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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Knolle - Knöpfe.

keine Vermehrung möglich, weil diesen die Knospen fehlen. Eigentümlich verhalten sich die sogen. Doppelknollen (tubera geminata) vieler Orchideen, besonders der Gattung Orchis (Beispiel hierzu in Fig. 4, 5). Der Stengel trägt an seinem untern, in der Erde befindlichen Ende zwei gleich gestaltete Knollen nebeneinander. Die ältere gehört dem Stengel an, die andre, mehr seitlich stehende trägt auf ihrer dem Stengel ansitzenden Spitze eine Knospe. Diese K. ist eine eigentliche Wurzel, welche unterhalb der am Stengel gebildeten Knospe aus diesem hervorwächst, knollenförmig anschwillt und nach dem Verschwinden des diesjährigen Stengels und seiner K. während des Winters im Boden zurückbleibt; im Frühling erwächst die Knospe zu einem neuen blühenden Stengel, der nun abermals eine neue K. nebst Knospe für das kommende Jahr entwickelt. Die Parenchymzellen der Knollen sind während der Ruheperiode der Vegetation meist reichlich mit Reservenährstoffen (Stärkemehl, Inulin Zucker, Schleim u. dgl.) erfüllt, welche beim Erwachen der Vegetation allmählich wieder aus ihnen verschwinden, indem sie den neugebildeten Teilen, zur ersten Ernährung zugeführt werden. Physiologisch sind daher die Knollen als Organe zur vorübergehenden Aufbewahrung von Reservenährstoffen perennierender Pflanzen zu betrachten.

^[Abb.: Fig. 4. Fig. 5. Orchisknollen.]

Knolle, Ludwig, Kupferstecher, geb. 4. Mai 1807 zu Braunschweig, lernte 1831-38 unter Pietro Anderloni in Mailand, besuchte dann Dresden, London und Paris und trat zuerst mit einem Stich nach Th. Hildebrandts Söhnen Eduards auf, der ihn vorteilhaft bekannt machte. Zu seinen übrigen Hauptblättern in Linienmanier gehören: die Magdalena nach Correggio, Himmelfahrt Mariä nach Murillo, der Zinsgroschen nach Tizian, die heil. Cäcilia und Christus, das Brot brechend, nach Carlo Dolce, die Geburt Christi nach Carlo Maratti (sämtlich in Dresden), der Frühling nach Plockhorst. Er starb 6. Juni 1877 als Professor und Inspektor des Museums zu Braunschweig.

Knollenblätterschwamm, s. Agaricus V.

Knollenkalkschwamm, s. Schwämme.

Knollenkapitäl (Knospenkapitäl), mit Knollen, Knospen oder knospenförmig gewundenen Blättern besetztes Kapital des spätromanischen Stils (s. Fig.).

^[Abb.: Knollenkapitäl.]

Knollenqualle, s. Medusen.

Knollenwicke (Knollwicke), s. Apios.

Knollenwinde, s. v. w. Batate.

Knollenzwiebel (Bulbotuber), s. Knolle.

Knoller, Martin, Maler, geb. 1728 zu Steinach in Tirol, bildete sich in Wien, erhielt 1753 mit dem jungen Tobias, der die Augen seines Vaters heilt, den großen Preis für Historienmalerei und ging 1754 nach Rom, 1756 nach Mailand, wo er Hofmaler wurde. Nach abermaligem Aufenthalt in Rom ward er 1760 als Professor an die Akademie nach Mailand berufen, wo er 1804 starb. Er hat zahlreiche Fresken (im Kloster Ettal zu Tirol, im Kloster Gries und im Bürgersaal zu München) und Altarbilder (Himmelfahrt Mariä, Christi Geburt und Einsetzung des Abendmahls in der Kirche zu Meran) gemalt, welche im akademisch-eklektischen Stil der Zeit gehalten sind.

Knollfuß, s. Klumpfuß.

Knollwicke, virginische, s. Apios.

Knop, Wilhelm, Agrikulturchemiker, geb. 28. Juli 1817 zu Altenau am Harz, studierte 1840-44 in Göttingen, war daselbst Assistent bei Wöhler, später bei Gmelin in Heidelberg und bei Erdmann in Leipzig, wo er, 1847-56 zugleich als Lehrer der Naturwissenschaften und Mechanik an der öffentlichen Handelslehranstalt thätig, sich als Privatdozent an der Universität habilitierte, 1863 außerordentlicher und 1880 ordentlicher Professor der Agrikulturchemie wurde, nachdem er 1856-66 die landwirtschaftliche Versuchsstation zu Möckern geleitet und 1879 die Direktion des neuen agrikulturchemischen Laboratoriums übernommen hatte. Er redigierte 1854-62 das "Pharmazeutische", später "Chemische Zentralblatt" und schrieb: "Handbuch der chemischen Methoden" (Leipz. 1859); "Der Kreislauf des Stoffs. Lehrbuch der Agrikulturchemie" (das. 1868); "Die Bonitierung der Ackererde" (2. Aufl., das. 1872); "Ackererde und Kulturpflanze" (das. 1883) und zahlreiche kleinere Arbeiten.

Knopfbinse, s. Juncus.

Knopfblume, s. Scabiosa.

Knöpfe (Kleiderknöpfe) werden aus den verschiedensten Materialien und in unübersehbarer Mannigfaltigkeit gefertigt. Die Metallknöpfe zerfallen in gegossene und Blechknöpfe, erstere wieder in zinnerne oder solche aus Messing oder streng flüssigen Legierungen. Die Zinnknöpfe mit Öhr, welche in Metallformen in einem Stück gegossen, gehören zu den ältesten; dann kamen die gegossenen K. auf, welche beim Gießen statt des Öhrs 2-4 Löcher erhielten und die aus Knochen gedrehten vorteilhaft ersetzten. K. aus Messing gegossen erhielten angelötete Öhre. Jetzt werden Metallknöpfe fast nur aus Blech durch Ausschneiden von runden Scheiben und Prägen derselben erzeugt. Die Bildung des Öhrs erfolgt dabei gewöhnlich durch Ausprägen eines kleinen Buckels, der quer durchlöchert wird. Sie sind entweder massiv oder hohl, d. h. aus zwei Scheiben (Ober- und Unterboden) gebildet, welche durch Umkrempen vereinigt