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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Konstanze; Konstanzer Konzil

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Konstanze - Konstanzer Konzil.

1211 qkm (22 QM.), ohne jene 275 qkm (5 QM.), umfassend, erstreckte sich vom mittlern Neckar bis zum St. Gotthardpaß über den größten Teil der deutschen Schweiz, das südliche Baden und Württemberg, gehörte zur Erzdiözese Mainz und war der größte bischöfliche Sprengel Deutschlands. Das Domkapitel befand sich in K.; der Bischof residierte in Meersburg und war Reichsstand. 780 erscheint K. als Stadt, war anfangs den Herzögen von Alemannien untergeben und diente öfters zum Sitz von Reichstagen und geistlichen Versammlungen. Hier hielt Kaiser Heinrich III. 1043 seine glühende Rede gegen die Simonie und ordnete den Landfrieden an; hier schloß Friedrich Barbarossa 1183 den Frieden mit den lombardischen Städten (s. oben). Unter den hier gepflegten Gewerben stand obenan die Leinweberei, die Tela di Costanza war in ganz Europa bekannt. Unter Heinrich VI. wurde K. 1192 Reichsstadt und von Wilhelm von Holland in ihren Freiheiten bestätigt. 1331 bildete es mit andern Reichsstädten den Schwäbischen Städtebund. Als Kaiser Karl IV. K. den Bischöfen unterwerfen wollte, verband es sich 1380 mit mehreren andern deutschen Städten und erhielt von König Wenzel sogar den Blutbann. Im 15. Jahrh. bildete die dort 1414-18 abgehaltene Kirchenversammlung (s. Konstanzer Konzil) den Glanzpunkt der Geschichte der Stadt. Vornehmlich durch die Einwirkung des Predigers Blaurer schloß sich K. der Reformation an, worauf das Domkapitel die Stadt verließ. Diese trat 1528 in einen Bund mit Zürich und Bern, wurde aber 1529 von den Urkantonen an Österreich überlassen. Auf dem Reichstag zu Augsburg reichte K., welches darauf dem Schmalkaldischen Bund beitrat, mit Lindau, Memmingen und Straßburg 9. Juli 1530 die Confessio tetrapolitana ein. Als K. die Annahme des Interim verweigerte, ward es 1548 vom Kaiser in die Acht erklärt und von dem spanischen Obersten Alfons Vivez, wiewohl vergeblich, angegriffen. Eine Reaktion in der Bürgerschaft führte jedoch die Unterwerfung unter das Haus Österreich herbei, welche in ihrem Gefolge die Herstellung des katholischen Bekenntnisses hatte. 1633 verteidigten sich die Bürger vom 7. Sept. bis 5. Okt. mit Erfolg gegen die Schweden. 1677 ward während der französischen Okkupation des Breisgaues die Freiburger Universität zeitweilig hierher verlegt. Der Wohlstand der Stadt sank, der Leinenhandel zog sich nach St. Gallen, die Messe nach Zurzach. Kaiser Joseph II. suchte vergebens die Stadt durch Herzuführung einer Genfer Kolonie zu heben. 1806 fiel K. an Baden, das Bistum wurde 1803 säkularisiert und 1821 gänzlich aufgehoben. Die Eisenbahnen brachten für K. eine neue Blütezeit, während die Bevölkerung, durch den Bischof Freiherrn von Wessenberg (s. d.) aus den Fesseln einer verkommenen Geistlichkeit und aus den Banden des Mittelalters befreit, im Kampfe für freiheitliche Entwickelung des engern und weitern Vaterlandes mutig eintrat. Im vorigen Jahrzehnt war K. Mittelpunkt der Bestrebungen der Altkatholiken im südwestlichen Deutschland gegen die römische Hierarchie, und der dritte Altkatholikenkongreß ward vom 12. bis 14. Sept. 1873 hier abgehalten. Vgl. Eiselein, Geschichte und Beschreibung der Stadt K. (Konstanz 1851); Ladewig, Regesta episcoporum Constantinensium (Innsbr. 1886); Marmor, Führer durch K. (3. Aufl., Konst. 1874); Derselbe, Geschichtliche Topographie der Stadt K. (das. 1860); Leiner, K. und seine Umgebung (Zürich 1880).

