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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Köln

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Köln (Kirchen).

rende Reminiszenzen zu einem neuen, höchst eigentümlichen Ganzen entwickelt sind. Die Kirche ist mit Ausnahme des ursprünglichen westlichen Einganges und der Türme in der jüngsten Zeit stilgerecht restauriert und im Innern mit Wandgemälden nach Vorbildern der romanischen Kunstepoche geschmückt worden. Die alte Kirche von St. Gereon, angeblich von der heil. Helena gegründet, erfuhr einen völligen Umbau durch den Erzbischof Anno. Das alte Dekagon wurde im 13. Jahrh. niedergelegt und durch das jetzige Schiff, ein längliches Zehneck, ersetzt; Spuren des römischen Baues sind noch an den untern Teilen des Dekagons zu sehen. Dieser prächtige Kuppelbau, 16,9 m breit und 18,2 m lang, wurde 1219 begonnen und 1227 vollendet. Die St. Cäcilienkirche stammt in ihren ältesten Teilen aus dem 10. Jahrh. Im W. derselben befindet sich eine auf vier Pfeilerreihen ruhende Empore; westlich neben dieser liegt die Krypte, welche für einen Rest der von Maternus erbauten Bischofskirche, sicher mit Unrecht, ausgegeben wird. Die St. Pantaleonskirche (jetzt Garnisonkirche) datiert mit ihren Fundamenten von 964. Im J. 980 geweiht, wurde sie im Anfang des 13. Jahrh. umgebaut. Im 17. Jahrh. wurde das Mittelschiff der ursprünglich flach gedeckten Pfeilerbasilika neu eingewölbt und bei dieser Gelegenheit das Chor in spätgotischem Stil umgebaut; der obere Teil des Hauptturms ist mit einer Galerie umgeben; er diente zu Anfang dieses Jahrhunderts dem optischen Telegraphen, jetzt der Militärbrieftaubenstation. St. Martin, früher auf einer Rheininsel gelegen, wurde 1172 vom Erzbischof Philipp eingeweiht und hat im Innern unter allen kölnischen Kirchen die sorgfältigste stilgerechte Ausstattung. Der gewaltige Ostbau mit dem majestätischen Turm wurde erst im Anfang des 13. Jahrh. errichtet. St. Andreas zeigt in seinen einzelnen Bauteilen eine Zusammenstellung der verschiedenen Stilarten, welche die Hauptperioden der kirchlichen Baukunst charakterisieren. St. Georg wurde vom Erzbischof Anno II. erbaut und 1067 eingeweiht. Ursprünglich eine schlichte Säulenbasilika mit einer Krypte auf acht Säulen, ganz denen des Oberbaues entsprechend, wurde sie im 12. Jahrh. eingewölbt. Die Vorballen stammen aus dem Jahr 1536 St. Severin wurde unter Erzbischof Bruno I. begonnen, im 11. Jahrh. aber gänzlich umgestaltet. Einen neuen Umbau nahm man in den 30er Jahren des 13. Jahrh. vor; der Turm wurde von 1393 bis 1411 errichtet. St. Kunibert, 1247 durch Erzbischof Konrad unter Assistenz Alberts d. Gr. eingeweiht, ist eine gewölbte Basilika mit zwei Querschiffen. Die Apostelkirche wurde von Erzbischof Heribert 1021 an Stelle einer ältern Kapelle begonnen und von Pilgrim gegen 1030 vollendet. Nach wiederholtem Brandunglück fand gegen Ende des 12. Jahrh. ein Neubau statt. Die Kirche St. Ursula wurde nach der normännischen Invasion neu aufgebaut; bedeutende Umgestaltungen erfuhr sie im 12. Jahrh., die Wölbung stammt aus gotischer Zeit.

