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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Krankenhäuser

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Krankenhäuser (Heizung, Ventilation, Beleuchtung etc.).

von der Stadt, frei von allen Seiten, erhebt sich mit der Fronte nach Westen das Verwaltungsgebäude. Von diesem Mittelbau, der von Gartenanlagen umgeben ist, führen seitlich zwei gemauerte Gänge nördlich zu einem zweistöckigen Doppelpavillon für Männer, südlich zu einem einfachen zweistöckigen Pavillon für Frauen mit ca. 250 Betten im ganzen. Ein nach Osten ausstrahlender Gang führt zu dem geräumigen Ökonomiegebäude, so daß die Speisen in den geschützten Gängen getragen werden. Die Pavillons sind massiv und enthalten Korridore, welche mit Decken belegt sind und an der Nordseite der Gebäude derart verlaufen, daß sie durch eine Reihe von Fenstern Licht und frische Luft beziehen, während sie an der andern Seite die Zugänge zu den Krankensälen enthalten. Diese letztern sind sehr hoch und luftig gebaut, in der Mitte von eisernen, mit Ölanstrich versehenen Säulen getragen, erhalten ihr Licht durch große Doppelfenster mit Ventilationsvorrichtungen. Nach dem Korridor führt von jedem der zweifenstrigen Säle eine hohe Flügelthür, während kleine Durchgangsthüren die Verbindung mit den zwischen den Krankenräumen belegenen, höchst sauber gehaltenen Badestuben, Wärterzimmern, Theeküchen oder Klosetten herstellen. Sämtliche Säle sind gedielt, mit Ölfarbe gestrichen, die Baderäume haben Zementfußboden. Die Wände und Decken sind gleichfalls gestrichen, so daß sie gründlich gereinigt werden können. Die Heizung ist kombinierte Wasser- und Luftheizung. In den Sälen sind die Betten längs der beiden gegenüberliegenden Wände angeordnet, so daß die großen Korridorthüren geöffnet bleiben können, ohne mit den Betten zu kollidieren oder allzu direkten Zugwind auf dieselben zu leiten. Jeder der drei Pavillons enthält an der Nordseite einen Ausbau mit Treppenhaus und zwei kleinern Krankenzimmern, so daß hier auf gewisse Strecken zu beiden Seiten des langen Korridors Krankenräume liegen. Die Zahl der Säle reicht aus, eine regelmäßige Evakuierung zu ermöglichen. Ganz getrennt von den Pavillons schließt die Mauer im Südosten ein Isolierhaus ein, welches absolute Trennung durch doppelten Eingang und nur ein Stockwerk besitzt. Das Isolierhaus ist mit tobsüchtigen Irren, mit Kranken, die besondere Beobachtung oder Bewachung erfordern, belegt; für ansteckende Seuchen besteht ein räumlich getrenntes städtisches Absonderungshaus, das außerhalb des eigentlichen Krankenhauses liegt und von diesem strengstens abgeschieden ist. Dagegen gehören zum Verband des Krankenhauses noch das Kessel- und Maschinenhaus und an der nördlichen Einfahrt das Leichenhaus mit Sektions- und Präparatenzimmer.

