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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Kotschkurow; Kotschy; Kotsteine; Kottabos; Kottbus

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Kotschkurow - Kottbus.

neurs und der französischen Verwaltung ist Saigon (s. d.), das fast den ganzen auswärtigen Handel vermittelt, und in welchem die fremden Konsuln, darunter ein deutscher, wohnen. Saigon ist durch Eisenbahn mit Mytho, durch Telegraphen mit den übrigen Hauptplätzen des Landes, durch submarine Kabel mit Hongkong und Singapur verbunden. Die französische Verwaltung läßt die ursprüngliche Gemeindeverfassung bestehen und hat nur die höhern Stellen mit Europäern besetzt, gleichwohl vermochte sie die Bevölkerung nicht zufriedenzustellen und hatte 1876 einen Aufstand zu unterdrücken, dessen Ausbruch dem Handel beträchtlichen Schaden zufügte. Dem Gouverneur, der mit ausgedehnten Vollmachten betraut ist, steht ein Verwaltungsrat zur Seite; es besteht eine Administration für die innern Verhältnisse des Landes wie für die Marine. Die Verwaltung läßt sich als eine stramme Militärverwaltung bezeichnen. Seit 1864 sind in den größern Städten Elementarschulen nach europäischem Muster errichtet worden; 1876 wurden 20 derselben von 2812 Schülern besucht. Die französischen Verwaltungsbeamten müssen an einem neuerlich gegründeten Lehrstuhl der anamitischen Sprache in Paris diese Sprache erlernen. Der finanzielle Zustand der Kolonie ist ein sehr guter; statt wie früher einen Zuschuß von Frankreich zu fordern, liefert sie dorthin jährlich ca. 2,2 Mill. Fr. ab; 1884 betrugen die Einnahmen 24,950,000 Fr., wovon ein nicht geringer Teil aus der Opiumeinfuhr (jährlich 1 Mill. kg) stammt, die jetzt Staatsmonopol ist, früher aber gegen eine Jahrespacht von 3,250,000 Fr. einem chinesischen Konsortium überlassen war, die Ausgaben aber 22,755,000 Fr. Die Flagge besteht aus einem gelben, mit grünen Zacken eingefaßten Flaggtuch (s. Tafel "Flaggen I").

Geschichte. Um 263 n. Chr. von der chinesischen Herrschaft befreit, fiel K. Ende des 11. Jahrh. an Kambodscha, stand aber im 13. Jahrh. in freundschaftlichem Tributverhältnis zu China. Der König Itahata (1373) trat dem Unwesen der Piraten mit Energie entgegen, wurde jedoch in einen Krieg mit Tongking (Nordanam) verwickelt, der unter seinen Nachfolgern fortdauerte und 1471 mit der Einverleibung des Landes in den tongkingesischen Staat endete. Im 17. Jahrh. versuchten Jesuiten von Macao aus in K. sich festzusetzen, vermochten jedoch einen dauernden Einfluß nicht zu erlangen. Selbständig trat K. wieder im 18. Jahrh. auf. Im Krieg Kambodschas mit Siam (1717) leistete es, obwohl von Anam abhängig, ersterm Hilfe, erhielt dadurch Einfluß auf die Angelegenheiten desselben und konnte sich 1750 sogar einiger Provinzen dieses Reichs bemächtigen. 1774 kam es im Land infolge der Bedrückungen der Großen zu einem blutigen Aufstand, der schließlich mit der Verschmelzung Kotschinchinas mit dem Reich Anam endigte. Letzterm wurde die jetzt Cochinchine française genannte Kolonie mit der Hauptstadt Saigon 1858-62 abgestritten (s. Anam, S. 531) und 1867 um die Provinzen Vinhlong, Chandol und Hatien (westlich vom Mekhongfluß) vermehrt. Vgl. Cortambert und de Rosny, Tableau de la Cochinchine (Par. 1863); v. Scherzer, Fachmännische Berichte über die österreichische Expedition nach Siam, China und Japan (Stuttg. 1872); Bastian, Die Völker des östlichen Asien, Bd. 4 (Jena 1867); Garnier, Voyage d'exploration en Indo-Chine 1866-68 (Par. 1873, 2 Bde., Prachtwerk; neue Textausg. 1885); Vincent, The land of the white elephant (Lond. 1873); Vial, Les premières années de la Cochinchine, colonie française (Par. 1874); Bouinais und Paulus, La Cochinchine contemporaine (2. Aufl., das. 1885); "État de la Cochinchine en 1881" (offiziell, Saigon 1882); Favre, La Cochinchine en 1881 (Par. 1881); Lemire, L'Indo-Chine. Cochinchine française etc. (6. Aufl., das. 1887).

