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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Knight; Knights of labour; Knikbeere; Knille; Knin; Kniphausen; Knipperdolling

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Knight - Knipperdolling.

heimbünde zu verschaffen. Nach Aufhebung des Ordens wegen seiner Teilnahme in Untersuchung gezogen, gab er unter dem Namen Philo eine Schrift über denselben heraus (1788), die großes Aufsehen erregte. K. war als Romanschreiber, Popularphilosoph, dramatischer Dichter, Publizist, Musiker etc. produktiv. Seine bekannteste Schrift ist die "Über den Umgang mit Menschen" (Hannov. 1788, 16. Aufl. 1878), eine einst vielgelesene Sammlung von Lehrsätzen, Lebensregeln und Erfahrungsmaximen, die von großer Weltbeobachtung und Menschenkenntnis zeugt, aber von einer beschränkt-egoistischen Grundansicht ausgeht. Die zahlreichen Romane Knigges ("Der Roman meines Lebens", 1781-87, 4 Bde.; "Geschichte Peter Clausens", 1783-85, 3 Bde.; "Geschichte des armen Herrn v. Mildenburg", 1789-90; "Des seligen Herrn Etatsrats Samuel Konrad v. Schafskopf hinterlassene Papiere", 1792; "Die Reise nach Braunschweig", 1792, u. a.) sind im ganzen flüchtige Arbeiten und trotz der überall darin prunkenden Stichworte Humanität und Aufopferung ohne festen sittlichen Kern und Gehalt; am besten hat der Verfasser noch hier und da den niedrig-komischen Ton getroffen. Eine Sammlung von Knigges Schriften erschien in 12 Bänden (Hannov. 1804-1806). Vgl. Gödeke, Adolf Freiherr K. (Hannov. 1844); "Aus einer alten Kiste. Originalbriefe, Handschriften und Dokumente aus dem Nachlaß eines bekannten Mannes" (hrsg. von Klencke, Leipz. 1853). Über Knigges Verhältnis zu den Illuminaten berichtete Kluckhohn in der Augsburger "Allgemeinen Zeitung" 1874, Nr. 174-196.

Knight (engl., spr. neit), in England s. v. w. Ritter, mit dem Prädikat Sir vor dem Taufnamen. Dieser Titel wurde in England von Wilhelm dem Eroberer eingeführt, war ursprünglich an den Besitz eines Ritterguts (Knight's Fee) geknüpft und verpflichtete zum Kriegsdienst. Eduards II. Statute of Knights beweist, daß diese Würde im 14. Jahrh. nicht immer sehr gesucht war, und nach den langen Kriegen zwischen England und Frankreich konnten sich Ritter von der Kriegspflicht loskaufen, bis dieselbe von Karl II. völlig aufgehoben wurde. Seit dem 16. Jahrh. wird der Titel auch an Zivilisten verliehen. Der Titel ist nicht vererblich. Wer nicht Ordensritter (K. of the Garter etc.) ist, wird als K. Bachelor (bas chevalier) bezeichnet. K. Banneret (Bannerherr) ist eine Würde, die früher auf dem Schlachtfeld verliehen wurde (zuletzt von Karl I.). Knights of the shire hieß man die von den Freisassen der Grafschaften ins Parlament geschickten Vertreter.

Knight (spr. neit), Charles, engl. Verleger und Schriftsteller, geb. 1791 zu Windsor, Buchhändler in London und seit 1859 Redakteur der amtlichen "London Gazette", machte sich besonders als Herausgeber der von der Gesellschaft zur Beförderung gemeinnütziger Kenntnisse unternommenen Publikationen verdient, namentlich der "Penny Cyclopaedia" (1830-56, 30 Bde.), des "Penny Magazine" (1832-1845), welche als die Anfänge der populären Litteratur in England zu betrachten sind, und der "National Cyclopaedia" (1847-51, 12 Bde.; neue Aufl. 1866). Als Schriftsteller beschäftigte sich K. vorzugsweise mit Shakespeare. Hierher gehören, außer einer Ausgabe von dessen Werken mit sehr vollständigem Kommentar (1839, 8 Bde.): "The life of Shakespeare" (1843) und "Studies of Shakespeare" (1849). Auch gab er heraus: "London" (1841-44, 6 Bde.); "Popular history of England" (1856-62, 8 Bde.; 3. Aufl. 1876); "Shadows of the old booksellers" (1865, neue Ausg. 1872) und eine Selbstbiographie in "Passages of a working-life" (1863-65, 3 Bde.; neue Ausg. 1873); ferner "Half hours in English history" (neue Ausg. 1884, 4 Bde.). K. starb 9. März 1873.

