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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Kövár; Kovászna; Kovent; Kowalewski; Kowara; Kowdosĕro; Kowel; Kowitschin; Kowno

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Kövár - Kowno.

bringen, in die sich der oberhalb stehende Stößer senkt; gleichzeitig werden drei der Flügel von der Maschine mit Gummi genetzt, umgebogen und festgedrückt, worauf die fertigen Kouverts auf eine schräg abwärts steigende Bahn gelangen und sich daselbst ansammeln. Der Faltapparat kann dem gewünschten Format entsprechend ausgewechselt werden. Die Leistung einer solchen K. beträgt bis zu 3000 in der Stunde. Von weit größerer Leistungsfähigkeit ist indes die von Robert Park, John Armstrong und John H. Cooper in Philadelphia erfundene K., welche die ganze Fabrikation der Briefumschläge vollkommen selbstthätig besorgt und zwar, indem sie eigens zu diesen Zwecken angefertigtes Rollenpapier direkt von der Rolle verwendet, dasselbe je nach Maßgabe der Umschlagsgröße schneidend, falzend, klebend und die fertigen Umschläge trocknend. Ihre Durchschnittsleistung ist 140-150 fertige Briefumschläge in der Minute.

Kövár (spr. -vār), Distrikt zwischen den Flüssen Szamos und Lapos in Ungarn, der während der absolutistischen Periode zu Siebenbürgen geschlagen, 1867 aber wieder mit Ungarn vereinigt und 1876 dem Komitat Szatmár einverleibt wurde. Er umfaßte 1090 qkm (19,8 QM.) mit (1869) 51,744 rumän. Einwohnern. Hauptorte waren Nagy-Somkut (Sitz des Oberkapitäns) und Kapnikbánya mit Gold-, Silber- und Bleibergwerken.

Kovászna (spr. -wāß-), Dorf im ungar. Komitat Csik (Siebenbürgen) mit (1881) 3628 Einw., alkalisch-muriatischen Säuerlingen, Eisenquellen und dem mitten im Ort auf einer Sandbank gelegenen kohlensäurehaltigen Höllenmorast (Pokolsár), der merkwürdige Gasausströmungen zeigt.

Kovent (Kofent), ein Dünnbier oder Nachbier, das in früherer Zeit nach Abzug der zweiten Würze durch einen kalten Aufguß auf die Treber gewonnen wurde, jetzt aber nur noch als Hausgetränk hergestellt wird. Der Name soll entstanden sein aus Konventbier, d. h. Bier der Konventualen oder Klosterbrüder, im Gegensatz zu dem stärkern (Herren-) Bier der Patres.

Kowalewski, 1) Georg, russ. Reisender, geb. 1811 im Gouvernement Charkow, besuchte als Bergmann verschiedene Teile von Westsibirien, die Kirgisensteppe, Montenegro etc. und beschrieb seine Resultate im "Gornyi Shurnal" ("Bergjournal"), ging dann 1847 mit Trémaux in Mehemed Alis Auftrag nach Fazogl, um die dortigen Goldlager zu untersuchen, und berichtete darüber, außer in Fachzeitschriften, in seiner "Reise in Innerafrika" (russ., Petersb. 1849, 2 Bde.). 1849 begleitete er die russische geistliche Mission nach China und eröffnete dabei dem Karawanenhandel eine neue Straße durch die Mongolei; 1851 schloß er in Kuldscha einen Vertrag mit China, welcher dem russischen Handel das westliche China öffnete, und 1856 trat er an die Spitze des asiatischen Departements. Gleichzeitig wurde er Adjunkt des Präsidenten der Russischen geographischen Gesellschaft und veranlaßte als solcher eine Anzahl wissenschaftlicher Expeditionen, z. B. nach Chorasan und Kaschgar. Er starb 2. Okt. 1868 in Petersburg.

