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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Konvokation - Konzeptakulum.

der Größe des Transports und der Gefahr eines Zusammenstoßes mit dem Feind, verschieden stark, besteht aus einer oder aus mehreren Waffengattungen und versieht den Sicherheitsdienst während des Marsches oder während der Fahrt und den Wachtdienst während der Ruhe. Zur See besteht der K. (Konvoiierung) in der Begleitung von Kauffahrteischiffen durch Kriegsschiffe einer neutralen Macht. Ein solches Geleit dient dazu, das lästige Durchsuchungsrecht (s. d.) zur Kriegszeit unanwendbar zu machen. Die Holländer nahmen zuerst ein Geleitsrecht (Droit du convoi) in dem Sinn an, daß der neutrale Staat die Handelsschiffe seiner Unterthanen von seinen Häfen aus bis zu ihrem Bestimmungsort durch Kriegsfahrzeuge begleiten läßt, und daß die Undurchsuchbarkeit der letztern auf die geleiteten Schiffe ausgedehnt wird, wogegen der neutrale Staat die Verantwortlichkeit für etwanige Neutralitätsverletzungen durch die konvoiierten Handelsschiffe übernimmt und dieselben in dieser Hinsicht zu überwachen hat. Früher bestand vielfach sogar ein förmlicher Konvoizwang, indem Kauffahrer in Kriegszeiten bei Strafe und Verlust des Versicherungsanspruchs nicht auf eigne Gefahr absegeln durften und zum Anschluß an die von der Regierung angeordneten Konvois sowie zur Befolgung der vom Befehlshaber ausgehenden Signale verpflichtet waren.

Konvokation (lat.), Zusammenberufung, besonders zur Zeit des Deutschen Reichs die gemäß der Goldenen Bulle von dem Kurfürsten zu Mainz erlassene Zusammenberufung der Reichsstände zur Kaiserwahl; dann insbesondere auch die Versammlung von Abgeordneten des englischen Klerus zur Zeit des Parlaments, die über geistliche Angelegenheiten zu beratschlagen hat. Sie heißt national, wenn die Provinzen Canterbury und York sich dazu vereinigen, provinzial, wenn sie nur von einer der beiden Provinzen abgehalten wird. Sie hat ein Ober- und ein Unterhaus, kommt auf königlichen Befehl (writ) zusammen, und ihre Beschlüsse bedürfen der königlichen Sanktion. Sie geriet seit 1665 in Verfall und hat in der neuern Zeit nur noch in dogmatischen Fragen, z. B. 1863 in der Angelegenheit des Bischofs Colenso (s. d.), einige Thätigkeit entwickelt.

Konvolut (lat.), ein "zusammengerolltes" oder zusammengebundenes Paket Schriften, Briefe etc.

Konvolute, s. v. w. Volute.

Konvolvulaceen (windenartige Gewächse), dikotyle Familie aus der Ordnung der Tubifloren, Kräuter, Stauden und Sträucher mit meist windendem Stengel, variabeln Blättern und regelmäßigen, fünfzähligen Blüten, deren Blumenkrone oft trichter- oder glockenförmig gestaltet und in der Knospe rechts gedreht ist. Die fünf der Blumenkrone eingefügten Staubblätter wechseln mit den Saumabschnitten derselben ab. Das oberständige, meist von einer Drüsenscheibe umgebene Ovar wird von 2-5 Karpiden gebildet und entwickelt sich zu einer mit Klappen aufspringenden Kapsel, die ein- oder zweisamige Fächer aufweist. Die Samen enthalten in einem spärlichen Endosperm einen gekrümmten Keimling. Vgl. Choisy, Convolvulaceae, in De Candolles "Prodromus", Bd. 9. Die über 800 Arten zählende Familie ist am stärksten in den heißen Klimaten vertreten und wird gegen die Pole hin seltener; in Deutschland kommt sie nur noch in wenigen Arten der wichtigsten Gattung Convolvulus L. (Winde) vor. Manche K. enthalten in ihren Wurzeln einen Milchsaft von drastisch purgierender Wirkung, der bei manchen in der Medizin angewendet wird (Jalappenwurzel, Skammonium). Dagegen dienen die Knollen von C. Batatas L. in den Tropenländern als Nahrungsmittel. Wegen ihrer schönen Blüten sind manche K. beliebte Zierpflanzen. Einige Arten von Convolvulus L. und Porana Burm. finden sich fossil in Tertiärschichten.

