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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Konrad (Montferrat etc.) - Konrad von Marburg.

(von Eilenburg), wurde aber von diesem gefangen und zu Jena in Haft gehalten, bemächtigte sich jedoch, von Herzog Lothar unterstützt, nach dessen Tod 1123 der Mark Meinen, mit welcher Kaiser Heinrich V. den Grafen Wiprecht von Groitzsch belehnt hatte, und wurde in deren Besitz durch Kaiser Lothar bestätigt. Nach dem Tod Heinrichs von Groitzsch 1135 erwarb er noch die Pegauer und Zwickauer Gegend hinzu und wurde vom Kaiser mit der Niederlausitz belehnt; 1143 schenkte ihm Kaiser Konrad III. Rochlitz. Von diesem reichen Länderbesitz ist K. der Große beigenannt worden. 1147 beteiligte sich K. an dem Kreuzzug gegen die Obotriten. Er starb 5. Febr. 1157 in dem von seinem Bruder Dedo gestifteten, von ihm selbst vollendeten Kloster auf dem Petersberg bei Halle, in welches er zwei Monate vorher als Mönch eingetreten war. Seine Gebiete teilte er unter seine fünf Söhne. Vgl. Schöttgen, Geschichte Konrads des Großen (Dresd. 1745).

[Montferrat.] 8) Markgraf von Montferrat, Herr von Tyros, Sohn Wilhelms III., hatte sich in den Kriegen der Lombarden gegen Kaiser Friedrich I. ausgezeichnet, nahm hierauf das Kreuz, schlug und tötete 1186 auf der Fahrt vor Konstantinopel den Empörer Alexis Branas, wofür er vom Kaiser Isaak Angelos mit der Hand einer kaiserlichen Prinzessin, Theodora, und dem Rang eines Cäsar belohnt wurde. Auf die Kunde von dem Fall Jerusalems setzte er 1187 seine Fahrt nach Palästina fort, rettete Tyros, zu dessen Fürsten er ernannt wurde, vor feiger Übergabe und verteidigte es tapfer gegen Saladin, selbst als dieser Konrads bei Tiberias gefangenen Vater, den alten Markgrafen Wilhelm, in den Bereich der Geschosse der Belagerten führte. 1189 schloß er sich dem Kreuzheer an, welches Akka belagerte, und zeichnete sich durch kühne Thaten aus. Voller Ehrgeiz strebte er nach dem Rang eines Königs von Jerusalem, bewog daher 1191 Elisabeth, die Schwester der verstorbenen Königin Sibylle, sich von ihrem Gemahl Honfroi scheiden zu lassen und sich mit ihm zu vermählen, und suchte im engsten Bund mit König Philipp von Frankreich sein Ziel zu erreichen, während Guido sich an Richard Löwenherz anschloß. Ein heftiger Krieg entspann sich, den eben ein Vergleich vermitteln sollte, als K. auf Befehl des Alten vom Berge, des Hauptes der Assassinen, deren Rache K. durch Beraubung eines Assassinenschiffs herausgefordert hatte, 28. April 1192 in Askalon erdolcht wurde. Vgl. Th. Ilgen, Markgraf K. von Montferrat (Marburg 1880).

[Schwaben.] 9) K. der jüngere, Herzog von Schwaben, s. Konradin.

Konrad (Pfaffe K.), s. Rolandslied.

Konrad Fleck, Dichter, s. Fleck 1).

Konrad, Schenk von Landeck, Minnesänger aus dem 13. Jahrh., stammte aus dem Thurgau und ist von 1271 bis 1304 urkundlich nachgewiesen. Sein Geschlecht versah das Schenkenamt in der Abtei zu St. Gallen. Seine Lieder sind in v. d. Hagens "Minnesingern" (Bd. 1, Leipz. 1838) abgedruckt. Vgl. "Zwei St. Gallische Minnesänger" (hrsg. vom Historischen Verein, St. Gallen 1866).

Konrad von Fußesbrunnen, mittelhochd. Dichter, wahrscheinlich aus Fuezprun bei Krems in Niederösterreich gebürtig, in Urkunden dortiger Gegend um 1182-86 nachgewiesen, verfaßte nach lateinischer (oder französischer) Quelle eine Legendendichtung von der "Kindheit Jesu", herausgegeben in Hahns "Gedichten des 12. und 13. Jahrhunderts" (Quedlinb. 1840), von Feifalik (Wien 1859) und von Kochendörffer (in Scherers "Quellen und Forschungen", Heft 43, Straßb. 1881).