2) A., Embryolog, geb. 7. (19.) Nov. 1840, gegenwärtig Professor in Odessa. Er lieferte für die neuere Zoologie höchst bedeutungsvolle Arbeiten über die Entwickelung der Ascidien (1866 und 1871) und des Amphioxus (1867) und gab zum erstenmal eine annehmbare Hypothese über den Zusammenhang zwischen Wirbeltieren und Wirbellosen. Er deckte so viele Ähnlichkeiten in der Entstehung des Amphioxus als des niedrigsten Fisches einerseits und der Ascidien als einer Gruppe der Tunikaten anderseits auf, daß an einer sehr nahen Beziehung zwischen diesen Tieren nicht mehr gezweifelt werden darf. In ähnlicher Weise ist K. für fast alle Stämme des Tierreichs mit Erfolg thätig gewesen, und so zählen auch seine Arbeiten über die Anatomie des Balanoglossus (1866), über die Entwickelung der Rippenquallen (1865) und über die Embryologie der Würmer und Arthropoden (1871) mit zu dem Besten, was seiner Zeit geliefert worden ist. Für die letztgenannte Klasse arbeitete er zuerst mit den neuern Methoden und leistete daher wesentlich mehr als seine Vorgänger. Auch die (in russischer Sprache veröffentlichten) Untersuchungen über die Entwickelung der Brachiopoden (1874) und Cölenteraten (1874) bieten mancherlei Neues.

Kowara (Kuara), der untere Lauf des Niger (s. d.).

Kowdosĕro, fischreicher See im russ. Gouvernement Archangel, Kreis Kem, 584 qkm (10,6 QM.) groß. Aus ihm fließt die 64 km lange Kowda ab, welche sich in den Kandalakschabusen des Weißen Meers ergießt. Er selbst empfängt den Abfluß des Sees Pjäwo.

Kowel, Kreisstadt im russ. Gouvernement Wolhynien, an der Turija, Knotenpunkt der Eisenbahn von Kiew nach Brest-Litowsk und der Weichselbahn (K.-Mlawa), mit 3 griechisch-katholischen und einer römisch-kath. Kirche und (1884) 13,980 Einw. Der Kreis ist arm und dünn bevölkert (22 Einw. pro QKilometer); ⅙ des Areals ist mit Sümpfen und Seen und der südliche, etwas höher gelegene Teil des Kreises mit wahren Sandwüsten bedeckt.

Kowitschin (Kawitschin), Indianerstamm Nordamerikas, zu den Nutka gehörig, im östlichen Teil der Vancouverinsel an den Ufern des Kowitschanflusses und auf dem Festland im N. des Fraserflusses, der zivilisierteste und zahlreichste (ca. 7000 Seelen) Indianerstamm Britisch-Amerikas (s. Tafel "Amerikanische Völker", Fig. 5).

Kowno (lit. Kauna), Gouvernement in Rußland, grenzt im N. und O. an das Gouvernement Kurland, im S. an Wilna und Suwalki und im W. an Preußen und umfaßt ein Areal von 40,640 qkm (738 QM.). Das Land bildet eine weite Fläche mit einer Menge kleiner Seen (über 700 mit einem Areal von etwa 450 qkm) und wird bewässert von den Flüssen Niemen, Wilia, Newäsha, Dubisha, Mittwa, Memel-Aa u. a.; die drei erstgenannten sind schiffbar und haben im Lauf der Jahrtausende tiefe Thäler ins Land gewaschen. Von den Seen sind die bedeutendern der Dusjaty und der Drisvjaty. In geognostischer Hinsicht gehört der südliche Teil des Gouvernements der tertiären (Eocän-) Formation, der nördliche Teil der devonischen an; im äußersten Norden treten auch Jura und silurische Formation zu Tage. Im südlichen Teil wird Bernstein gefunden. Von Metallen sind Eisen, besonders Sumpfeisen, ferner Gips, Kalk, Kreide und Lehm vorhanden. Die mittlere Jahrestemperatur ist +6,28° C., die des Sommers +17,5, die des Winters -3,75° C. Früchte und Kernobst gedeihen vortrefflich. Die Einwohnerzahl beläuft sich auf (1883) 1,461,461 (36 pro QKilometer) und ist zu ⅔ römisch-katholischer Konfession. Der Rest entfällt auf griechische Katholiken, Altgläubige und Raskolniken, Protestanten, Juden, Mohammedaner und wenige Karäer. Nach der Nationalität kommen auf die Litauer 74 Proz. (45 Proz. eigentliche Litauer, 54 Proz. Shmuden und 1 Proz. Letten), auf Juden 14 Proz., Slawen 9½ Proz. und Deutsche 2½ Proz. Die Zahl der Eheschließungen ist 10,674, der Gebornen 49,705, der Gestorbenen 31,915. Die Flora ist eine gegen die in denselben Breitengraden liegenden