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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Korkbildnerei - Kormoran.

Korkbildnerei (griech. Phelloplastik), die von dem Architekten Agostino Rosa in Rom um 1780-1790 erfundene Kunst, römische und griechische Baudenkmäler aus geschnittenem Kork in verjüngtem Maßstab darzustellen. In Deutschland brachte der Baurat May in Aschaffenburg seit 1795 diese Kunst auf eine hohe Stufe der Vollkommenheit, indem er sie auf Nachbildung gotischer Bauwerke anwendete. Die käuflichen Korktafeln werden durch Pressen zwischen Holztafeln geebnet und dann abgehobelt. Die Zerteilung und fernere Ausarbeitung wird mittels Laubsägen, Lochsägen, scharfer Messer, Grabstichel, Raspeln, Preßformen von hartem Holz, Messing oder Eisen etc. bewirkt. Die Nachbildungen in Kork übertreffen diejenigen in Holz, Pappe und Papiermaché, indem die natürliche Beschaffenheit des Korks schon das Ansehen der vom Zahn der Zeit angegriffenen Mauerwerke nachahmt; doch ist die K. gegenwärtig durch die Menge neuerer mechanischer Reproduktionsmittel in den Hintergrund gedrängt worden. Vgl. "Felloplastik, oder die Kunst, Modelle von antiken Gebäuden in Kork darzustellen" (Gotha 1804).

Korke (Flaschenkorke), s. Kork und Flaschen.

Korkholz, Bezeichnung mehrerer Holzarten, welche in ihren physikalischen Eigenschaften dem Kork gleich- oder nahekommen und denselben in der Homogenität oft entschieden überragen. Die Abstammung dieser Hölzer ist noch keineswegs bekannt. Man bezeichnet als Stammpflanzen Hibiscus tiliaceus Cav. (Malvacee) in Indien und Zentralamerika, Bombax Conyza Burm. (Malvacee) auf Ceylon, Ochroma lagopus Swartz (Malvacee) in Westindien, Pterocarpus Montouchi Poir. (Papilionacee) in Südamerika u. a.

Korkkloster, s. Cintra.

Korkmaschinen, s. Flaschen.

Korkpresse, s. Flaschen.

Korkschneidemaschine, s. Kork.

Korkschwarz, s. Frankfurter Schwarz.

Korkteppich (auch Linoleum), ein auf wasserdichtes Segeltuch aufgetragener, hauptsächlich aus pulverisiertem Korkholz und oxydiertem Leinöl bestehender Fußbodenbelag, welcher der Feuchtigkeit und Trockenheit, Hitze und Kälte widersteht, das Geräusch des Gehens fast vollständig aufhebt und besonders häufig in England nach einem patentierten Verfahren angewendet wird. Das früher hierzu gebräuchliche, ähnlich zusammengesetzte Kamptulikon (s. d.) entbehrte der Leinwandunterlage, erhielt infolge davon beim Schwinden der Fußböden nicht selten Risse und ward daher durch das Linoleum verdrängt. Auf den Korridoren werden die Korkteppiche als Läufer, in den Zimmern in genau abgepaßten Streifen nebeneinander gelegt, welche mit einfachern oder reichern Mustern bedruckt werden und in diesen Räumen den Eindruck einer gewissen Eleganz und Behaglichkeit machen. Bei der Geschmeidigkeit und dem Gewicht dieser Teppiche bedürfen sie nicht überall einer Befestigung auf dem Boden; auf stark frequentierten Holzfußböden erhöht ein Aufkleben mittels Tapezierkleisters ihre Dauer, während sie auf Steinplatten mittels eines besondern Zements befestigt werden. Das Reinigen der Korkteppiche geschieht gewöhnlich durch Kehren, von Zeit zu Zeit durch Abbürsten mit Wasser ohne Anwendung von Soda.

Korkwarzen, s. Lenticellen.

Korkyra (Kerkyra, griech.), alter Name der Insel Korfu (s. d.).

Korkzellen, s. Kork und Zelle.

