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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Kothúrn; Koti; Kotieren; Kotillon; Kotka; Kotkäfer; Kotlarewskij; Kotlin; Koto; Kotoko; Kotorinde; Kotoschichin

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Kothurn - Kotoschichin.

chenmehl-, Leim- und Lederfabriken, Spiritusbrennerei, Brauerei, Zuckerrübenbau, Gartenbau (besonders Spargel- und Erdbeerzucht), Zigarrenfabriken, Schneidemühlen, Braunkohlengruben und Ziegeleien, ansehnlichen Handel in Wolle und Getreide etc. K. ist Sitz eines Amtsgerichts, hat ein Gymnasium mit Realprogymnasium, ein Schullehrerseminar, 2 Fräuleinstifter, eine homöopathische Heilanstalt, ein herzogliches Landesgestüt, eine Landesbaumschule, Wasserleitung und Kanalisation. -

K. bestand schon im 10. Jahrh. als slawische Niederlassung Kothene; ebendaselbst schlug 1115 Otto der Reiche von Ballenstedt die Wenden. Im 12. Jahrh. muß es Stadtrecht und als Getreidemarkt eine nicht geringe Bedeutung erlangt haben. Die Stadt wurde 1547 dem Fürsten Wolfgang, als einem Gliede des Schmalkaldischen Bundes, vom Kaiser genommen und nebst Wolfgangs sonstigen Besitzungen an den General Ladron verschenkt, von welchem dieselben jedoch durch Kauf bald wieder an die alten Besitzer zurückkamen. Das 1547 zum Teil abgebrannte Schloß wurde 1597-1606 neu gebaut, worauf 1620 die Verbindung der Neustadt mit der Altstadt erfolgte. Unter Fürst Ludwig, der eine Zeitlang Vorsteher der Fruchtbringenden Gesellschaft war, war K. eine Metropole deutscher Dichtkunst.

Kothúrn (griech.), eine Art Jagdschuhe der Alten, welche als hohe und mit Riemen festgeschnürte Schuhe beschrieben werden. Sophokles führte eine ähnliche Fußbekleidung mit hohem Absatz bei den tragischen Schauspielern ein, damit Götter und Helden schon in der äußern Gestalt sich durch Hoheit auszeichnen möchten. Die römischen Damen bedienten sich gleichfalls des Kothurns, um größer zu erscheinen. Wegen seines Gebrauchs in der Tragödie (während in der Komödie der niedrigere Soccus gebraucht ward) wurde dann die Tragödie selbst und der ihr eigne erhabene Stil durch K. bezeichnet.

Koti, Landschaft, s. Kutei.

Kotieren (franz. coter), in der Börsensprache s. v. w. notieren. Meistens bezeichnet man mit Kotierung die Zulassung eines Wertpapiers zur amtlichen Notierung an der Börse. In den deutschen Staaten liegt die Entscheidung darüber in den Händen des Börsenvorstandes, in London ebenso bei dem Komitee der Stock-exchange for general purposes, in Österreich und Frankreich entscheidet die Regierung über die Kotierung. In letzterm Staat unterliegen ausländische Wertpapiere, bevor sie zur Kotierung zugelassen werden, einer Stempelsteuer.

Kotillon (franz., spr. -iljóng), bekannter Gesellschaftstanz, der ursprünglich aus Frankreich stammt, beginnt mit einer großen Ronde, welcher zunächst eine große Quadrillentour (Chaînes en quatre, Croisée) zu folgen pflegt. Andre beliebige Touren schließen sich an; zu Ende einer jeden wird von sämtlichen Paaren einmal herumgewalzt. Während der K. zu Ludwigs XIV. Zeiten den Ball eröffnet haben soll, macht er jetzt mit beliebigen Touren den Beschluß und übt einen besondern Reiz durch die gegenseitige Freiheit der Wahl, womit allerlei Neckereien und kleine Geschenke (Bouketts, Orden, Attrappen etc.) verknüpft sind. Gustav Freytag hat dem K. in "Soll und Haben" eine glänzende Apologie gewidmet. Den Namen K. ("Unterrock") führt derselbe wahrscheinlich von dem dazu gesungenen Volksliedchen: "Ma commère, quand je danse, mon cotillon va-t-il bien?"

Kotka, s. Kymmeneelf.

Kotkäfer, s. Mistkäfer.

