Schnellsuche:

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Kosak Luganskij; Kosakenposten; Kosani; Kosch, El; Koschat; Koscher; Koschmin; Koschütz; Kosciuszko

111

Kosakenposten - Kosciuszko.

K. die Karawanen in den Wolgaländern und die Kaufleute auf dem Kaspischen Meer. Diesem Unwesen zu steuern, unternahm der Stolnik Muraschkin einen Zug gegen die K. und zersprengte sie. Ein Teil floh unter Jermak nordwärts an die Kama, von wo aus sie die Eroberung Sibiriens unternahmen; andre flüchteten zum Kaspischen Meer, noch andre sammelten sich in Banden wieder an der Wolga und bildeten so, durch Auswanderer vom Don und der Ukraine vermehrt, die Wolga-K. 1737 wurden sie durch einen kaiserlichen Erlaß als Kosakenkorporation anerkannt. An allen Aufständen teilnehmend, unterstützten sie Rasin, später Pugatschew und wurden infolgedessen an den Terek und auf die Linie zwischen Mosdok und Asow übergeführt. Der letzte Rest der Wolga-K., welcher in Dubowka und Alexandrow zurückgeblieben war, wurde 1804 der astrachanischen Grenzwache einverleibt. - Vgl. Lesur, Histoire des Cosaques (Par. 1814, 2 Bde.); Bronewskij, Istoria Donskowa wojska (Petersb. 1834, 2 Bde.); Riegelmann, Istorija o Donskich kasakow (Mosk. 1846); Köppen, Reise ins Land der Donischen K. (Petersb. 1850); A. v. B., Die K. in ihrer geschichtlichen Entwickelung und ihren gegenwärtigen Zuständen (Berl. 1860); Krasnow, Das Land der Donischen K. (Petersb. 1863); Springer, Die K., deren historische Entwickelung etc. (Wien 1877); Erckert, Der Ursprung der K. (Berl. 1882); Choroschihin und v. Stein, Die russischen Kosakenheere (in "Petermanns Mitteilungen", Ergänzungsh. 71, Gotha 1883).

Kosakenposten, s. Sicherheitsdienst.

Kosak Luganskij, Pseudonym, s. Dahl 2.).

Kosani, Stadt im türk. Wilajet Salonichi, 25 km südwestlich von Servia, in fruchtbarer Ebene, mit 9 Kirchen, einer Bibliothek und 9-10,000 Einw. (viel Griechen), Bischofsitz. Erwerbszweige bilden Tabaks-, Wein- und Ackerbau, Safran- und Lederproduktion, Bienen- und Seidenzucht.

Kosch, El, asiatisch-türk. Dorf, nördlich von Mosul, früher Sitz des chaldäischen Patriarchen und angeblich Geburtsort des Propheten Nahum, daher ein von Juden vielbesuchter Wallfahrtsort. In der Nähe das Chaldäerkloster Rabban Hormuz.

Koschat, Thomas, Komponist, geb. 8. Aug. 1845 zu Viktring bei Klagenfurt, wirkt im Chor der Hofoper in Wien und veröffentlichte Lieder sowie Männerchöre im Kärntner Volkston, von denen mehrere (wie: "Verlassen", "Kärntner Gmüat" u. a.) durchschlagenden Erfolg erzielten. Auch hat er sich mit Glück als dramatischer Komponist versucht; sein 1880 zuerst am Wiener Hofoperntheater aufgeführtes Liederspiel "Am Wörther See" fand sowohl dort als bei anderweitigen Aufführungen ungeteilten Beifall.

Koscher (kauscher, jüdisch-deutsch), "rein", d. h. nach den jüdischen Gesetzen zum Gebrauch, namentlich zum Genuß, erlaubt.

Koschmin (Kozmin), Stadt im preuß. Regierungsbezirk Posen, Kreis Krotoschin, an der Orla und der Linie Öls-Gnesen der Preußischen Staatsbahn, hat eine neue evang. Kirche im gotischen Stil, eine kath. Kirche aus dem 10. Jahrh., eine Klosterkirche, eine Synagoge, ein evang. Schullehrerseminar (im Schloß), eine Provinzial-Gärtnerlehranstalt, ein Amtsgericht, ein Zentralgefängnis und (1885) 4259 meist kath. Einwohner (458 Juden).