Konvolvulin, s. Ipomaea.

Konvozieren (lat.), zusammenberufen.

Konvulsion (lat.), Gliederkrampf, Gliederzucken (s. Krampf); konvulsivisch, krampfhaft.

Konvulsionäre (franz. Convulsionnaires), durch die Verfolgungen der Jansenisten und Appellanten 1730 hervorgerufene Schwärmersekte in Frankreich. Ihr Sammelpunkt war der Kirchhof des heil. Medardus in einer Vorstadt von Paris, wo sich am Grab des 1727 verstorbenen Franz von Paris eine große Volksmenge an überspannten Gebeten, Verzückungen und Wundern erfreute. Das Unwesen erreichte einen so hohen Grad, daß endlich (1732) die Regierung den Zugang zu dem Grab vermauern ließ. Vgl. Mathieu, Histoire des miraculés et des convulsionnaires (Par. 1864).

Konz (Conz), Pfarrdorf im preuß. Regierungsbezirk und Landkreis Trier, an der Saar, Knotenpunkt der Linien Saarbrücken-K., K.-Ehrang und Karthaus-K. der Preußischen Staatsbahn, 126 m ü. M., hat eine neue kath. Kirche, Ruinen eines Römerkastells, eine gut erhaltene Römerbrücke, eine Eisenbahn-Reparaturwerkstatt, Weinbau und (1885) 1579 Einw. An der erwähnten Brücke 11. Aug. 1675 Sieg der Kaiserlichen unter dem Herzog Karl von Lothringen über die Franzosen unter Créqui.

Konzedieren (lat.), etwas zugestehen, einräumen.

Konzentration (lat.), Beziehung verschiedener Punkte, Gegenstände etc. auf einen gemeinsamen Mittelpunkt (vgl. Konzentrieren). Im Unterrichtswesen nennt man K. das Streben, die durch die vielseitigen Ansprüche des Lebens an den einzelnen gebotene Mannigfaltigkeit der Unterrichtsgegenstände durch gegenseitige Beziehung aufeinander und auf den gemeinsamen Zweck alles Unterrichts für die Schüler möglichst übersichtlich und einfach zu gestalten. Dies Bestreben ist berechtigt und für den Erfolg des Unterrichts von hohem Werte. Doch darf die K. nicht auf Kosten der Vollständigkeit der Verstandesbildung oder durch unnatürliche Einschachtelung des einen Lehrstoffs in den andern geschehen. Einseitig ist es deshalb, wenn man für verschiedene Schulen die Mittelpunkte ausschließlich in einzelnen Lehrfächern hat finden wollen, z. B. für das Gymnasium in den alten Sprachen, für die Volksschule in der Religion etc.

Konzentrieren (franz.), in ein Zentrum oder einen Mittelpunkt zusammendrängen, in einen Brennpunkt sammeln, zusammenziehen, auch im übertragenen Sinn; gehaltreich, stark machen, besonders in der Technologie durch Ausscheidung fremder oder unwirksamer Bestandteile (Destillation, Abdampfung etc.). Vgl. Konzentration.

Konzentrisch (franz.), einen gemeinschaftlichen Mittelpunkt habend; konzentrischer Angriff, in der Kriegskunst ein solcher, der von verschiedenen Seiten her auf einen gemeinschaftlichen Punkt gerichtet ist.

Konzept (lat.), Entwurf eines Schriftstücks; Fassung. Daher: jemand aus dem K. bringen, ihm das K. verrücken, s. v. w. die Ordnung seiner Gedanken stören, seinen Plan verwirren; aus dem K. kommen, s. v. w. irre werden, stocken.

Konzeptakulum (lat.), Behältnis.