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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Kotten; Kottische Alpen; Kotur; Kotvogel; Kotyäon; Kotyle; Kotyledonen; Kotys; Kotzebue

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Kotten - Kotzebue.

jährlich im September findet hier auch ein Karpfenmarkt statt. An Bildungsanstalten befinden sich in K. ein Gymnasium mit Realprogymnasium, eine Musik-, eine Web-, eine Handels- und eine gewerbliche Zeichenschule; an andern Anstalten hat K. ein Hospital, ein Krankenhaus, ein Zentralgefängnis etc. Die Stadt ist Sitz eines Landratsamts für den Landkreis K., eines Landgerichts, einer Superintendentur und eines Hauptsteueramts; die städtischen Behörden zählen 9 Magistratsmitglieder und 36 Stadtverordnete. Zum Bezirk des Landgerichts in K. gehören die zwölf Amtsgerichte zu Dobrilugk, Finsterwalde, Kalau, Kirchheim, K., Lieberose, Lübben, Lübbenau, Luckau, Peitz, Senftenberg und Spremberg. K. bildete ehedem eine Privatherrschaft, welche 1445 vom Kurfürsten Friedrich II. von Brandenburg durch Kauf erworben, und deren Besitz im Frieden von Guben 1462 bestätigt wurde. 3 km südöstlich von K. liegt das Schloß Branitz mit berühmtem Park, eine Schöpfung des Fürsten Pückler.

Kotten, Volksstamm, s. Jenissei-Ostjaken.

Kottische Alpen, ein Teil der Westalpen (s. Karte "Alpen"), welcher südlich durch die Thalebene der Stura und der Ubaye von den Seealpen, nördlich durch die Thäler der Dora Riparia und des Arc von den Grajischen Alpen geschieden ist, mit dem größern Teil zu Frankreich (Departement Nieder- und Oberalpen, Isère und Savoyen), mildem kleinern östlichen Teil zu Italien (Provinz Cuneo und Turin) gehört und aus zahlreichen um die Thäler der Durance und des Drac gruppierten Bergen und Bergzügen ohne bestimmte Richtung besteht. Den Namen hat das Gebirge von dem Fürstengeschlecht der Kottier, das, bevor die Römer ihre Macht bis hierher ausdehnten, in diesen Gegenden herrschte. Die bedeutendste Höhe erreicht in den Kottischen Alpen die westlich gelegene mächtige Pelvouxgruppe (Barre des Ecrins oder Pointe des Arsines, 4103 m) mit weiten Schneefeldern und Gletschern. In der östlichen Gruppe, den eigentlichen Kottischen Alpen, bildet der isolierte, 3845 m hohe Monte Viso (s. d.) den Mittelpunkt. Nördlich von diesem führt der Col de la Traversette, 2995 m hoch, über diese Gruppe. Darunter liegt der 72 m lange, im 15. Jahrh. erbaute Tunnel Trou de la Traversette, 2600 m hoch. Die wichtigsten Übergänge in den Kottischen Alpen sind der fahrbare, Briançon mit Susa verbindende Paß des Mont Genèvre, 1860 m, dann der von Grenoble und dem Romanchethal über die Pelvouxgruppe nach Briançon führende Col de Lautaret, 2075 m, mit der schönen, unter Napoleon I. begonnenen und unter Napoleon III. vollendeten Gebirgsstraße, endlich als nördliche Begrenzung die Mont Cenis-Bahn. Östlich fallen die Kottischen Alpen gegen die Poebene sehr steil ab.

Kotur, Grenzfestung in der pers. Provinz Aserbeidschân gegen die asiatische Türkei, wurde, nachdem es schon früher persisch, seit 1850 aber türkisch gewesen war, 1878 durch den Berliner Vertrag mit einem Areal von 1125 qkm und 8000 Seelen an Persien zurückgegeben. K. beherrscht die Pässe vom obern Euphrat- und Tigrisgebiet in das Becken des Urmiasees.

Kotvogel, s. v. w. Wiedehopf.

Kotyäon, Stadt, s. Kutahia.

Kotyle (griech.), Napf, Trinkschale.

