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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Kolumbiaden; Kolumbien

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Kolumbiaden - Kolumbien.

Zeit hat man den Namen K. auch auf die Halle übertragen, in welcher die Urnen mit der Asche der in den modernen Feuerbestattungsöfen (Gotha) verbrannten Leichen beigesetzt werden.

Kolumbiaden, glatte gußeiserne Geschütze großen Kalibers (bis 20 Zoll) der Vereinigten Staaten Nordamerikas, von Rodman konstruiert, jetzt veraltet.

Kolumbien (Republicá de Colombia, vormals Neugranada, s. Karte "Peru etc." und "Westindien"), eine Republik im nordwestlichen Teil des südamerikan. Kontinents, erstreckt sich (mit Einschluß des politisch dazu gehörigen Departements Panama) von 12° 30' nördl. bis 2° 40' südl. Br. u. 67° 30'-83° westl. L. v. Gr., grenzt nördlich an den zentralamerikanischen Staat Costarica und das Karibische Meer, östlich an Venezuela und an Brasilien, südlich an Peru und Ecuador, westlich an den Stillen Ozean und hat im oben bezeichneten Umfang (der jedoch von den Nachbarstaaten nicht überall anerkannt wird) einen Flächeninhalt von 857,945 qkm (15,582,2 QM.). Die Weltlage Kolumbiens, zwischen zwei Weltmeeren, ist äußerst günstig und auch die Küstenbildung des Landes, wenigstens im N., eine sehr vorteilhafte. Am Karibischen Meer sind an der Westseite der Halbinsel von Goajira die Bahia Honda, Bahia Portete, die Bai oder Lagune von Santa Marta, welche die östlichen Mündungsarme des Rio Magdalena empfängt, und weiter westlich der herrliche Hafen von Cartagena zu bemerken. Der Golf von Uraba (Darien) zieht sich tief ins Land hinein und bietet auf seiner Ost- und Südseite bis zur Bai von Candelaria mehrere sichere Ankerplätze dar. Dann folgt die eigentlich schon zu Zentralamerika gehörige wichtige Landenge von Panama, an deren Nordsüdseite der große Golf von Panama liegt. Die weitere Küste Kolumbiens am Stillen Ozean ist ziemlich einförmig. Hier liegen die Baien von Cupica und San Francisco Solano, die kleine Bai von Palmar an der Südseite des hohen Kaps Corrientes, die Bai von Choco oder Buenaventura, der beste Hafen an der Westküste, und die Ensenada de Tumaco. Unter den zu K. gehörigen Inseln sind der aus zehn Inseln bestehende Perlenarchipel im Golf von Panama und die 518 qkm große Insel Coiba die bedeutendsten; die übrigen sind meist unbewohnte Eilande. Die Bodenbeschaffenheit des Landes ist sehr mannigfaltig. Dasselbe wird von drei zu der Andeskette gehörigen Gebirgszügen durchschnitten, die vom Gebirgsknoten von Pasto ausgehen, fast parallel nach N. streichen und durch die Längenthäler des Cáuca und Magdalenenstroms geschieden werden. Auf der mittlern Kette, der Kordillere von Sumapaz oder Quindiu, liegen die höchsten Berge des Landes, unter ihnen der Pan de Azucar (4870 m) und die Vulkane von Purace (4700 m) und Tolima (5584 m), wahrscheinlich der höchste Gipfel Südamerikas nördlich vom Äquator. Die östliche Kette durchstreicht das Plateau von Cundinamarca (Bogotá) und hat beim Übertritt nach Venezuela noch einen Gipfel von 3910 m Höhe. Die westliche oder Küstenkordillere endlich hat eine Kammhöhe von kaum 1500 m. Ihr höchster Gipfel ist der Cerro Munchique (3012 m). Sie sendet unter 5° nördl. Br. einen Arm nach der Küste, der den wasserreichen Atrato vom Stillen Ozean trennt und beim Übertritt auf die Landenge von Panama zur Hügelkette herabsinkt. Abgesondert von den genannten Ketten liegt im nördlichen Teil des Gebiets noch die Sierra de Santa Marta (5100 m). In K. sind die kristallinischen Massengesteine fast überall unter