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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Korbwerk; Kord; Kordax; Korden; Kordiaceen; Kordial; Kordieren; Kordilleren

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Korbwerk - Kordilleren.

nigfaltigkeit des Flechtwerks und eine gewisse Zierlichkeit der Arbeit aus, während die Dauerhaftigkeit nur an den bessern Artikeln aus Spanischem Rohr zu rühmen ist. Vgl. Brockmann, Handbuch für Korb- und Strohflechter (2. Aufl., Weim. 1882); Ash, Vorlagen für Korbflechter (das. 1886); Andes, Handbuch für Korbflechter (Wien 1887).

Korbwerk, im Wasserbau ein aus kleinen, halbkugelförmig gebildeten Körben, deren offener Teil sich an das Ufer schließt, hergestellter Uferbau.

Kord, eine Art Manchester (s. d.).

Kordax, der Tanz des Chors in der altgriech. Komödie, der übrigens auch von Schauspielern auf der Bühne getanzt wurde; war von ausgelassenem, obscönem Charakter.

Korden (franz. cordes), Schnüre an den Webstühlen zu gemusterten Stoffen, mittels welcher die Kettenfäden aufwärts gezogen werden; dann auch (Kordeln) schmale Besetzung auf Kleidern, von Seide in allen Mustern, Farben und Breiten, in den Bandfabriken und von Posamentieren verfertigt; die zu Spitzen zusammengeklöppelten K. heißen Kordelspitzen.

Kordiaceen, dikotyle, vorzugsweise den Tropen angehörige Familie aus der Ordnung der Tubifloren, nach Bentham und Hooker eine Untergruppe der Borragineen bildend, Holzpflanzen mit typischen Borragineenblüten, aber mit ungeteiltem Ovar, terminalem, doppelt zweispaltigem Griffel und längsgefalteten Kotyledonen. Vgl. Bentham und Hooker, Genera plantarum, Bd. 2. - Eine Art der Gattung Cordia R. Br. kommt fossil in Tertiärschichten vor.

Kordial (lat.), herzlich, vertraut, vertraulich; als Substantiv (das K.) ein magenstärkender Schnaps oder Likör; Kordialität, Herzlichkeit, Vertraulichkeit.

Kordieren (franz. corder, cordonner), Gold- und Silberdraht, welcher zu Schmuckwaren, Filigran etc. bestimmt ist, mit feinen, seichten Schraubengängen versehen, um ihm das Ansehen einer aus feinen Fäden zusammengedrehten Schnur zu geben. Man benutzt hierzu die Kordiermaschine, bei welcher der Draht durch eine schnell rotierende Spindel geleitet wird, die eine kleine Schraubenkluppe oder ein feines Schneideeisen in sich trägt.