Kotyledonen (Cotyledones, Samenblätter, Samenlappen, Keimblätter), das erste oder die beiden ersten Blätter an den Keimlingen der phanerogamen Pflanzen, welche gewöhnlich von den folgenden Blättern verschieden sind und bei der Keimung eine wichtige Rolle spielen (vgl. Same und Keimung). Im natürlichen Pflanzensystem werden die Phanerogamen nach der Zahl der K. eingeteilt in Einsamenlappige oder Monokotyledonen (Monokotylen) und in Zweisamenlappige oder Dikotyledonen (Dikotylen) mit zwei K. Die Kryptogamen bezeichnete Jussieu, weil sie überhaupt keine Samen besitzen, als Samenlappenlose oder Akotyledonen. Bei den Tieren mit gespaltenen Klauen heißen K. die fleischigen Auswüchse auf der Innenseite der befruchteten Gebärmutter, in welchen die Gefäße auf der Außenseite des Chorions der Frucht wurzeln.

Kotys, Name mehrerer thrakischer Könige, s. Thrakien.

Kotys (Kotytto), eine thrak. Göttin, deren Dienst sich über Griechenland und Italien verbreitete und wegen der damit verbundenen nächtlichen Orgien und Ausschweifungen in üblem Ruf stand. Die Teilnehmer desselben hießen Bapten (baptae), von den Reinigungen, die dabei vorkamen. Sprichwörtlich nannte man daher Kotyttische Feste alle unzüchtigen und üppigen Feierlichkeiten. Vgl. Lobeck, Aglaophamus, S. 1007 ff. (Königsb. 1829).

Kotzebue (spr. -buh), 1) August Friedrich Ferdinand von, der fruchtbarste und gewandteste Lustspieldichter der Deutschen, geb. 3. Mai 1761 zu Weimar, wo sein Vater Legationsrat war, widmete sich zu Jena und Duisburg juristischen Studien und ließ sich hierauf als Rechtsanwalt in seiner Vaterstadt nieder, ging aber schon 1781 nach Petersburg, wurde Sekretär bei dem Generalgouverneur v. Bawr, 1783 Assessor des Oberappellationstribunals in Reval und 1785 Präsident des Gouvernementsmagistrats der Provinz Esthland, gleichzeitig in den Adelstand erhoben. Inzwischen hatte er sich durch eine Reihe von Erzählungen, wie "Leiden der Ortenbergischen Familie" (1785 f.), und mehrere sentimentale Dramen (namentlich "Menschenhaß und Reue" und "Die Indianer in England") zum Liebling des Publikums gemacht, wogegen ihm das 1790 in Pyrmont (wo er eine Brunnenkur gebrauchte) unter Knigges Namen herausgegebene Pasquill "Doktor Bahrdt mit der eisernen Stirn" in der öffentlichen Meinung sehr schadete. Nach dem Tod seiner ersten Gemahlin (einer Tochter des russischen Generalleutnants v. Essen) nahm er seine Entlassung aus dem Staatsdienst, privatisierte in Paris und Mainz und zog sich 1795 auf sein Landgut Friedenthal bei Reval zurück, fortwährend nur mit schriftstellerischen Arbeiten beschäftigt. "Die jüngsten Kinder meiner Laune" (Leipz. 1793-96, 6 Bde.) sowie über 20 Schauspiele, darunter als die bedeutendsten: "Armut und Edelsinn" (1795), "Die Spanier in Peru" (1796), "Die Negersklaven" (1796) und "Die Verleumder" (1796), waren die Frucht dieser Muße. 1798 folgte er einem Ruf als Theaterdichter nach Wien, sah sich indessen infolge von Intrigen, die er zum Teil selbst angezettelt hatte, noch vor dem Jahresschluß genötigt, seine Entlassung zu nehmen (vgl. seine Schrift "Mein Aufenthalt in Wien und meine erbetene Dienstentlassung", Wien 1800), und ließ sich zunächst in seiner Vaterstadt nieder. Das Erfolglose seines Strebens, mit Goethe in nähere Beziehung zu kommen, sowie die immer heftiger werdenden Angriffe der Koryphäen der romantischen Schule, welche er durch die Posse "Der hyperboreische Esel" (1799) gereizt hatte, verleideten ihm indessen den Aufenthalt in Weimar und in Deutschland überhaupt, und er beschloß, nach Rußland zurückzukehren. Kaum hatte