Koschütz (Coschütz), Dorf in der sächs. Kreishauptmannschaft Dresden, Amtshauptmannschaft Dresden-Altstadt, hat Steinkohlenbergbau, Polstermöbel- und Nähmaschinenfabrikation, Bronzegießerei und (1885) 2004 meist evang. Einwohner.

Kosciuszko, zweithöchster Berg des Australkontinents in den australischen Alpen oder Warragongbergen, 2187 m, also nicht über die Schneegrenze hinausreichend, obwohl in seinen Schluchten oft das ganze Jahr hindurch Schnee liegt.

Kosciuszko (spr. koschzjúschko), Thaddäus, der letzte Oberfeldherr der Republik Polen, geb. 12. Febr. 1746 aus einem alten adligen Geschlecht zu Siechnowice in Litauen, besuchte die Kadettenanstalt zu Warschau, sodann auf Kosten des Staats die Militärakademien zu Versailles, Paris und Brest und trat hierauf als Hauptmann in polnische Kriegsdienste. Eine unglückliche Liebe zu Luise Sosnowska, die der Vater, Marschall von Litauen und Vizekronfeldherr Joseph Sosnowski, ihm versagte, und die ihm, als er sie entführte, gewaltsam wieder entrissen wurde, bewog ihn, Polen zu verlassen, und er trat nun 1777 als Washingtons Adjutant in nordamerikanische Dienste, in denen er bis zum Brigadegeneral stieg. 1786 nach Polen zurückgekehrt, ward er hier 1789 bei Organisation der polnischen Armee zum Generalmajor ernannt. Er erklärte sich für die auf dem Reichstag vom 3. Mai 1791 entworfene Konstitution und diente, vom Reichstag zum Generalleutnant erhoben, als Befehlshaber einer Division unter dem Oberkommando Joseph Poniatowskis. Am 18. Juni 1792 focht er in den Ebenen von Zielenice und verteidigte 17. Juli an der Spitze von 4000 Polen und mit 8 Kanonen das verschanzte Lager bei Dubienka fünf Tage lang gegen ein 18,000 Mann und 40 Geschütze zählendes russisches Korps. Nach der zweiten Teilung Polens privatisierte K. in Leipzig, wo er von der Gesetzgebenden Versammlung in Frankreich das französische Bürgerrecht erhielt. Von der polnischen Revolutionspartei mit der Leitung eines Aufstandes zur Befreiung Polens betraut, traf er 23. März 1794 in Krakau ein, wurde am 27. von der Nationalversammlung zum obersten Heerführer und Diktator proklamiert und rief in einem Manifest die Polen zur Wiederherstellung der Verfassung von 1791 auf. Nach seinem Sieg über die Russen 4. April 1794 bei Raclawice brach 18. April auch in Warschau der Aufstand aus. K. setzte eine provisorische Regierung ein und zog sodann der verbündeten preußisch-russischen Armee entgegen, ward jedoch 8. Juni bei Szczekoczny geschlagen und mußte sich nach Warschau zurückziehen, wo er durch energische Maßregeln sofort die ausgebrochenen Volksunruhen beschwichtigte. Er vollführte von hier aus glückliche Ausfälle gegen das preußisch-russische Belagerungsheer und wies alle Angriffe zurück, bis endlich der König von Preußen 6. Sept. die Belagerung aufhob. Hierauf ordnete K. die Finanzen, sicherte den Gang der Rechtspflege, hob die Leibeigenschaft auf und gab endlich der Nation in dem Hohen Nationalrat, den er errichtete, die ihm anvertraute höchste Gewalt zurück. Als die Russen wieder vordrangen, rückte er ihnen entgegen und traf 10. Okt. 1794 bei Maciejowice, 12 Stunden von Warschau, mit ihnen zusammen. Er schlug sie dreimal zurück, bis er beim vierten Angriff, von Wunden bedeckt, vom Pferd sank und in feindliche Gewalt fiel; daß er hierbei ausgerufen habe: "Finis Poloniae", hat er später selbst bestritten. Katharina II. ließ ihn in ein Staatsgefängnis bringen, Paul I. gab ihm jedoch im November 1796 die Freiheit wieder und zeichnete ihn durch Beweise seiner Achtung aus. K. begab sich hierauf nach England und 1797 nach Amerika, wo er zurückgezogen im Kreise seiner alten Waffengefährten von dem rückständigen Sold lebte, welchen die Vereinigten Staaten ihm auszahlten,