Knights of labour (spr. neits of lehbör), s. Ritter der Arbeit.

Knikbeere (Knickbeere), s. Erdbeere.

Knille, Otto, Maler, geb. 10. Sept. 1832 zu Osnabrück, bildete sich bis 1856 auf der Düsseldorfer Akademie, namentlich unter K. Sohn, Th. Hildebrandt und W. v. Schadow, darauf ein halbes Jahr unter Couture in Paris und brachte sodann vier Jahre in München, drei in Italien zu. 1865 erhielt er den Auftrag, Schloß Marienburg bei Nordstemmen mit Fresken zu schmücken, welche Szenen aus thüringischen Sagen darstellen. Ferner entstand damals ein Ölbild: Fra Angelico malt im Kloster San Marco zu Florenz. Für die Siegesstraße in Berlin malte er 1871 eins der Velarien: Germania ruft das Volk zu den Waffen, ein Bild, das durch lebendigen Ausdruck und fein gestimmte Farbe viel Beifall fand. Noch stärker offenbarte sich seine romantische Richtung in einem mit glänzender koloristischer Bravour ausgeführten Gemälde: Tannhäuser und Venus (1873, Berliner Nationalgalerie). Im J. 1875 zum Lehrer an die Kunstakademie zu Berlin berufen, begann er gleichzeitig die Ausführung von vier dekorativen Friesgemälden für das Treppenhaus der Berliner Universitätsbibliothek, welche die Jugenderziehung im Altertum (Athen), die scholastische Wissenschaft (Paris), die Humanisten und Reformatoren (Wittenberg) und die Neuklassiker Deutschlands (Weimar) in lebensvollen Gruppen berühmter Männer darstellen. Das umfangreiche, auf gründlichen Studien beruhende und in großem Stil durchgeführte Werk wurde 1884 vollendet und brachte ihm die große goldene Medaille der Berliner Ausstellung ein. 1885 trat er von seinem Lehramt zurück. Er hat sich auch als Illustrator bethätigt und schrieb "Grübeleien eines Malers über seine Kunst" (Berl. 1887).

Knin, Stadt in Dalmatien, an der Krka und der Dalmatiner Staatsbahn, Sitz einer Bezirkshauptmannschaft und eines Bezirksgerichts, hat eine alte Bergfeste, ein Franziskanerkloster und (1880) 1271 meist griechisch-unierte Einwohner.

Kniphausen (Knyphausen), ehemalige Grafschaft im Großherzogtum Oldenburg, 45 qkm (0,82 QM.) groß, mit drei Kirchspielen (Fedderwarden, Sengwarden und Accum) und 3200 Einw., ist fast rings von der Herrschaft Jever umgeben und besteht ganz aus Marschland. Die Herrschaft gehörte seit dem 16. Jahrh. dem ostfriesischen Geschlecht der Freiherren zu In- und Knyphausen, wurde 1624 an Oldenburg abgetreten und bildete dann mit der Herrschaft Varel ein gräflich oldenburgisches Fideikommiß. Durch Vermählung der Erbtochter des letzten Grafen von Oldenburg 1733 kam es an das reichsgräfliche Haus von Bentinck, 1806 an Holland und 1810 mit diesem an Frankreich. Seit 1825 (durch das sogen. Berliner Abkommen) genoß K. halbsouveräne Rechte unter oldenburgischer Oberhoheit, bis dieselben nach langen Streitigkeiten 1854 an Oldenburg abgetreten wurden (s. Bentinck, Erbfolgestreit).

Knipperdolling, Bernt, Wiedertäufer, gebürtig aus Münster, aus angesehenem Geschlecht, war Kaufmann, ward wegen der Beteiligung an einem Aufruhr (1527) vom Bischof in den Kerker geworfen, aus dem er sich nur durch eine hohe Summe löste, schloß sich 1532 der wiedertäuferischen Bewegung Rothmanns