Kotlarewskij, Iwan Petrowicz, ruthen. Dichter, geb. 1769 zu Poltawa, widmete sich erst dem Staatsdienst, trat dann (1796) in den Militärdienst über und wurde im Türkenkrieg zum Stabshauptmann befördert. Nachdem er sich 1808 in den Privatstand zurückgezogen, übernahm er die Leitung eines Erziehungshauses für Kinder armer Edelleute in Poltawa, der er bis 1835 vorstand, und starb 29. Okt. 1838. K. hat die lebende kleinrussische Volkssprache zur Schriftsprache erhoben und ist somit als der Schöpfer der kleinrussischen Nationallitteratur zu bezeichnen. Sein wichtigstes Werk ist die von überschwenglichem Humor sprudelnde Travestie von Vergils "Äneide" (Petersb. 1798; neue Ausg., Charkow 1842), womit er die durch den Verlust ihrer Freiheit heruntergekommenen Kosaken aufzurütteln beabsichtigte und die moralischen Gebrechen der niedrigen Volksklasse schonungslos züchtigte. Dagegen hob er in den dramatischen Sittenbildern: "Natalka Poltawka" ("Natalie von Poltawa", 1819) und "Moskal czariwnyk" ("Der Soldat als Zauberer") den moralischen Gehalt der Volkssitten in anerkennenswerter Weise hervor und gab damit einen Beweis seiner echt volkstümlichen Gesinnung. Eine Gesamtausgabe seiner Werke erschien in Kiew (2. Aufl. 1875).

Kotlin, schmale, 9 km lange Insel im Finnischen Meerbusen, vor der Mündung der Newa, etwa 15 qkm groß, 5¼ km vom russischen Ufer entfernt; auf ihr liegt die Stadt und Festung Kronstadt.

Koto, Saiteninstrument der Japaner.

Koto, Negervolk am untern Binuë und linken Nigerufer, von schwarzbrauner Farbe. Sie rasieren die eine Hälfte des Kopfes und entstellen das Gesicht durch von der Stirn zum Kinn parallel ziehende Narbenbildungen. S. Tafel "Afrikanische Völker", Fig. 8.

Kotoko, Negerstamm, s. Makari.

Kotorinde (Cortex Coto), eine seit 1876 in den Handel gebrachte Baumrinde aus Bolivia von unbekannter Abstammung, ist rötlich zimtbraun, riecht sehr aromatisch, an Kardamom und Kajeputöl erinnernd, schmeckt aromatisch, beißend, schwach bitter und wird gegen Durchfall benutzt. Neben dieser ist eine andre K. (Parakotorinde) in den Handel gebracht worden, welche in der äußern Beschaffenheit abweicht, auch andre Bestandteile enthält, aber ähnlich wirkt. Die echte K. enthält Kotoin C22H18O6 ^[C_{22}H_{18}O_{6}], bildet blaßgelbe Prismen, schmeckt beißend scharf, ist leicht löslich in Alkohol und schmilzt bei 130°. Das Parakotoin C19H12O6 ^[C_{19}H_{12}O_{6}] aus der Parakotorinde bildet blaßgelbe Blättchen, ist geschmacklos, löslich in kochendem Alkohol und schmilzt bei 152°. Kotoin hebt die Pankreasfäulnis auf oder verzögert dieselbe wie auch die Milchsäuregärung, stört dagegen die Pepsin- und Diastasewirkung nicht. Das Parakotoin wirkt ähnlich, aber viel schwächer. Man benutzt Kotoin und Parakotoin gegen Durchfälle (besonders bei Kindern und Schwindsüchtigen) und profuse Schweiße.

Kotoschichin, Grigorij, russ. Schriftsteller in der Mitte des 17. Jahrh., war Beamter im Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten zu Moskau unter der Regierung des Zaren Alexei und sah eine glänzende Laufbahn vor sich, wurde aber plötzlich durch Unannehmlichkeiten, mit denen er sich seitens seiner Vorgesetzten bedroht sah (man verlangte eine gemeine Handlung von ihm, die seine Gewissenhaftigkeit nicht zuließ), gewaltsam aus seiner Laufbahn geworfen. Einen Racheakt fürchtend, wandte er sich (1664) nach Polen, von da nach Preußen und ließ sich schließlich in Stockholm nieder, wo er für den Reichskanzler M. G. de la Gardie 1666-67 eine Darstellung der innern Zustände Moskowiens verfaßte und bald darauf infolge eines Mordes, den er aus Eifersucht be-^[folgende Seite]