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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Köln

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Köln (Profanbauten).

den solle". Aber erst 1823 wurden die Restaurationsarbeiten unter Leitung des Bauinspektors Ahlert begonnen, anfangs schwach, seit 1825 mit erhöhter Kraft. Nach Ahlerts Tod wurde 1833 der Landbaumeister Zwirner mit der Leitung der Domarbeiten betraut. Es gelang ihm, eine Bauhütte zu gründen, die sich bald des besten Rufs erfreute, und in der Kräfte gebildet wurden, welche, wie V. Statz, Fr. Schmidt und Fr. Schmitz, zu den gefeiertsten Meistern der gotischen Baukunst gehören. Zwirner schwang sich zuerst zu dem Gedanken auf, den Dom ganz auszubauen. Nach seinem Anschlag sollten sich die Kosten auf 1,200,000 Thlr. belaufen; sein Plan ließ aber allen ornamentalen Schmuck und die Gewölbe außer Rücksicht. In K. wurde 1840 der Gedanke angeregt, durch Gründung eines Dombauvereins der allgemein Begeisterung für die große Sache einen kräftigen Halt zugeben, und 8. Dez. 1841 wurde das Statut dieses Vereins von Friedrich Wilhelm. IV. genehmigt. Am 4. Sept. 1842 wurde der Grundstein zum Fortbau gelegt und nun jährlich eine Summe von etwa 300,000 Mk. auf denselben verwandt. Reichlichere Mittel verschaffte seit 1863 die wiederholt erneuerte Dombaulotterie, und 15. Okt. 1880 konnte endlich in Gegenwart des Kaisers Wilhelm und vieler deutscher Fürsten die Vollendung des großen Werkes mit großer Pracht begangen werden. Die Grundform des Doms ist die des Kreuzes. Die Langkirche hat fünf Schiffe, das Querhaus drei. Von den Schiffen des Langhauses finden die beiden äußersten beim Beginn des Chorhauptes ihr Ende; statt ihrer Fortsetzung zieht sich um dieses Chorhaupt ein Kranz von sieben polygonalen Kapellen, während die beiden mittlern Seitenschiffe sich als Umgang um das Hauptchor fortsetzen. Die Hauptfronte wird durch die beiden westlich sich an die Seitenschiffe anlehnenden kolossalen viereckigen, vom vierten Stockwerk an achteckigen Türme mit dem zwischen ihnen sich entwickelnden Hauptportal und dem darüber aufsteigenden Mittelfenster gebildet. Das südliche Turmportal ist schon seit dem 15. Jahrh. mit einem Teil seiner Skulpturen versehen. Diese Figuren, in edlem Stil gehalten, verraten, was Gedanken wie Ausführung betrifft, eine hohe künstlerische Bildung ihres Meisters; wahrscheinlich sind sie ein Werk des Meisters Konrad Kuyn. Vgl. Boisserée, Geschichte und Beschreibung des Doms zu K. (2. Aufl., Stuttg. 1842); Schmitz, Der Dom zu K., seine Konstruktion und Ausstattung (150 Tafeln, mit historischem Text von Ennen, Köln 1868-1877); Bock; Der Kunst- und Reliquienschatz des Kölner Doms (das. 1870); Wiethase, Der Dom zu K. (40 Lichtdrucktafeln mit Text, Frankf. 1884 ff.).

