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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Koloß; Kolossä; Kolossal; Kolosser, Brief an die

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Koloß - Kolosser, Brief an die.

die K. noch immer dasselbe, kühne und schlaue Volk wie vor 100 Jahren, das den Fremden bei der Jagd auf Seehunde, Seelöwen und Pelztiere unentbehrliche Dienste leistet. Ihre Pirogen, die oft 50-60 Menschen fassen können, bestehen aus ausgehöhlten Baumstämmen oder aus Holzgestellen, die mit Seehundsfellen überzogen werden. Wasser, Regen, Wälder, Bären, Fische etc. fassen sie als feindliche Mächte auf, deren Gunst man sich um jeden Preis erwerben muß, und an deren Spitze ein namenloses Wesen steht, der Inbegriff des Todes, der Zerstörung und alles Unglücks. Von großem Einfluß sind immer noch die sogen. Medizinmänner, die als Lehrer, Priester, Propheten und Dichter in Einer Person fungieren. Der Unsterblichkeitsglaube ist bei den K. vorhanden, doch beruht er auf sehr materiellen Anschauungen. Es besteht eine Adelsklasse und der Gebrauch des Totem; die Kriegsgefangenen werden zu Sklaven gemacht, bei Leichenbegängnissen auch geopfert. Vgl. Pinart, Notes sur les Koloches (im "Bulletin" der Pariser Anthropologischen Gesellschaft 1872); Pfizmaier, Aufklärungen über die Sprache der K. (Wien 1884); Friedr. Müller, Bemerkungen über das Verbum der koloschischen Sprache (das. 1884); Krause, Die Tlinkitindianer (Jena 1885).

Koloß (lat. colossus), Bildsäule von mehr als Lebensgröße. Im Altertum beherrschte der Sinn für kolossale Verhältnisse die Kunst durchaus; in Ägypten und Assyrien schufen Architektur und Bildhauerei mit Vorliebe in den mächtigsten Dimensionen, und auch die griechische Kunst proklamierte den Grundsatz, daß nur das Große schön sei (Aristoteles). Besonders für Tempelbilder von Göttern und Heroen, die man sich in übermenschlicher Größe vorstellte, war Kolossalität Bedingung. Die Zahl der litterarisch bekannten Kolossalbilder aus griechischer Zeit ist außerordentlich groß. Der höchste K. war die Erzstatue des Sonnengottes (K. von Rhodos) von Chares in Rhodos (s. d.), welche 70 Ellen hoch war. Nach ihm kam das eherne Zeusbild des Lysippos (49 Ellen hoch) in Tarent. Berühmt war auch desselben Meisters K. des Herakles, ebenfalls in Tarent, vor allem aber der Zeus des Phidias in Olympia und dessen Athene Parthenos in Athen. Einen 30 Ellen hohen Apollonkoloß brachte Lucullus aus Apollonia in Pontus nach Rom. Seine eigne Kolossalstatue, von Zenodoros gefertigt, stellte Nero vor seinem Palast auf, während Vespasian sie nach der Via sacra, neben das Kolosseum, versetzte, Commodus der Statue den Kopf abnehmen und seinen eignen dafür aufsetzen ließ. In der Plastik des Mittelalters fast gar nicht vorkommend, wurden solche Kolossalstatuen erst wieder in der Renaissancezeit und namentlich in der Kunst der Neuzeit geschaffen, z. B. die Statue des Carlo Borromeo in Arona von 1697 (Erz und Kupfer), die Bavaria bei München (Bronze), das Hermannsdenkmal bei Detmold (getriebenes Kupfer: s. Bandel), die Freiheitsstatue in New York, Schillings Germania (s. d.) des Nationaldenkmals auf dem Niederwald etc. Vgl. Lesbazeilles, Les colosses anciens et modernes (Par. 1876).

Kolossä, im Altertum Stadt in Phrygien, am Lykos (Nebenfluß des Mäandros), deren Bewohner sich durch Fabrikation und Färben von Wolle auszeichneten. Unvergeßlich ward der Name der Stadt durch des Apostels Paulus Brief an die dortige Christengemeinde, eine der ersten in Kleinasien. Im Mittelalter trat das nahe Chonä an Kolossäs Stelle, und diesen Namen (Chonas) führt noch heute ein Dorf unweit der Ruinen Kolossäs.

Kolossal (franz., kolossalisch), überlebensgroß (s. Koloß); dann überhaupt sehr groß, riesig.

^[Abb.: Durchschnitt und Teil vom Aufriß des Kolosseums in Rom.]

Kolosser, Brief an die, einer der im Neuen Testament befindlichen Briefe des Apostels Paulus, an die