Die Heizung, Ventilation und Beleuchtung erfordern beim Bau der K. das größte Interesse. Während man in England nach Nightingale offene Fenster und offene Feuerung als das einzige und beste System für genügende Luftzirkulation gelten läßt, erweisen sich diese Kamine, bei denen die Wärme nur in der Nähe des Feuers verspürt wird, bei uns als ungenügend. Sie wurden verbessert durch Galton, welcher die sonst entweichende Wärme benutzt, um die frisch zuströmende Luft zu temperieren; um den Rauchschlot wird ein gemauerter Raum hergestellt, der mit der Außenluft durch ein Rohr in Verbindung steht. Durch den Schlot wird die Luft des Raums erwärmt, sie saugt daher die kalte Außenluft an, welche dann ihrerseits erwärmt wird und nahe der Zimmerdecke in den Krankensaal einströmt. Nach einem dritten System, welches z. B. im Pavillon von Bethanien in Berlin mit Erfolg angewandt ist, wird der Saal erwärmt durch zwei gußeiserne, mit Schamotte gefüllte Öfen, welche mit je zwei Blechmänteln umgeben sind. Der Raum zwischen den Mänteln, 5 cbm, steht bei dem einen Ofen unter dem Fußboden mit der Außenluft in Verbindung und saugt diese an, der andre, nur bei strenger Kälte benutzte läßt die Saalluft zirkulieren. Die Schlöte beider Öfen münden zusammen und sind von einem unten offenen Blechmantel umgeben, der nahe zur Diele reicht und die schlechte Luft sammelt und fortführt. Die noch kompliziertern Pulsionssysteme sind sehr kostspielig und in ihren Wirkungen zweifelhaft. Eine der besten Heiz- und Ventilationsmethoden ist die oben beschriebene zentrale Dampfheizung am Berliner Barackenlazarett und die Regulierung der Luft durch Dachreiter, die an Schnüren vom Saal aus stellbar sind (vgl. Fig. 4). Auch die Beleuchtung hilft gleichzeitig bei dem Geschäft der Lufterneuerung. Wo immer es möglich ist, bedient man sich schon aus Reinlichkeitsrücksichten des Gaslichts, welches so anzubringen ist, daß ein Blechmantel die erhitzte Luft um den Cylinder in einen Schlot abführen kann. Ebenfalls wichtig ist eine gute Wasserleitung, nicht sowohl, um Trinkwasser zu gewinnen, sondern, um eine gute Waschvorrichtung für die Kranken, bequeme Badeanlagen und vor allen Dingen gründliche Sauberkeit in den Klosetten zu ermöglichen. Nur wenn auf je 10-20 Kranke ein Wasserklosett berechnet ist, kann der notwendigen Anforderung genügt werden, daß keinerlei übler Geruch sich irgendwo im Spital lästig macht. Das Mobiliar wird auf das Nötigste beschränkt, und alle Gegenstände bestehen aus einem Material, welches leichte Reinigung zuläßt. Die Bettstellen, 2 m lang, 1 m breit, 0,65 m hoch, müssen von Eisen sein, mit Rahmen aus Drahtgeflecht oder Springfedern. Darauf eine Roßhaarmatratze oder, wenn die Elastizität vermieden werden soll, wie bei Knochenbrüchen, Streckverbänden u. dgl., ein Strohsack. Leinenes Laken, Kopfkissen von Roßhaaren und überzogene wollene Decke. Die Nachttische mit Schieferplatte nicht verschließbar; darauf ein Glas zum Ausspeien, ein Uringlas. Am Kopfende des Bettes eine Tafel und das Krankenjournal. Die Badewannen sind am besten von Kupfer, ein Material, das zwar teuer, aber dauerhaft und leicht auf seine absolute Sauberkeit kontrollierbar ist. Die Stechbecken sollen ebenfalls von glatter Oberfläche, etwa emailliertem Zink, und oval sein. In den kleinen Spülräumen neben den Krankensälen müssen Tassen, Teller, Porzellanlöffel zum Einnehmen u. dgl. bereit gehalten werden.

Das Heilpersonal besteht an kleinern Hospitälern aus einem, an sehr vielen aus zwei Chefärzten, deren einer die innere, der andre die chirurgische Abteilung dirigiert. Nur an klinischen Instituten sind für jedes Spezialfach ein oder mehrere dirigierende Ärzte von nöten, deren Zahl an der Berliner Charitee z. B. elf beträgt. Auf je 40-70 Kranke etwa ist ein ordinierender Arzt, für je 8-12 ein Wärter zu rechnen. An großen Anstalten ist häufig ein besonderer Prosektor thätig. Als notwendiges Zubehör zu jedem Spital ist ein Leichenhaus erforderlich mit einem Keller zum Aufbewahren, einem anständigen hellen Zimmer zum Aufbahren und Ausschmücken, das den Angehörigen zugänglich ist, einem hellen, heizbaren Sektionsraum mit Kupfer- oder Marmortisch und Wasserleitung. Außerdem sind eine Apotheke oder Dispensieranstalt im Haus, ein Operationssaal und Räume zum Aufbewahren chirurgischer Instrumente, Bandagen etc. nötig.