Konstanze (Constantia), 1) Tochter des normänn. Königs Roger II. von Sizilien und nach dem 1189 erfolgten Tod ihres Neffen Wilhelm II. Erbin des Reichs. Da sie sich 1186 mit Heinrich, Sohn Friedrich Barbarossas, vermählt hatte, so kam hierdurch das sizilische Reich an das hohenstaufische Haus. Doch mißlang der erste Versuch ihres Gemahls, das Reich in Besitz zu nehmen (1191); ja, K. geriet in die Gefangenschaft ihres Gegners Tancred, der sie 1192 großmütig entließ. Erst nach dessen Tod kam Sizilien an Heinrich VI. Am 26. Dez. 1194 gebar K. den nachmaligen Kaiser Friedrich II. Nach Heinrichs VI. Tod 1197 warf sie sich dem Papst Innocenz III. in die Arme, der auf ihre Bitte ihr Söhnlein Friedrich mit Sizilien und Neapel belehnte, dafür aber Verzicht auf wichtige kirchliche Rechte verlangte. K. starb 27. Nov. 1198, nachdem sie noch den Papst zum Vormund ihres Sohns eingesetzt hatte.

2) Schwester des Königs Peter von Aragonien, Gemahlin des Königs Emerich von Ungarn und nach dessen Tod 1209 des erst 15jährigen Hohenstaufen Friedrich II., welchem sie einen Sohn, Heinrich (gest. 1242), gebar; sie selbst starb 1223.

3) Tochter des Hohenstaufen Manfred, wurde 1262 Gemahlin des Königs Peter von Aragonien, welcher auf Grund dieser Verbindung 1283 dem Karl von Anjou Sizilien entriß. Nach Peters Tod 1285 ließ K. ihren Sohn Jakob zu Palermo trotz des Widerspruchs des Papstes zum König krönen. Doch söhnte sie sich wieder mit ihren Gegnern aus und gab sogar ihre Tochter Violante dem Sohn Karls von Anjou, Robert von Kalabrien, zur Ehe. Sie starb 1302.

Konstanzer Konzil, die 1414-18 in Konstanz abgehaltene Kirchenversammlung, welche das päpstliche Schisma und die Ketzereien Huß' beseitigen und eine Reform der Kirche vornehmen sollte. Dasselbe ward auf Betrieb des Kaisers Siegmund von Papst Johann XXIII. berufen und 5. Nov. 1414 eröffnet. Anteil an demselben nahmen außer dem Kaiser fast alle Kurfürsten, die meisten Reichsfürsten, ein zahlreicher Adel, die Gesandten aller katholischen Könige sowie auch der Griechen und Russen; von Geistlichen dagegen erschienen, außer Papst Johann XXIII. und den Legaten seiner beiden Gegenpäpste, 3 Patriarchen, 33 Kardinäle, 47 Erzbischöfe, 145 Bischöfe, 124 Äbte, 750 Doktoren, 18,000 Priester und Mönche. Zugleich mit den handelnden Personen war eine große Menschenmenge damals in Konstanz zusammengedrängt, darunter 700 fahrende Frauen und 346 Schauspieler, Gaukler etc. Die Zahl der dauernd sich Aufhaltenden wurde auf 50,000, die der Besucher auf das Dreifache geschätzt. Denn die weltlichen und geistlichen Fürsten wetteiferten in der Menge und Pracht ihres Gefolges, in dem Pomp ihrer Aufzüge und ihres Hofhalts. Nachdem das Übergewicht des Papstes Johann und des italienischen Klerus dadurch beseitigt worden war, daß die Abstimmung nicht nach Personen, sondern nach Nationen (Italiener, Deutsche, Franzosen, Engländer und später auch Spanier) bestimmt wurde, nahm das Konzil zunächst die Beseitigung des Schismas (causa unionis) vor. Johann XXIII. wurde zur Abdankung bewogen (1. März 1415), und als er floh, seinen Verzicht zurücknahm und das Konzil auflösen wollte, erklärte das Konzil auf Anregung Johann Gersons durch das Dekret Sacrosancta (6. April), daß dem Konzil die höchste Autorität der Christenheit innewohne, und daß es über dem Papste stehe, und entsetzte Johann XXIII. 29. Mai seines Amtes. Gregor XII. entsagte freiwillig (4. Juli 1415), und Benedikt XIII. wurde von seinen Anhängern verlassen und 26. Juli 1417 abgesetzt. Die Neuwahl eines