartig. Zur Ruhestätte hatte sich K. den Friedhof des Dorfs Ottensen bei Altona gewählt, wo seine erste Gattin begraben war. Dort trägt ein weißer Marmorstein die Inschrift: "Saat von Gott gesäet, am Tage der Garben zu reifen. Bei seiner Meta und seinem Kind ruhet Friedrich Gottlieb K." Am 2. Juli 1824 ward zu Quedlinburg und Altona Klopstocks Säkularfeier begangen und ihm in ersterer Stadt ein Denkmal errichtet, 2. Juli 1874 in Quedlinburg, Schulpforta und anderwärts das 150jährige Jubiläum des Dichters gefeiert.

Will man Klopstocks Bedeutung für die deutsche litterarische Entwickelung und das geistige Leben unsrer Nation überhaupt gerecht würdigen, so ist vor allen Dingen der absolute ästhetische Wert seiner Schöpfungen bei der Beurteilung streng zu unter-^[folgende Seite]