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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Krankenhäuser

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Krankenhäuser (Korridorsystem, Baracken- und Pavillonsystem).

sechste Stockwerk und hebt Kohlen etc. durch starke Aufzüge in diese Höhe.) Der Luftwechsel ist selbst mit den kostspieligsten Ventilatoren nicht hinreichend zu bewerkstelligen. Die Gefahr der Verbreitung einer eingeschleppten ansteckenden Krankheit betrifft sofort alle dem Korridor anliegenden und in Luftwechsel mit ihm stehenden Säle. Das Licht hat bei einer größern Tiefe der Räume nur beschränkten Zutritt, da nur die Eckzimmer an zwei Seiten Fenster besitzen können.

Ein berühmtes Spital dieser Art ist der ältere Teil der königlichen Charitee in Berlin. Die Übelstände, welche sich bei diesem System ergaben, führten schon vor langer Zeit zur Unterbringung chirurgisch Kranker in besondern luftigen Baulichkeiten. Man errichtete in dem großen Garten einen zweistöckigen Pavillon und zwei große Holzbaracken, welche auf einem luftigen Unterbau ruhen. Endlich werden im Sommer kleine Holzbaracken für wenige Betten und mehrere Leinenzelte im Garten unter den Bäumen aufgeschlagen.

Die Rücksichten auf Reinlichkeit und Ventilation haben bei allen jüngern Bauten von Krankenhäusern die Dezentralisation zum Siege gebracht. Gewöhnlich gilt der amerikanische Krieg hier als Wendepunkt, allein schon 1758-62 ließ der englische Militärarzt Blocklesby auf einer Art Pfahlbau hölzerne Feldlazarette für 24-40 Mann bauen, welche mit Löchern im Dach behufs leichter Luftreinigung versehen waren, in den deutschen Freiheitskriegen wurden zuweilen aus Mangel an geeigneten Kirchen oder Schulgebäuden leichte Baracken aufgeführt, und im Krimkrieg errichtete man unter Miß Nightingale in bewußter Absicht kleine, leichte Lazarettbauten, welche wegen ihrer vorzüglichen Heilerfolge im amerikan. Bürgerkrieg Nachahmung u. Verbesserung fanden. Für Friedenszeiten wurde

2) das System der isolierten Blöcke zuerst in Paris am Krankenhaus Lariboisière angewandt. Vorwaltendes Prinzip ist hierbei möglichste Trennung aller Wirtschaftsräume von den Krankenabteilungen und unter diesen Trennung der Männer und Frauen, Trennung der chirurgischen Fälle von den innerlich Kranken, den Wöchnerinnen, den Irren und den ansteckenden Fiebern. Die Krankenunterkünfte sind dabei infolge der Teilung kleiner, die leichtern, einstöckigen heißen Baracken, während man zweistöckige kleinere Krankenbauten, selbst wenn sie nur von leichter Konstruktion sind, gewöhnlich Pavillons benennt. Im reinen Barackenstil ist das Berliner städtische Barackenlazarett in Moabit angelegt (Fig. 1). Gegenüber einem großen Park grenzt das Etablissement mit der Fronte seines Verwaltungsgebäudes (1) an die Straße, von der es sonst durch eine abschließende Mauer getrennt ist; unmittelbar daneben ist ein Depot der Feuerwehr. Das Verwaltungsgebäude enthält im Parterre die Büreaus, Untersuchungszimmer (Wage) und die Wohnung des Verwaltungsdirektors. Im ersten Stock sind Zimmer für drei Assistenzärzte, der Chefarzt wohnt außerhalb des Spitals. Das Zentralorgan der Heizung ist das Maschinenhaus (2), von dem aus unterirdische Röhren heißen Dampf zu den einzelnen Baracken leiten. Hinter demselben sieht man als Anbau das Desinfektionshaus (3), auf dessen gute Einrichtung um so mehr Aufmerksamkeit verwandt wird, als das Lazarett recht eigentlich zum Seuchenhaus bestimmt ist. Nr. 6 ist die Küche mit Wirtschaftsräumen; von ihr aus läuft ein Schienenstrang längs der 30 frei stehenden Baracken hin, so daß die Speisen für die Kranken in einem Wagen bis vor die Thür geschoben werden. Die Waschanstalt (7) befindet sich ostwärts; hinter ihr und hinter der Küche liegen zwei Schuppen (5 und 8) zu verschiedener Verwendung. Die Baracken selbst sind alle gleich gebaut, ihre Veranda ist auf einen Rasenplatz zu gerichtet. Ihre Einrichtung zeigt Fig. 2 im Profil, Fig. 3 im Grundriß. Die Baracke ruht auf Zementgrund ohne Unterbau, besitzt Riegelwände, mit Ziegeln ausgelegt, und hat außer einer Veranda, Theeküche, Baderaum, zwei Wärterzimmern und Klosett Platz für je 30 Betten mit 28 cbm Raum für jeden Kranken. Die Heizung

^[Abb.: Fig. 1. Barackenlazarett zu Moabit. 1. Verwaltungsgebäude. 2. Maschinenhaus. 3. Desinfektionshaus. 4. Portier. 5. Eiskeller. 6. Kochküche. 7. Waschküche und Apotheke. 8. Aufbewahrungsschuppen.]

^[Abb.: Fig. 2. Baracke (Profil).]

^[Abb.: Fig. 3. Baracke (Grundriß).]