jüngern Schichten versteckt. Die thätigen Vulkane liegen auf der mittlern Kette und gruppieren sich um den Cumbal (4790 m), den Pasto (2544 m) und den Tolima; auch Erdbeben sind nicht selten, doch treten sie in der Regel nicht so zerstörend auf wie in Zentralamerika. Der ganze östliche Teil der Republik ist Tiefland, wo sich die Becken der großen Zuflüsse des Amazonenstroms und des Orinoko: des Putumayo, Caqueta, Rio dos Vaupes, Guayabero und Meta, ausbreiten. Überhaupt ist die Bewässerung des Landes sehr reich. Die eigentliche Pulsader desselben bildet der Rio Magdalena, welcher, nach N. strömend, viele und wasserreiche Zuflüsse empfängt (darunter den ihm parallel laufenden, fast gleich großen Rio Cáuca) und sich unterhalb Barranquilla in das Karibische Meer ergießt. Nächst ihm ist der teilweise für Dampfer schiffbare Rio Atrato (zum Golf von Darien fließend) zu erwähnen, während der Rio San Juan und Rio Patia, die beide in den Stillen Ozean münden, für den Verkehr von keiner Bedeutung sind. Das Klima ist infolge der verschiedenen Bodenbeschaffenheit der einzelnen Gegenden im höchsten Grad wechselvoll; man kann im Lauf eines Tags alle Klimate der Erde und alle Jahreszeiten durchwandern. In die Region des ewigen Schnees, dessen untere Grenzlinie am Tolima in 4687 m Höhe liegt, ragen nur die höchsten Spitzen des Gebirges. Ihr zunächst folgt die Region der Páramos (rauhe und windige, unbewohnte Bergeinöden); hier beträgt die mittlere Temperatur nicht unter 10° C., Nebel sind häufig, und nicht selten fällt auch Schnee. Die dritte Region, die Tierra fria (1500 bis 3000 m), nimmt einen großen Teil des Hochlandes ein, und eine noch größere Ausdehnung hat die mildere Tierra templada (zwischen 500 und 1500 m Höhe), zu der außer den untern Stufen der Kordilleren und deren niedrigern Ausläufern die Thäler des Magdalenenstroms und des Cáuca gehören. Der bei weitem größte Flächenraum gehört aber der Tierra caliente an, die sich über die Küstenebenen, die untern Thäler des Cáuca und Magdalena und das ungeheure Tiefland im O. erstreckt. Die mittlere Jahrestemperatur an den Küsten beträgt etwa 29° C., in der Tierra templada 22-25° C., in der Tierra fria 12 bis 20° C. (z. B. in Bogota, 2611 m ü. M., 14,4° C., und dort herrscht bei den nie aufhörenden Regen ein beständiger April). In den Tiefebenen im O. der Andes unterscheidet man zwei tropische Jahreszeiten zu je 6 Monaten, an den Küsten des Stillen Ozeans dagegen regnet es das ganze Jahr hindurch. Auf den Hochebenen sind April und November die regenreichsten Monate, in den Páramos dagegen Juli und Februar. Im allgemeinen kann man das Land als gesund bezeichnen; wirklich der Gesundheit verderblich sind nur die sumpfigen, feuchten Küstenniederungen mit ihrem übermäßig heißen Klima. Die Fauna Kolumbiens gleicht ungefähr der von Zentralamerika, sowohl in Beziehung auf die nützlichen Tiere (Hirsche, Tapire, Armadille, Taubenarten etc.) als auf die schädlichen und lästigen (Jaguare, Schlangen, Moskitos, Niguas, Flöhe etc.), welch letztere auch in den gemäßigten Teilen des Innern vielerorts eine Art Landplage bilden. Außerdem gesellen sich hierzu noch mehrere Arten von Termiten und periodisch (alle 6-10 Jahre) Zugheuschrecken. In den zum Teil mit üppigem Graswuchs bedeckten Ebenen (Llanos) des Ostens finden sich große Herden wilden Rindviehs und in den Strömen zahlreiche Alligatoren. Die Flora des Landes ist den geschilderten klimatischen Verhältnissen gemäß eine sehr mannigfache und infolge der günstigen Bodenbeschaffenheit fast überall eine ungemein üppige. Ausgedehntere Strecken sterilen Landes kommen gar