Korkzieher zum Entkorken von Flaschen, eine flach gedrehte Schraube mit Handgriff, oft mit Hebelwerk versehen, welches sich auf die Flaschenmündung stützt und den Kork leicht hebt. Bei einer andern Konstruktion wird die abwärtsgehende Bewegung der Schraube an einem bestimmten Punkt gehemmt, so daß bei weiterer Drehung der Kork gehoben wird. Statt der Schraube werden bisweilen auch Federn angewandt. Zum Herausholen von Korken, welche in die Flaschen hineingedrückt sind, dienen Vorrichtungen mit drei an den Enden umgebogenen Drähten, zwischen welche man den Kork fallen läßt. Die Drähte werden dann durch einen Ring zusammengepreßt und herausgezogen.

Körlin, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Köslin, Kreis Kolberg-K., an der Persante und der Linie Belgard-Kolberg der Preußischen Staatsbahn, hat ein Amtsgericht, Metallgießerei, eine Dampfschneidemühle, Bierbrauerei und (1885) 3135 meist evang. Einwohner. K. war im 15. Jahrh. Residenz der Bischöfe von Kammin, denen es seit 1240 gehörte.

Körmend, Markt im ungar. Komitat Eisenburg, an der Raab, Station der Ungarischen Westbahn, hat 3 Kirchen, ein prachtvolles Schloß des Fürsten Batthyány (mit wertvollen Sammlungen von Maschinenmodellen und Waffen) und (1881) 4725 Einw. (Ungarn und Deutsche).

Kormlā (russ.), das lebenslängliche Nutznießungsrecht an einer fremden Sache, wie es im altrussischen Rechtsleben vielfach vorkam.

Kormlenije (russ.), die früher in Rußland als Nutzungsrecht verliehene Jurisdiktionsbefugnis. Bei diesem System, welches zu den größten Mißbräuchen führte, flossen die Geldstrafen und Gebühren in die Kasse der also beliehenen Dienstleute.

Kormophyten (griech., stammbildende Pflanzen), alle diejenigen sporentragenden Gewächse, welche einen mit Blättern besetzten Stamm sowie echte Wurzeln entwickeln und Gefäßbündel besitzen, im Gegensatz zu den Thallophyten, denen weder Stamm, noch Blätter, noch Wurzeln im botanisch-morphologischen Sinn, sondern ein Thallus (s. d.) zukommt, wie den Pilzen, Algen, Flechten, und zu den Bryophyten oder Moosen, denen echte Wurzeln und Gefäßbündel fehlen. Die K. umfassen die Schachtelhalme, Bärlappgewächse und Farne. Sie traten ihrer paläontologischen Entwickelung nach zuerst in devonischen Schichten auf und bildeten während der Steinkohlenperiode artenreiche, oft in Baumgestalt auftretende, später mehr und mehr aussterbende Geschlechter.

Kormoran (Scharbe, Phalacrocorax Briss.), Gattung aus der Ordnung der Schwimmvögel und der Familie der Pelikane (Pelecanidae), sehr gestreckt gebaute Vögel mit kleinem Kopf, mittellangem, zusammengedrücktem, starkhakigem Schnabel, langem, schlankem, dünnem Hals, mäßig langen, spitzen Flügeln, mittellangem, abgerundetem Schwanz, sehr kurzem, kräftigem Lauf, langen Zehen mit Schwimmhäuten, ausdehnbarem Kehlsack und nackter Kehle. Der K. (Wasser- oder Seerabe, Scholver, Haldenente, P. Carbo Dumort., s. Tafel "Schwimmvögel III") ist 92 cm lang, 150 cm breit, auf Oberkopf, Hals, Brust, Bauch und Unterrücken glänzend schwarzgrün, metallisch schimmernd, auf dem Vorderrücken und den Flügeln bräunlich geschuppt, bronzeglänzend, Schwingen und Steuerfedern schwarz, an der Kehle und den Weichen weiß, mit meergrünen Augen, schwarzem, an der Wurzel gelblichem Schnabel, nackter, gelber Kehl- und Gesichtshaut und schwarzen Füßen. Während der Zeit der Fortpflanzung entwickeln sich besonders beim männlichen K. sehr bald ausfallende, weiße, haarartige Federn am Kopf. Der K. findet