Von den Kirchen der gotischen Zeit ist vor allen andern der Dom zu nennen (s. beifolgende Tafeln "Dom zu Köln I, II"). Schon Engelbert der Heilige hatte den Plan gefaßt, an der Stelle der alten romanischen Kathedrale einen Neubau aufzuführen, welcher der Bedeutung der Kölner Kirche und dem Ruf der im alten Dom aufbewahrten Reliquienschätze entspreche. Dieser Gedanke sollte unter Konrad von Hochstaden zur Ausführung gebracht werden. 1247 lag der Plan zur Errichtung einer völlig neuen Domkirche vor. Der Grundstein zu derselben wurde 14. Aug. 1248 gelegt. Während man aber am Chor der neuen Kirche rüstig arbeitete, wurde der zureichend restaurierte alte Dom zum Kapitelsgottesdienst weiter benutzt. Als der geniale Schöpfer des großartigsten Wunderwerkes gotischer Baukunst wird vielleicht der Dombaumeister Gerhard, welchem das Domkapitel 1257 eine Baustelle an der Marzellenstraße überließ, angesehen werden dürfen. Nur langsam schritt der Bau des Chors fort. Kollektengelder, Opfer, Zinsen, Vermächtnisse, die Einkünfte suspendierter Benefiziaten, versessene Präsenzgelder boten den Provisoren der Baukasse die Mittel, die ungeheuren Kosten des gewaltigen Werkes zu bestreiten. Die Bausteine wurden vom Drachenfels bezogen. Schon 1297 konnte Gottesdienst in den Kapellen um das Hochchor gehalten werden, während man noch mit dem Bau des Chors selbst beschäftigt war. Nach W. erhielt das Chor durch eine starke, bis in die höchste Spitze reichende Mauer einen provisorischen Abschluß. 1322 waren die Seitenkapellen vollendet, die feierliche Einweihung fand 27. Sept. durch den Erzbischof Heinrich von Virneburg statt. Die Baumeister, die beim Dombau thätig gewesen, sind: Gerhard von Rile (auch von Ketwich genannt), Meister Arnold, dann dessen Sohn Johann, welcher 1330 starb, nach diesem Meister Rütger, nach ihm Meister Michael; darauf Meister Andreas von Everdingen, der noch 1412 als "Werkmeister in dem Doyme" erscheint, Nikolaus von Buren (gest. 1446), Meister Konrad Kuyn, endlich Johann von Frankenberg. Gleich nach der Einweihung des Chors schritt man zur Fundamentierung des nördlichen Kreuzschiffs, 1325 zu der des südlichen. Die alte Kirche wurde in ihren einzelnen Teilen nach Maßgabe des Fortschreitens des Neubaues niedergelegt. 1447 war der südliche Turm so hoch aufgeführt, daß er die Glocken, von denen die größte 125 Doppelzentner wog, aufnehmen konnte. Neben diesen alten Glocken ist neuerlich die aus eroberten französischen Kanonen gegossene neue "Kaiserglocke" im Gewicht von 250 Doppelzentnern aufgehängt, jedoch erst 30. Juni 1887 kirchlich geweiht worden. Vom Hauptbau des eigentlichen Kirchenschiffs war 1388 ein Teil so weit vorgeschritten, daß derselbe mit Altären versehen und für den Gottesdienst eingerichtet werden konnte; der Fortbau wurde aber mit immer schwächern Kräften betrieben. Am Ende des 15. Jahrh. gab man jede Hoffnung auf, die Kirche nach dem ursprünglichen Plan vollenden zu können; Langschiff und Seitenhallen wurden durch ein provisorisches Dach geschlossen. Die vier ersten Kompartimente des nördlichen Seitenschiffs wurden 1508 eingewölbt, um die für dieses Schiff bestimmten großen Glasgemälde aufnehmen zu können. 1796 ward der Dom von den Franzosen zu einem Frucht- und Furagemagazin erniedrigt, dann 1801 zur Pfarrkirche für denjenigen Stadtbezirk erklärt, der früher größtenteils zu St. Paulus, St. Maria im Pesch, St. Johann und St. Lorenz gehört hatte. Das Gebäude geriet immer mehr in Verfall und drohte völligen Einsturz, wenn nicht auf eine gründliche Reparatur Bedacht genommen wurde. Da gelang es Sulpice Boisserée und Joseph v. Görres, den Kronprinzen von Preußen und das deutsche Volk für den Plan einer Restauration des Doms zu begeistern. Auf Betreiben des Kronprinzen beauftragte Friedrich Wilhelm III. den Oberbaurat Schinkel, den baulichen Zustand des Doms an Ort und Stelle zu untersuchen, und auf Grund von dessen Gutachten und Vorstellungen befahl der König, daß "das Vorhandene erhalten wer-^[folgende Seite]