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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Kolonnenjäger - Kolorimeter.

übersehen, nach allen Seiten zu bewegen, rasch zur Linie zu entwickeln und wieder zusammenzuziehen sein und bilden Rechtecke der verschiedensten Formen. Kolonnenlinie nennt man die Formation, bei welcher eine Anzahl Truppenkörper in K. in einer Reihe nebeneinander stehen. Die Anwendung der K. ist bei allen Waffen der leichten Führung und des Zusammenhaltens der Kräfte wegen sehr mannigfach und allgemein. Man bleibt in K. womöglich so lange, bis man zur unmittelbaren Waffenthätigkeit gegen den Feind übergeht. Ein Beibehalten der K. während des Kampfes selbst, wie früher, kommt heutigen Waffen gegenüber nur ausnahmsweise vor, wo Raum und Zeit nichts andres gestatten, oder wenn die Ausbildung und Beschaffenheit der Truppe eine lockere Formation nicht zuläßt (vgl. Fechtart). Im Train der Heere nennt man K. eine Anzahl Fahrzeuge, deren Begleitmannschaft und Bespannung zu einem Truppenkörper verbunden ist. Je nach Beladung der Fahrzeuge bezeichnet man sie als Proviant-, Munitions-, Ponton-, Lazarett- etc. Kolonne. Eine Anzahl solcher Kolonnen unter gemeinschaftlichem Befehl bildet eine Kolonnenabteilung.

Kolonnenjäger, die von Friedrich II. im ersten Schlesischen Krieg zu Rekognoszierungs- und Kurierdiensten errichteten reitenden Feldjäger, welche häufig als Führer der Kolonnen auf Märschen in nicht bekannten Gegenden verwendet wurden.

Kolonnenwege, diejenigen Wege, auf denen die verschiedenen Kolonnen eines Heers gegen den Feind oder von einem Lager ins andre ziehen, namentlich soweit sie von den gebahnten Wegen abweichen. Sie werden da besonders häufig vorkommen, wo es gilt, viel Truppen vom Lagerplatz ohne Umweg und ohne Kreuzung schnell in die von ihnen zu verteidigende Stellung zu führen, z. B. bei Zernierungen, oder bei Flußübergängen von den Straßen an die zum Brückenschlag ausersehene Stelle etc.

Kolonos (K. Hippios), Demos im alten Attika, nördlich bei Athen, mit einem Tempel des Poseidon und andern Heiligtümern, berühmt als Geburtsort des Sophokles und durch dessen Tragödie "Ödipus auf K." Jetzt eine kleine kahle Anhöhe, auf der sich die Grabmäler der Archäologen Otfr. Müller und Ch. Lenormant befinden.

Kolontaj, Hugo, poln. Staatsmann und Schriftsteller, geb. 1. April 1750 in der Woiwodschaft Sandomir, studierte in Krakau und trat dann in den geistlichen Stand. Er beteiligte sich eifrig an der Reorganisation und Reform des Schulwesens, wurde 1782 Rektor der Krakauer Universität, nahm als Kronkanzler eifrigen Anteil an den Arbeiten des Reichstags von 1788-91, begab sich nach der zweiten Teilung Polens nach Dresden, von wo er mit Gleichgesinnten die nationale Erhebung in Polen vorbereitete, kehrte 1794 mit Kosciuszko in sein Vaterland zurück, geriet nach der Bewältigung des Aufstandes in österreichische Gefangenschaft, wurde in Olmütz interniert, jedoch 1803 ausgelöst und lebte dann abwechselnd in Krakau und Warschau, wo er 28. Febr. 1812 starb. K. war ein Führer der fortschrittlichen Partei in Polen und wurde von seinen Gegnern mit arger Übertreibung der "polnische Robespierre" genannt. Die wichtigsten seiner meist anonym veröffentlichten Schriften sind: "Briefe über die Reform der Schulen" und "Die polnische Verfassung". Nach seinem Tod erschienen sein "Stand der Bildung" (Posen 1842); die "Historischen Forschungen" (Krak. 1844); die "Geschichte der Anfänge des menschlichen Geschlechts" (das. 1847, 3 Bde.). An dem großen, in deutscher (1793) und französischer Sprache veröffentlichten Werk: "Von dem Ursprung und dem Fall der Verfassung vom 3. Mai 1791" war er in hervorragendem Maß beteiligt.