Konrad von Heimesfurt, mittelhochd. Dichter, aus der ersten Hälfte des 13. Jahrh., vermutlich aus dem öttingischen Dorf Heinsfurt gebürtig, geistlichen Standes, besingt die Himmelfahrt der heiligen Jungfrau nach einer lateinischen Quelle ("Von unser vrouwen hinvart", hrsg. von Pfeiffer 1851 in Haupts Zeitschrift, Bd. 8, S. 156-200). Auch ist er, wie zuerst Pfeiffer nachwies, Verfasser des Gedichts "Urstende" (abgedruckt in Hahns "Gedichten des 12. und 13. Jahrhunderts", Quedlinb. 1840).

Konrad von Hochstaden (Hostaden), Erzbischof von Köln, Sohn des Grafen Lothar von Hochstaden, bestieg 1238 den erzbischöflichen Stuhl in Köln und lebte mit seinen Nachbarn, besonders mit den Herzögen von Brabant und den Grafen von Limburg und Jülich, in längerer, mit der Stadt Köln aber in beständiger Fehde. Sein Bistum regierte er gut. Als er sich mit dem Erzbischof von Mainz gegen den Kaiser erhob, ward er 1242 vom Grafen von Jülich bei Lechenich geschlagen, schwer verwundet und gefangen, nahm aber, wieder frei, den Kampf von neuem auf und krönte Friedrichs II. Gegenkaiser Wilhelm von Holland 1248 zu Aachen und Richard von Cornwallis, dessen Wahl in Frankfurt 13. Jan. 1257 er gegen eine "Handsalbe" von 12,000 Mark besonders betrieben hatte, 17. Mai d. J. in Köln. Er starb 28. Sept. 1261. Unter ihm ward 1248 der Bau des Kölner Doms begonnen. Vgl. Cardauns, K. v. H., Erzbischof von Köln (Köln 1880).

Konrad von Hohenburg, Minnesänger aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrh., aus dem Elsaß stammend, nahm an dem Krieg Rudolfs von Habsburg gegen Ottokar von Böhmen (1276-78) teil und führte den Beinamen "der Puller". Seine Minnelieder sind in v. d. Hagens "Minnesingern" (Bd. 3, Leipz. 1838) abgedruckt.

Konrad von Lichtenau, gewöhnlich Conradus Urspergensis genannt, deutscher Chronist, stammte aus einem schwäbischen Adelsgeschlecht, lebte eine Zeitlang am kaiserlichen Hof und wurde wahrscheinlich während eines zeitweiligen Aufenthalts in Rom Mönch und 1226 Abt des Prämonstratenserklosters zu Ursperg in Bayern, wo er 1240 starb. Man hielt ihn sonst für den alleinigen Verfasser eines für die deutsche Geschichte wichtigen "Chronicon", von Ninus' Zeit bis 1229. Nach neuern Untersuchungen rührt jedoch dessen 1. Teil (bis 1101) von dem Abt Ekkehard I. von Urach bei Würzburg her; Abt Burchard von Ursperg und dessen Nachfolger K. schrieben die Fortsetzung, die bis 1229 reicht; Kaspar Hedion setzte es bis 1537 fort. Die erste Ausgabe besorgte Peutinger (Augsb. 1515), die letzte erschien zu Straßburg 1609; neuerlich in Pertz' "Monumenta Germaniae historica" (Separatausg., Hannov. 1874).

Konrad von Marburg, berüchtigter "Ketzermeister", wahrscheinlich dem Orden der Predigermönche (Dominikaner) angehörig, wurde von Papst Gregor IX. als Visitator der Klöster nach Deutschland gesandt, ward hier 1226 Beichtvater der Landgräfin Elisabeth von Thüringen, auf welche er namentlich nach dem Tod ihres Gemahls (1227), als sie sich nach Marburg zurückgezogen, einen großen Einfluß ausübte, und die er ganz für seine asketische Richtung gewann. Gelehrt, beredt und unsträflichen Wandels, aber auch einseitig und herrschsüchtig, wollte er alles seiner mönchischen Askese unterwerfen und jede Abweichung von den kirchlichen Grundsätzen mit Feuer und Schwert bekämpfen. Er führte die Glaubensgerichte ein, und