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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Kolloquium; Kolludieren; Kollusion; Kollusorisch; Kolluthos; Kollyba; Kolmar

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Kolloquium - Kolmar.

K. 1695 durch seine Ernennung zum Erzbischof von Gran und Primas von Ungarn. Jetzt trat aber auch sein Eifer im Katholisieren Ungarns und Siebenbürgens in den Vordergrund, seine Begünstigung des Jesuitenordens als Trägers dieser Idee. K. starb 19. Jan. 1707. Vgl. Maurer, Kardinal Leop. Graf K. (Innsbr. 1887). - Der Letzte des Hauses, Graf Siegmund, geb. 30. Mai 1676, gest. 12. April 1751 in Wien als erster Erzbischof Wiens, adoptierte 1728 den Sohn der Stiefschwester seines Vaters, Grafen Joh. Siegmund (gest. 1684), den Freiherrn Ladislaus Zay v. Zajezda, der die jetzt auch schon (1863 mit Ladislaus) im Mannesstamm erloschene Linie Kollonitsch-Zay begründete.

Kolloquium (lat.), überhaupt Gespräch, Unterredung, besonders zum Behuf der Prüfung von Männern, die bereits im Amt stehen, aber zu einem höhern Posten aufrücken wollen; auch (colloquium charitatlvum) namentlich seit der Reformation gebräuchlicher Name der Religionsgespräche (s. d.). Neuerdings ein Glaubensexamen, welches in norddeutschen Landeskirchen mit Geistlichen, welche von den Gemeinden gewählt sind, gehalten wird, meist mit dem Zweck oder Erfolg, ihnen wegen mangelnder Rechtgläubigkeit die Bestätigung der Wahl zu versagen.

Kolludieren (lat.), unter einer Decke spielen, im geheimen Einverständnis sein und handeln.

Kollusion (lat., "das Zusammenspielen"), im allgemeinen jede auf rechtswidrige Täuschung Dritter gerichtete Verabredung, im Strafprozeß insbesondere eine Verabredung des Angeschuldigten mit Zeugen oder Mitschuldigen, durch welche die Erforschung der Wahrheit gehindert werden soll. In der deutschen Praxis pflegte man wegen zu besorgender Kollusionen Untersuchungshaft (Kollusionshaft) eintreten zu lassen, was dem englischen und französischen Strafprozeß fremd, von der deutschen Strafprozeßordnung (§ 112) aber beibehalten worden ist. Diese gestattet die Untersuchungshaft, wenn gegen den Angeschuldigten dringende Verdachtsgründe vorhanden sind und er entweder der Flucht verdächtig ist, oder Thatsachen vorliegen, aus denen zu schließen ist, daß er Spuren der That vernichten, oder daß er Zeugen oder Mitschuldige zu einer falschen Aussage oder Zeugen dazu verleiten werde, sich der Zeugnispflicht zu entziehen.

Kollusorisch, auf K. abzielend oder beruhend.

Kolluthos, griech. Dichter, aus Lykopolis in Oberägypten, dichtete zu Anfang des 6. Jahrh. n. Chr. unter anderm ein Epos von 392 Versen: "Raub der Helena", nach den kyklischen Dichtern; herausgegeben von Lennep (besorgt von Schäfer, Leipz. 1825), I. ^[Immanuel] Bekker (Berl. 1816), Torney (Mitau 1860), Abel (Berl. 1880); übersetzt von Bodmer (Zürich 1753) und Passow (Güstrow 1829).

Kollyba (russ.), s. v. w. Kolibak (s. d.).