Kolophon (griech.), Gipfel, Ende, Abschluß; in mittelalterlichen Handschriften und alten Druckwerken der am Schluß angebrachte Nachweis über den Verfasser, den Schreiber oder Drucker sowie Ort und Zeit der Abfassung (Druckort und Druckjahr).

Kolophon, altgriech. Stadt in Lydien, unfern der Küste, eine der bedeutendern des Ionischen Bundes, glänzte in ihrer Blütezeit durch ihre Seemacht sowie durch ihre Reiterei. Ihr Hafen hieß Notion. In der Nähe war das berühmte Orakel des Apollon Klarios. K., das mit um die Ehre stritt, Vaterstadt des Homer zu sein, wurde mehrmals erobert, so von Gyges, König von Lydien, von den Persern während des Peloponnesischen Kriegs, von Lysimachos, welcher die Bewohner nach Ephesos verpflanzte, und von kilikischen Seeräubern. Nach K. benannt ist das Kolophonium (s. d.). Die ausgedehnten Ruinen der Stadt sind erst zu Anfang 1887 nach Andeutungen H. Kieperts, der wiederholt vergeblich danach gesucht hatte, von Schuchardt und Wolters südlich von Smyrna zwischen den heutigen Dörfern Deirmenderessi und Tratscha aufgefunden worden.

Kolophonit, s. Granat.

Kolophonium (nach der Stadt Kolophon, Geigenharz), der Rückstand von der Gewinnung des Terpentinöls aus Terpentin. Man schmelzt diesen Rückstand in offenen Kesseln bis zum vollständigen Verdunsten des Wassers, läßt die Unreinigkeiten sich absetzen und schöpft das klare Harz aus. Man gewinnt K. in deutschen Waldgegenden und in Österreich, in größern Quantitäten in Frankreich und besonders in Nordamerika. Das K. ist gelb (französisches und amerikanisches) oder braun (deutsches), glasartig durchsichtig oder durchscheinend, leicht zerreiblich, in der Kälte geruchlos oder von schwachem terpentinartigen Geschmack, spez. Gew. 1,07, löslich in 8 Teilen Alkohol von 71 Proz., auch in Äther, fetten und flüchtigen Ölen, nur teilweise in Erdöl, schmilzt bei 130-135°, besteht im wesentlichen aus Abietinsäureanhydrid, gibt mit ätzenden Alkalien Harzseifen, bei trockner Destillation brennbare Gase, eine ölige Flüssigkeit, aus welcher Harzessenz und Harzöl abgeschieden werden können, und eine saure wässerige Flüssigkeit. Es dient zum Bestreichen der Violinbogen und glatter Maschinenteile, an denen man eine starke Reibung bezweckt, als Pulver in der Veterinärpraxis, in viel größerer Menge zur Darstellung von Harzseifen, Harzöl, zum Auspichen der Fässer, zu Siegellack, Firnis, Kitten, Pflastern, zum Löten, zum Leimen des Papiers, auf den Theatern zu Blitzpulvern etc. Colophonium succini, Bernsteinkolophonium.

Koloquinten, s. Citrullus.

Koloradokäfer, s. Kartoffelkäfer.

Koloratur (v. lat. color, Farbe), in der Solovokalmusik, namentlich in der Arie, eine Verzierung oder Figurierung der Melodie, die in laufenden und rollenden Tonreihen besteht und darauf berechnet ist, die Kehlfertigkeit des Sängers (Koloratursänger) zu zeigen. Die Heimat des Koloraturgesangs ist Italien; speziell war es die neapolitanische Schule, welche denselben seit der Wende des 17.-18. Jahrh. entwickelte. Vgl. Gesang und Arie.

Kolorieren (lat.), mit Farbe ausmalen.

Kolorimeter (lat., Farbmesser), Instrument zur Bestimmung der Farbenintensität einer Lösung, ursprünglich konstruiert zur Ermittelung des Wertes