Ein andrer hervorragender gotischer Bau ist die Minoritenkirche, eine Basilika mit schmalen Seitenschiffen und einem einschiffigen Chor ohne Querschiffe, neuerdings durch die Freigebigkeit des Kaufmanns J. H. ^[Johann Heinrich] Richartz restauriert. Erwähnung verdienen auch die Ratskapelle, ein kleiner gotischer Bau von 1426, mit einem äußerst zierlichen, bleigedeckten Dachreiter und einer 1474 angebauten, durch das frei stehend gearbeitete Maßwerk ihres schönen Gewölbes ausgezeichneten Sakristei, und die prächtige neue Mauritiuskirche, die 1861-65 nach dem Plan von V. Statz aufgeführt ward und 51,15 m lang, 36,4 m breit, im Mittelschiff 21,97 m hoch ist, mit einem Turm von 72,18 m Höhe. Die Jesuitenkirche, ein vortreffliches Muster der gotisierenden Jesuitenrenaissance, wurde 1618 begonnen und 1629 vollendet. Das prächtige Gewölbe, die kühne Bogenspannung des Mittelschiffs und die mächtigen Säulen machen einen überwältigenden Eindruck. Die Evangelischen besitzen zwei Kirchen, die eine war ehemals Klosterkirche der Antoniter, die andre ist die 1857-59 neu erbaute Trinitatiskirche. Endlich verdient noch die Synagoge in der Glockengasse, ein von Zwirner ausgeführter Bau in maurischem Stil, erwähnt zu werden. Fast alle Kölner Kirchen sind, obgleich in den Stürmen der Revolutionszeit vieles verloren gegangen ist, noch jetzt außerordentlich reich an Kunstschätzen. Der Dom birgt die romanische Prachttumba der heiligen drei Könige, ein Meisterwerk kölnischer Goldschmiedearbeit des 12. Jahrh., den Sarkophag des heil. Engelbert, prächtige Vortragekreuze und Monstranzen. Beachtenswert sind dort auch die Bischofsgräber im Chor. Sehr reich ist die Schatzkammer von St. Ursula. In St. Maria in der Schnurgasse, einer ehemaligen Karmeliterinnenkirche, befinden sich die Reliquien der Heiligen Albinus und Maurinus. Vieles aus untergegangenen Kirchen ist in das Museum Wallraf-Richartz und in das erzbischöfliche Museum gerettet worden.

[Profanbanten.] Von hervorragenden alten Profanbauten sind zu nennen: Das Tempelhaus, der Familiensitz der Overstolzen in der Rheingasse, ein prächtiger romanischer Bau aus dem 12. oder 13. Jahrh., der im Erdgeschoß rundbogige, im zweiten Geschoß kleebogige, im dritten rundbogige Fenster, im Staffelgiebel teils rundbogig, teils staffelförmig überdeckte Blenden hat. 1836 wurde dasselbe von der Stadt erworben und restauriert. Romanische Baureste finden sich noch an einem Haus in der Georgstraße sowie an Gebäuden auf dem Alten Markt, im Filzengraben, auf dem Gereonsdriesch, am Einfahrtsthor zum Haus Wolkenburg, am alten Kamperhof, am Eingangsthor des alten Waisenhauses. Von den gotischen Profanbauten nimmt den ersten Platz das Rathaus ein. Sein ältester Teil, der hinter dem Portal gelegene Mittelbau mit dem schön restaurierten Hansasaal, stammt aus dem Anfang des 15. Jahrh. Der nördlich vom Hansasaal liegende prächtige fünfstöckige Turm wurde 1407-14 erbaut; 1540 wurde der südöstlich an den Turm anstoßende Löwenhof vom Steinmetzmeister Lorenz in dem eben aus Italien nach Deutschland gekommenen Stil der Renaissance "auf antik" ausgeführt. Der nach dem Alten Markt hin gelegene Teil wurde 1549-50 erbaut. Der Hauptteil dieses Marktbaues, der unter dem Namen "Muschel" bekannte Saal, ist ein Werk von 1761. Die Gobelins, womit derselbe geschmückt ist, sind nach Zeichnungen von Wouwerman durch D. Vos ausgeführt und wurden vom Rat aus dem Nachlaß des Kurfürsten Clemens August angekauft. Die Fassade des Marktbaues wurde 1591 vollständig umgebaut und in der Weise ausgeführt, wie sich dieselbe bis zu ihrer Abtragung 1870 erhalten hat. Die neue, im Stil der Alten gehaltene Fassade ist von Jul. Raschdorff entworfen. Der zierlichste Bauteil des Rathauses ist das in der edelsten Renaissance ausgeführte Portal, die prachtvollste von allen derartigen Rathauslauben der Renaissancezeit (durch den Bildhauer Wilhelm Vernickel 1569-71 aufgeführt). Dem Rathausturm gegenüber liegt der 1887 wiederhergestellte sogen. Spanische Bau, ein Werk des 17. Jahrh., mit schöner Halle und kühnem Giebel. Der Bau des bekannten Gürzenich wurde 1441 begonnen, um als Festsaal zu dienen; der untere Raum wurde zu einem öffentlichen Kauf- u. Lagerhaus hergerichtet und das erste großartige Fest daselbst 1475 zu Ehren des Kaisers Friedrich III. gefeiert. Im 17. und 18. Jahrh. geriet der große Saal