Kolmar (Colmar, lat. Colmaria), 1) Hauptstadt des deutschen Bezirks Oberelsaß, an der Lauch und dem Logelbach (einem aus der Fecht abgeleiteten Kanal) und unweit der Ill, mit dem Rhein-Rhônekanal durch einen Zweigkanal in Verbindung (Hafenbecken), Knotenpunkt der Eisenbahnen Straßburg-Basel, K.-Münster u. K.-Altbreisach, 193 m ü. M., ist eine alte Stadt mit engen und winkeligen, aber reinlich und gut gehaltenen Straßen. Die ehemaligen Festungswerke bilden jetzt zum Teil schöne Promenaden. Ein neuer Stadtteil entwickelt sich am Bahnhof, dort befinden sich auch das schöne Gebäude des Bezirkspräsidiums (ehemalige Präfektur), der Wasserturm und das Marsfeld mit Anlagen u. Denkmälern des Generals Rapp und des Admirals Bruat (beide aus K. gebürtig). Sonst sind zu nennen: das Münster oder die kathol. Pfarrkirche zu St. Martin (aus dem 13. und 14. Jahrh.) mit 2 Türmen, von denen einer unvollendet, einem schönen Portal und dem berühmten Bild: Maria im Rosenhag, von M. Schongauer, der in K. gelebt hat; die evang. Pfarrkirche (Barfüßerkirche aus dem 15. Jahrh.), das ehemalige Dominikanerkloster ("Unterlinden", 1232-89 erbaut) mit ausgezeichneten Sammlungen (Stadtbibliothek, kunsthistorischem, archäologischem, ethnographischem und naturhistorischem Museum), einer Bildsäule Schongauers und einem Denkmal des hier gebornen Fabeldichters Pfeffel daneben; die ehemalige Dominikanerkirche (jetzt Fruchthalle), das Kaufhaus aus dem 15. Jahrh., das Gebäude des Oberlandesgerichts mit großartigen Sälen, das Landesgerichtsgebäude, die Synagoge etc. Die Bevölkerung beläuft sich (1885) mit Garnison (ein Dragonerregiment Nr. 14 und drei Infanteriebat. Nr. 112) auf 26,537 Seelen, darunter 6602 Evangelische und 1109 Juden. Die Industrie ist bedeutend. K. hat Woll- und Baumwollspinnerei und -Weberei, Seidenspinnerei, Tuch-, Jute-, Packtuch-, Nähfaden-, Stärkemehl-, Kartoffelzucker-, Teigwaren-, Wagen- und Maschinenfabrikation, Gießerei, Bleicherei, Bierbrauerei, Wein- und Gartenbau etc. Den Verkehr mit der Umgegend vermitteln die Straßenbahnen K.-Kaisersberg, K.-Horburg und K.-Winzenheim. An Schul- und sonstigen Bildungsanstalten befinden sich dort: ein Lyceum, 2 Lehrerseminare, eine Präparandenanstalt, eine Rabbinerschule, eine Hebammenanstalt und eine Gesellschaft für Erhaltung der Kunstsammlungen der Stadt. Die städtischen Behörden setzen sich zusammen aus 3 Magistratsmitgliedern und 24 Stadtverordneten. K. ist Sitz eines Bezirkspräsidiums, einer Kreisdirektion, eines Oberlandesgerichts für Elsaß-Lothringen, eines Landgerichts (für die 15 Amtsgerichte zu Barr, Ensisheim, Gebweiler, Kaisersberg, K., Markirch, Markolsheim, Münster i. E., Neu-Breisach, Rappoltsweiler, Rufach, Schlettstadt, Schnierlach, Sulz i. Oberelsaß und Weiler), einer Handelskammer u. einer Forstdirektion mit 2 Oberförstereien. Zu K. gehört der Fabrikort Logelbach, 3 km westlich, mit großen Baumwollspinnereien und -Webereien. - K. ist wahrscheinlich das Columbarium der Römer. Es wird zuerst in einer Schenkungsurkunde des Kaisers Ludwig des Frommen von 823 genannt. 833 lagerten die Söhne Ludwigs des Frommen in der Ebene zwischen K., Türkheim und Sigolsheim und verführten das Heer des Vaters (Lügenfeld). Karl der Dicke hielt in K. 884 einen Reichstag ab. 1220 erhielt K. durch den Landvogt Wölflin Stadtrechte und Mauern, und 1226 ward es freie Reichsstadt. Damals erhielt es ein Ratskollegium, und neben den königlichen Schultheiß trat im 14. Jahrh. ein Bürgermeister. Das Stadtrecht, welches Rudolf von Habsburg 1278 K. erteilte, wurde dann Muster für viele andre Städte. Seit 1347 fanden die Zünfte im Rat Vertretung und verdrängten im 17. Jahrh. die adligen Geschlechter völlig daraus. 1255 trat K. in den rheinischen Städtebund und nahm an der Verteidigung des Elsaß gegen fremde Einfälle sowie 1476 und 1477 an den

^[Abb.: Wappen von Kolmar.]