Kordilleren (span. Cordilléras, spr. -dillje-, "Bergketten"), Beiname verschiedener Gebirge in Südamerika, wird dann aber auch als Gesamtname auf das ungeheure Gebirgssystem angewendet, welches den ganzen Erdteil Amerika von dem Feuerland-Archipel bis zur Beringsstraße im N. in geringer Entfernung vom Stillen Ozean in einer Längenerstreckung von mehr als 15,000 km durchzieht. Wenn auch die Kontinuität dieser gewaltigen Gebirgserhebung, wie neuere Forschungen nachgewiesen haben, an mehreren Stellen in Mittelamerika, wie auf den Landengen von Panama, Nicaragua und Tehuantepec, Unterbrechungen erleidet (vgl. Amerika, Bodengestaltung), so stellt sich diese Massenerhebung doch in dem großen Rahmen der Oroplastik der Neuen Welt, in ihrer Einwirkung auf die Hydrographie, das Klima, die Tier-, Pflanzen- und Menschenwelt des Kontinents immerhin als ein einziger mächtiger Gebirgswall dar, der den Erdteil vom Stillen Ozean scheidet, ihn mit seinem Verkehr wesentlich auf das Atlantische Meer hinweist, und für den die Bezeichnung "K." als Gesamtname sich am meisten empfiehlt. Durch jene Unterbrechungen aber, welche diese K. durch tiefe Einsenkungen erleiden, scheidet sich das ganze System in eine Anzahl Unterabteilungen, deren wir namentlich vier anzunehmen haben: 1) die südamerikanischen Cordilleras de los Andes oder die Andes schlechthin, vom Feuerland bis zur Senke auf dem Isthmus reichend; 2) die mittelamerikanischen K., von hier bis zur Einsenkung von Tehuantepec sich erstreckend; 3) das Hochland von Mexiko, welches wiederum durch eine Einsenkung zwischen dem Gilaplateau und dem Rio Grande nur schwach geschieden ist von 4) den nordamerikanischen K., welche bis zum Arktischen Meere reichen. Diese einzelnen, in mancher Beziehung selbständigen Glieder des großen Hauptgebirgssystems der K. unterscheiden sich in ihrem Gesamtcharakter in der Weise, daß in Mittelamerika niedrige Tafelländer mit nur zerstreut aufgesetzten Vulkanschloten ohne bedeutendere Gesamterhebung überwiegen, daß in Mexiko gewaltige Hochebenenbildungen zwischen minder bedeutenden Randgebirgen vorherrschen, während im eigentlichen Nordamerika wie in Südamerika der Typus des Gebirges bezeichnet ist durch die Einschließung großer Hochebenen zwischen hohen Kettengebirgen. Diese wie jene erreichen in Südamerika, in Bolivia, Kolumbien und Peru ihre höchste Erhebung; in Nordamerika dagegen ist die Breitenausdehnung der Hochebenen und die Zahl und reiche Gliederung ihrer Gebirge eine um so größere. S. die "Fluß- und Gebirgskarten von Nord- und Südamerika".

1) Das Andessystem (oder die südamerikanischen K.) läßt zunächst seinem Bau nach drei Hauptabteilungen erkennen: die einkettigen Südandes, die doppelkettigen Mittelandes, mit plateauartigen Hochthälern und Gebirgsknoten und meerabgeschlossenen, salzigen Hochseen, und die ohne wieder vereinigende Knoten divergierenden Nordandes mit Tiefthälern. Gewöhnlicher werden sie jedoch nach den Ländern abgeteilt, welche sie durchziehen, und so unterscheidet man die K. Patagoniens und Chiles (die erste Abteilung), die von Bolivia, Peru und Quito (die zweite) und die von Kolumbien (die dritte Abteilung). In den Gebirgen des Feuerland-Archipels beginnend, erheben sich die dicht an die Küste des Ozeans herantretenden K. von Patagonien, mit einer Kammhöhe von höchstens 1000 m, deren höchste Gipfel der Vulkan Minchinmadiva (2438 m) und der gleichfalls vulkanische Nevado de Corcovado (2289 m) zu sein scheinen. Die der von Fjorden zerrissenen Küste vorgelagerten Inseln sind als die Trümmer einer westlicher, niedrigern Gebirgskette zu betrachten. Vom 42.-25.° südl. Br. zieht sich die schmale Kette der K. von Chile, mit einer mittlern Kammhöhe von 3-4000 m und bedeutenden, nordwärts an Höhe rasch zunehmenden Hochgipfeln (darunter der 6834 m hohe Aconcagua). Der Ostabfall geschieht stufenartig durch vorgelagerte Berglandschaften oder (im N.) durch Hochebenen; im W. fällt das Gebirge steil zum Stillen Ozean ab (vgl. Chile). Etwa am Wendekreis des Steinbocks beginnen die K. von Bolivia und Peru, indem sich aus einem mächtigen Plateau, in das sich die K. von Chile an ihrem nördlichen Ende ausbreiten, zwei gewaltige Gebirgsketten erheben, mit weiten Verzweigungen gegen O., an deren Fuß ein Saum von Sümpfen und Urwaldungen sich hinzieht, während der Küstenrand dürr und sandig ist. Von den beiden Hauptketten streicht die westliche (peruanische), die Küstenkordillere, auch speziell als Andes bezeichnet, mit einer mittlern Kammhöhe von gegen 4700 m längs des Ufers des Ozeans, zu dem sie jäh abfällt, mit zahlreichen kegel- oder glockenförmigen Vulkangipfeln (darunter der 6415 m hohe Sahama, der höchste thätige Vulkan der Erde) bis weit in die