Kotschkurow, Kirchdorf im russ. Gouvernement Nishnij Nowgorod, am Alatyr, mit über 4000 Einw., welche sich mit dem Flechten von Bastmatten, die zu Kulls (Kornsäcken) zusammengenäht werden, beschäftigen. Jährlich werden über 1½ Mill. solcher Kulls verfertigt, die ihren Absatz in die kornreichen Gegenden (Morschtschansk, Jelez und Charkow) finden.

Kotschy, Theodor, Botaniker und Reisender, geb. 15. April 1813 zu Ustron in Österreichisch-Schlesien, begleitete 1836-38 Russegger auf dessen Reise nach Kilikien, Syrien und den Nilländern, besuchte 1839 nochmals Kordofan, 1840 Cypern, 1841 Kleinasien, 1842-43 Persien, wo er den Demawend bestieg, und kehrte 1843 über Erzerum, Trapezunt und Konstantinopel nach Wien zurück. 1853 bereiste er von neuem Kilikien, 1855 Ägypten und Palästina, 1859 abermals Cypern, Kleinasien und Kurdistan, 1862 nochmals Cypern und Nordsyrien. Er starb 11. Juni 1866 als Kustosadjunkt am botanischen Museum in Wien. Seine Hauptwerke sind: "Reise in den kilikischen Taurus über Tarsus" (Gotha 1859); "Die Eichen Europas und des Orients" (Wien 1859-62, 40 Bl.); "Über Reisen und Sammlungen des Naturforschers in der asiatischen Türkei, in Persien und den Nilländern" (das. 1864); sodann Bearbeitungen der Knoblecherschen, Binderschen und Tinnéschen Pflanzensammlungen vom obern Nilgebiet und das mit F. Unger herausgegebene Werk "Die Insel Cypern" (das. 1865).

Kotsteine, s. Darmsteine.

Kottabos (griech.), ein ziemlich geistloses, von den Griechen mit besonderer Vorliebe bei Trinkgelagen getriebenes Spiel, bei welchem es darauf ankam, auf dem Sofa liegend, einige Tropfen Wein in möglichst hohem Bogen nach einem Ziel, einem ehernen Becken oder einer Schale (Kottabeion), so zu schleudern, daß nichts vergossen und das Ziel mit vernehmlichem Klatsch getroffen wurde. Erhöht wurde die Schwierigkeit dadurch, daß der Wein erst den Kopf einer an dem Kottabeion befestigten kleinen menschlichen Figur (Manes genannt) treffen und von da abprallend mit Geräusch in die Schale fallen mußte. Mit dem Spiel, das aus Sizilien stammte und etwa im 4. Jahrh. v. Chr. aus der Mode kam, war auch eine Art Liebesmantik verbunden.

Kottbus, Stadt (Stadtkreis) im preuß. Regierungsbezirk Frankfurt, an der Spree, Knotenpunkt der Linien Berlin-Görlitz, K.-Frankfurt a. O., Halle-K.-Guben und K.-Sorau der Preußischen Staatsbahn, 64 m ü. M., hat 3 evangelische, eine lutherische und eine kath. Kirche, eine Synagoge und (1885) mit der Garnison (2 Infanteriebat. Nr. 52) 28,249 Einw., darunter 1034 Katholiken und 339 Juden. Die Industrie ist bedeutend. K. hat 11 große und 43 kleinere Tuchfabriken (jährliche Produktion für 18 Mill. Mk.), Wollspinnerei, eine große Filzhut- und eine Teppichfabrik, Leinen- und Jutewebereien, Maschinenfabriken und Eisengießereien, Rohrgewebe-, Sprit- und Preßhefefabrikation, Gerberei, Mälzerei, Branntweinbrennerei, bedeutende Bierbrauerei, Dampfschneidemühlen etc. Der Handel, unterstützt durch eine Handelskammer, eine Reichsbankstelle (1885: Umsatz 179 Mill. Mk.), die Niederlausitzer Bank und andre Geldinstitute, ist besonders in Speditionsgeschäften, Tuch, Fett- und Kolonialwaren sehr lebhaft. All-^[folgende Seite]